Ein voller Tornister kann für Werdohler Eltern teuer werden

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Bevor die Kinder ihren ersten Schultag erleben, kommen auf ihre Eltern teilweise hohe Kosten zu.

Werdohl - Für die Kinder in Werdohl war es ein besonderer Tag, auch für ihre Eltern und Großeltern: Doch die Einschulung kann auch ordentlich ins Geld gehen. Für die komplette Grundausstattung eines Erstklässlers hat die Gesellschaft für Konsumsforschung einen durchschnittlichen Betrag von 238 Euro pro Kind errechnet.

Dafür haben die Eltern unter anderem Blei- und Buntstifte, Etui, Hefte und Radiergummi im Einkaufswagen. Doch der größte Posten ist der Tornister, dass kann die Werdohlerin Jasmin Moses nur bestätigten. „Das ist viel Geld. Wir haben uns im Internet über die Preise informiert“, erklärt die Mutter, die am Donnerstag ihre Tochter an der Evangelischen Grundschule einschulen ließ. Für die pinke Schultasche ihres Schulkindes, inklusive Turnbeutel und Federmäppchen, hat Moses knapp 220 Euro bezahlt. Sie habe trotz des hohen Preises auf hochwertige Materialien geachtet. „Qualität lohnt sich“, sagt dazu die Leiterin der Martin-LutherGrundschule Britta Schwarze, die an ihrer Schule unter anderem den Kauf von dicken Buntstiften („Dickies“) empfiehlt. Diese würden für die gesamte Grundschulzeit reichen. Die Schulleiterin: „Es ist uns klar, dass die Kosten hoch sind. Aber normalerweise halten die Materialien bis zur vierten Klasse.“

Zusammen mit den Ausgaben für Schulbücher – Jasmin Moses musste 13 Euro an die Luther-Schule überwiesen – und insgesamt rund 45 Euro für Schulmaterial hat die Mutter für den Schulstart ihrer Tochter 278 Euro ausgegeben. „Wir haben die Materialliste von der Schule früh genug bekommen, so dass wir planen konnten. Gerade zur Urlaubszeit war das hilfreich“, sagt Moses. Die Einschulung sei für ihre Familie finanziell kein Problem gewesen. Doch sie könne sich vorstellen, dass Eltern dabei Hilfe brauchen.

Hilfe für finanzschwache Familien

Familien, die Arbeitslosengeld II, Hartz IV oder ähnliches bekommen, können sich für den Schulstart 2015/16 Unterstützung in Form eines sogenannten „Schulbedarfspakets“ holen, darauf wies das NRW-Ministerium für Arbeit, Schule, Integration und Soziales hin. „Die Eltern müssen allerdings dazu bereit sein, sich zu outen“, sagt Britta Schwarze, die die Familien ihrer Schulanfänger über die Möglichkeiten im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaket und über die Aufgabenbereiche des schuleigenen Fördervereins aufklärt. An ihrer Schule sei zudem mit der Sozialarbeiterin Hannah Wirth eine Ansprechpartnerin vorhanden.

Ohne Kosten geht es nicht

Neben der Aufklärung versuche die Luther-Schule auch, den Kindern und Eltern ein nachhaltiges Denken im Bezug auf die Materialien beizubringen. „Ich finde es furchtbar, wenn Kinder jedes Schuljahr einen neuen Tornister haben müssen, weil dieser entweder kaputt ist oder nicht dem Modetrend entspricht“, sagt Schwarze. Auch nach der Grundschulzeit kommen auf die Familien weitere Kosten zu. Rund 67,10 Euro mussten die Eltern alleine für die Schulbücher bezahlen, die ihre Kinder für den Unterricht an der Städtischen Realschule in Werdohl brauchen. Teilweise seien die Bücher aber für mehrere Schuljahre ausgelegt. „Die Eltern müssen nicht jedes Jahr so viel bezahlen“, erklärt Melanie Effenberger, Lehrerin der 5a der Realschule. Gerade bei den „Fünfern“ seien viele Dinge dabei, die sie für länger gebrauchen können, fügt Rabea Kleinschmidt, Lehrerin der 5a, hinzu: „Wir empfehlen den Schülern, auch die Materialien aus der Grundschule weiter zu benutzen. Ganz ohne Kosten geht es aber nun einmal nicht.“

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