Eindeutiges Votum für den Euro

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Nulla Lafzidou tut „der kleine Mann“ in Griechenland leid, dem die Regierung jetzt das Geld weg nehme.

Werdohl - Das Hin und Her zwischen Griechenland und der EU sorgt derzeit für reichlich Gesprächsstoff. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält sich bedeckt. Sie will abwarten, ob die Griechen am Sonntag für oder gegen die Vorschläge Europas zur Krisenbewältigung stimmen. Damit geben sie faktisch auch ihr Votum über einen Verbleib in der EU, mögliche Neuwahlen und somit eine neue Regierung ab. Die Unterstützung der Berliner CDU- und SPD-Abgeordneten für die griechische Politik schwindet – und damit auch der Rückhalt für Merkels Politik in ihren eigenen Reihen.

Eindeutig für den Euro sprechen sich die beiden Werdohler Wirte Nulla Lafzidou vom Pub LA und Dino Bisogias vom Mythos 24 aus. „Dafür hat man schließlich eine Familie“, sagt Lafzidou. „Und Europa ist doch jetzt unsere Familie.“ Beide heimischen Wirte haben die griechische Staatsangehörigkeit, dürften am Sonntag aber nur selbst abstimmen, wenn sie dazu nach Griechenland reisten. Überhaupt ist der Mythos-Wirt gegen das Referendum: „Beim Eintritt in den Euro hat das Volk ja auch keiner gefragt. Das gab’s ja nur in Irland.“ Aber für ihn sei es „keine Frage“, dass die gemeinsame Währung richtig sei und bleibe. 80 Prozent aller Griechen – schätzt er – sähen das genauso.

„Wer kann von 60 Euro am Tag denn leben?“

„95 Prozent der Hilfsgelder gehen doch an die Bonzen, das landet nur bei den Banken“, ereifert sich dagegen Lafzidou. „Mir tut nur der kleine Mann leid. Der hat seine Familie, muss sein Haus abbezahlen, geht weiter malochen – so viel, dass er umfällt – und der Staat nimmt ihm das Geld weg.“ Rhetorisch fragt sie: „Wer kann denn von 60 Euro am Tag leben?“ Doch dann holt sie tief Luft und sagt: „Aber das ist hier in Deutschland ja nichts anderes – mit den Leiharbeitsfirmen.“

Kein gutes Haar lässt die Wirtin an der momentanen griechischen Regierung: „Die haben den Leuten doch nur Gott und die Welt versprochen.“ Das Volk könne sich jedoch sowieso nicht gegen die Politik wehren. „In meiner Familie sind sie alle nur froh, dass sie überhaupt noch Arbeit haben.“

Anders sieht das Bisogias: „Die von der neuen Regierung sind ja erst ein paar Monate am Ruder. Sie versuchen’s, aber sie können nichts machen. Schuld sind doch die Vorgängerregierungen.“

Er war im November zuletzt bei seinen Eltern in Griechenland. Lafzidou hat zuhause Weihnachten verbracht. Ihr Vater und ihre Mutter hätten vorsorglich Bargeld zuhause an die Seite gelegt: „Was sollen sie auch machen? Die sind beide in ihren 80ern und brauchen im Monat schon allein für Medikamente 150 Euro.“ Die Eltern von Bisogias dagegen haben keine Rücklagen unter dem sprichwörtlichen Kopfkissen: „Die sind total verunsichert, wissen nicht, was los ist“, hat der Werdohler Wirt in jüngsten Telefonaten erfahren. „Sie haben einfach Angst vor der Zukunft.“

Merkel soll sich um Deutschland kümmern

Beide Wirte fühlen sich unter dem Strich mehr als Deutsche, denn als Griechen. Lafzidou stellt eindeutig klar: „Ich bin mit anderthalb Jahren hierher gekommen. Ich arbeite hier und ich zahle meine Steuern hier.“ Und Bisogias betont: „Kanzlerin Merkel soll sich um Deutschland kümmern, nicht um Griechenland.“

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