Rätselhaftes Schicksal einer Marihuana-Plantage

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So sehen gesunde Marihuana-Pflanzen aus, wenn es gut läuft. Drei Männer aus Werdohl hatten allerdings nicht so viel Glück.

Werdohl - Das war wohl nichts: Mit einer Marihuana-Plantage wollten zwei Männer aus Werdohl Ende 2013 ihre desaströse finanzielle Lage bessern. Doch vier Wochen vor der Ernte seien ihnen die Pflanzen gestohlen worden, versicherten die beiden Angeklagten im Amtsgericht Altena.

Die Idee kam einem der beiden Hobbygärtner ausgerechnet an einer Ampel neben der Werdohler Polizeiwache: „Ich hatte die Insolvenz hinter mich gebracht – da kam mir das irgendwie in den Sinn“, erinnerte sich ein 38-jähriger Familienvater, der einen 29-jährigen ehemaligen Kollegen für die Idee begeistern konnte. Weil beide Möchtegern-Gärtner Familie hatten und es sich nicht empfahl, den Ehefrauen von dem Nebenerwerb zu erzählen, gewannen sie einen weiteren ehemaligen Kollegen (35) für das Projekt. Der hatte keine Familie und ein Zimmer übrig, das fortan der bekanntlich sehr aufwändigen Anzucht der Pflanzen diente: „Die Setzlinge haben wir selber gezogen.“ Ab September 2013 setzten die Gärtner ihren Traum von der Selbständigkeit in der Wohnung um. Doch Anfang Dezember folgte das traurige Erwachen: Während eines nächtlichen Ausflugs nach Altena und Iserlohn sollen die noch nicht erntereifen Pflanzen verschwunden sein: „Um drei Uhr kamen wir zurück – da war alles abgeerntet.“

Der Besitzer der Herberge für die Marihuana-Pflanzen hatte seine eigene Meinung zum Verschwinden der Pflanzen: „Angeblich sollte bei mir eingebrochen worden sein. Ihr habt das geklaut“, unterstellte er den beiden Mittätern noch im Gerichtssaal. Diese hätten ihn unter massiven Drohungen gezwungen, ein Zimmer zur Verfügung zu stellen: Einer der beiden habe ihm sogar gedroht, ihn umzubringen. Richter Dirk Reckschmidt witterte einen Widerspruch. Warum sollte der Wohnungsbesitzer sich ausgerechnet über diesen Diebstahl aufregen? „Wenn die Plantage gegen Ihren Willen in Ihrer Wohnung war, hätten Sie doch froh sein müssen, dass sie weg war.“ Noch nach der Urteilsverkündung randalierte der 35-Jährige, der mit einem Jahr auf Bewährung am Besten weggekommen war: „Ich habe damit nichts zu tun. Ich kenne diese beiden geldgierigen Tiere nicht“, beteuerte er.

Mit Interesse betrachteten die Staatsanwältin und die Schöffen ein Foto, das den 35-Jährigen jedoch zusammen mit seinen beiden Mitangeklagten zeigte. „Er schaut relativ glücklich aus den Grünpflanzen und nicht gequält und geknebelt“, stellte Richter Dirk Reckschmidt fest.

Die beiden Mittäter kamen mit Haftstrafen von einem Jahr und drei Monaten sowie einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung davon. Der 38-Jährige bekam einen Zuschlag, weil er 2015 eine weitere kleine Plantage bei sich zuhause angelegt hatte.

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