Scabies-Ausbruch in Werdohler Flüchtlingsheim

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In diesem Zimmer und in einem weiteren in der Flüchtlingsunterkunft Im Winkel haben die Männer gewohnt, die an Scabies erkrankt sind. Die Stadt Werdohl hat angeordnet, dass sich hier vorerst niemand aufhalten soll.

Werdohl - Wegen einer ansteckenden Hautkrankheit hat die Stadt Werdohl am Mittwoch einen Teil der Flüchtlingsunterkunft Im Winkel geräumt. Fünf Personen mussten sich in ärztliche Behandlung begeben.

Am Mittwochmorgen habe die Stadt erfahren, dass einige Bewohner der Flüchtlingsunterkunft unter einer juckenden Hautreaktion litten, bestätigte Sozialamtsleiter Bodo Schmidt auf Anfrage der Redaktion. Vermutlich handele es sich um eine Scabies-Infektion. Landläufig ist diese Erkrankung als Krätze bekannt. Die Stadt habe darauf unverzüglich reagiert, indem sie die erkrankten Personen dazu gebracht habe, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Außerdem seien die von den Erkrankten bewohnten Zimmer geräumt worden.

Nach Darstellung Schmidts sind nur zwei Zimmer der erst in diesem Winter bezogenen und aktuell von 35 Personen bewohnten Unterkunft betroffen. Diese Zimmer seien von fünf Personen bewohnt gewesen, von denen aber nur drei Scabies-Symptome gezeigt hätten. Dennoch seien nun alle fünf in hautärztlicher Behandlung. Sie seien inzwischen auch allesamt separat untergebracht worden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Die Zimmer, in denen die Erkrankten – nach Informationen des Kreis-Gesundheitsamtes erwachsene Männer – zuletzt gewohnt haben, seien ausgeräumt worden und sollen jetzt zunächst einmal leer stehen, erklärte der Sozialamtsleiter das weitere Vorgehen der Stadt. Er gehe davon aus, dass die Angelegenheit dann in etwa einer Woche erledigt sei. Weitere Maßnahmen seien nicht notwendig. „Das war schon mehr, als wir hätten tun müssen. Allerdings werden wir das im Auge behalten müssen“, sagte Schmidt.

Krätze wird oft mit unhygienischen Verhältnissen und Verwahrlosung assoziiert. Dabei haben Krätzemilben nicht unbedingt mit unhygienischen Lebensverhältnissen zu tun, sondern breiten sich – ähnlich wie Läuse – dort aus, wo viele Menschen zusammenkommen. Betroffen sind besonders Alten- und Pflegeheime, aber auch Kindergärten, Schulen und sogar Krankenhäuser. Die Krankheit lässt sich relativ leicht durch ein- oder zweimaliges Eincremen der betroffenen Haupartien mit einer speziellen Salbe therapieren. Um eine Ansteckung zu verhindern, soll allerdings ein enger Körperkontakt mit an Scabies erkrankten Personen vermieden werden.

„In solchen Einrichtungen hat man immer wieder mit Infektionskrankheiten zu tun. Darauf muss man dann angemessen reagieren“, war Schmidt bemüht, die ganze Angelegenheit so sachlich wie möglich zu beurteilen. Die Stadt Werdohl habe nach Bekanntwerden des Krankheitsausbruchs Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen und dort Rat eingeholt.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung erscheinen die Beschwerden, die zwei Iraker in der vergangenen Woche vorgebracht haben, in etwas anderem Licht. Sie hatten von Hauterkrankungen bei Personen berichtet, die das Flüchtlingsheim Im Winkel bewohnen. Sozialamtsleiter Schmidt hatte in einer Reaktion darauf aber erklärt, davon nichts zu wissen. Das bekräftigte er auch am Mittwoch noch einmal: Von einem Scabies-Auftreten habe er erst am Vormittag erfahren.

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