Eltern und Leitung der Realschule melden sich in der Schuldebatte zu Wort

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Tatjana Pulter, Erdinç Genç und Johanna Trautmann-Stuberg sowie Konkrektorin Urlike Schulte-Schürholz (von links) setzen sich für den Fortbestand der Realschule ein. Einer Auflösung zugunsten der Gesamtschule erteilen sie eine Absage.

Werdohl - Die Elternpflegschaft der Realschule will einer möglichen Auflösung ihrer Schule zugunsten der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) nicht tatenlos zusehen. Das haben die Vertreter am Freitag betont.

Auch die kommissarische Schulleiterin, Konrektorin Ulrike Schulte-Schürholz, legt sich für einen Fortbestand der Realschule ins Zeug. Die Elternpflegschaftsvorsitzende Tatjana Pulter und die beiden Pflegschaftsmitgliedglieder Erdinç Genç und Johanna Trautmann-Stuberg können nicht verstehen, warum es Überlegungen gibt, eine gut funktionierende Schule, die seit Jahren sicher zweizügig geführt wird, aufzugeben. 

Für die Realschule sprächen zudem die familiäre Atmosphäre, die zu einem engen Miteinander von Schülern, Eltern und Lehrern beitrage. All das könne die große Gesamtschule am Riesei ihrer Meinung nach nicht bieten. Auch der Halbtagsbetrieb sei ein Argument für die Realschule. 

Bestreben, die gymnasiale Oberstufe zu erhalten

„Die Eltern wissen das alles, wenn sie ihre Kinder an der Realschule anmelden“, gibt Johanna Trautmann-Stuberg zu bedenken. Für die Politiker zählen jedoch möglicherweise andere Argumente, wenn sie über die zukünftige Gestalt der Werdohler Schullandschaft entscheiden müssen. Immer wieder ins Feld geführt wird das Bestreben, in Werdohl die gymnasiale Oberstufe zu erhalten. 

Dies bietet die Gesamtschule derzeit an. Für die Schulpflegschaft der Realschule ist das jedoch wiederum kein wesentliches Kriterium. „Werdohl hat mehr davon, eine wirklich gute Ausbildung bis zur Klasse zehn anzubieten“, sagt Johanna Trautmann-Stuberg, die auch nicht befürchtet, dass es gute Werdohler Schüler über die Gymnasien in den Nachbarstädten dauerhaft wegziehen könnte. „Die Stadt muss attraktiv sein, dann wandert auch niemand ab“, behauptet sie. 

Wer das Potenzial hat, geht direkt zum Gymnasium

Auch Ulrike Schulte-Schürholz misst der Möglichkeit zum Abitur an der Gesamtschule eine gar nicht so große Bedeutung bei. Sie glaubt nämlich nicht, dass so viele Grundschüler mit einer Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe an die AEG wechseln. Genaue Zahlen gebe es aber nicht, beklagt sie mangelnde Transparenz und fragt: „Warum windet man sich um diese Antwort herum?“ Werdohler Schüler mit Potenzial für die Oberstufe gingen gleich zum Gymnasium und nicht zur Gesamtschule, glaubt sie. 

Dagegen spricht aber die Tatsache, dass an der AEG jährlich etwa 50 Schüler ihre Abiturpüfung ablegen. Die Konrektorin der Realschule bringt aber noch einen weiteren Gedankenansatz in die Diskussion ein: „Wer garantiert denn überhaupt, dass alle Grundschüler, die normalerweise zur Realschule wechseln würden, zukünftig an der Gesamtschule angemeldet werden?“, wirft sie in die Runde. 

Finnentrop als warnendes Beispiel

Die Schulsituation in Finnentrop könne Werdohl als warnendes Beispiel dienen. Dort seien 2012 Haupt- und Realschule geschlossen worden, um eine neue Gesamtschule einzurichten. Stärkere Schüler seien aber an Gymnasien in der Nachbarschaft abgewandert. „Die Auflösung der Realschule wird auch hier in Werdohl nicht zielführend sein“, behauptet Schulte-Schürholz. 

Sie glaubt, dass Werdohl zwar über ausreichend Kinder für zwei Schulsysteme verfüge, allerdings nicht für eine gymnasiale Oberstufe. Sie regt deshalb die Umwandlung der Gesamtschule in eine Sekundarschule an, die neben der Realschule gut existieren könne.

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