„Ein wunderbarer Mensch“ - Eröffnung der Ausstellung mit Bildern von Paul Seuthe

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Paul Seuthes Bilder und die Erinnerungen an ihn boten Anlass für viele Gespräche.

WERDOHL - Die Wiederentdeckung des Malers Paul Seuthe geht weiter: Auf großes Interesse stieß gestern im Kleinen Kulturforum die Eröffnung einer umfangreichen Ausstellung mit Werken, die der Künstler dem Märkischen Kreis im Jahr 1992 vermachte.

 „Es ist schön, dass Paul Seuthe in diesem Jahr in so vielfältiger Form gewürdigt wird“, freute sich der stellvertretende Bürgermeister Andreas Späinghaus über die mannigfachen Bemühungen, dem Maler Paul Seuthe wieder einen festen Platz im Gedächtnis der Werdohler zu reservieren.

Der Künstler und Architekt sei „ein wunderbarer und bodenständiger Mensch“ gewesen, der mit verschiedenen Materialien arbeitete und wesentlich mehr war, als nur ein Heimat- und Sauerlandmaler – trotz der Heimatverbundenheit, die ihn zeitlebens auszeichnete. Obwohl Seuthe offenbar eher skeptisch gegenüber Selbstbildnissen eingestellt war, begrüßt ein Porträt von ihm die Besucher: „Bin mir böse“ erklärt der Titel den etwas grimmigen Gesichtsausdruck des Mannes, der 1909 in Hagen geboren wurde und seinen Brotberuf als Architekt mit einer entsprechenden Ausbildung buchstäblich „untermauerte“.

Schon sein Selbstbildnis zeigt Seuthes Selbstironie, an die sich auch der Ex-Kreisarchivar Dr. Rolf Dieter Kohl am Rande der Ausstellungseröffnung gerne erinnerte. Hans Lübeck, ein weiterer alter Bekannter des Künstlers, fügte weitere Eigenschaften des Künstlers hinzu: heiter und herzlich – ein kritischer Geist, der nie stehengeblieben sei. Lübeck berichtete über Seuthes Abscheu gegenüber den Nationalsozialisten, die einen beispiellosen Exitus moderner Künstler erzwangen. „Es war ihm unverständlich, dass alle Werte der modernen Kunst in Unwerte umgedeutet wurden.“

Lübeck wusste auch von einem bösen Spott des Architekten „P.S.“, der sich 1953 selbständig machte: „Ich half kräftig mit, den Ort Werdohl zu vermanschen – soweit das überhaupt noch möglich war.“ Nur wenige Werke im Kleinen Kulturforum dokumentieren Seuthes naturalistisches Frühwerk, das nette Ansichten sauerländischer Landschaften zeigt. Sicherlich am stärksten war der Künstler dort, wo er persönliche Eindrücke in der künstlerischen Auseinandersetzung zunehmend abstrahierte: Mehrere Landschaftsaquarelle von Dünen bis Norwegen dokumentieren diese gemalten Reisenotizen.

 „Dresden 45“ erinnert an die schwer getroffene Stadt, in der sich fast nur noch Ruinen in den Himmel reckten. Zu den Aquarellen gesellen sich viele Collagen, die der Künstler mit unterschiedlichen Techniken ergänzte. In dieser abstrakten und ungeometrischen Kunst verließ Seuthe die Pfade der Abstraktion gegenständlicher Sujets. Eine Informationstafel verdeutlicht in der Ausstellung die Fülle an Mal- und Gestaltungstechniken, die ein sehr vielfältiges Werk hervorbrachten: Ölmalerei, Mischtechnik, Marmoriertechnik, Druck und Handdruck und die bereits genannte Aquarell- und Collagentechnik.

Eine weitere Infotafel informiert über die Biographie des Künstlers, der am 10. November 1997 in Werdohl starb.

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. November sonntags und donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr geöffnet.

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