Hausarztpraxis Bessel in Werdohl findet Nachfolger

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Dr. Hans-Gunter Bessel (67) hat seine Hausarztpraxis an Dr. Hikmet Dogan (40) weitergegeben – ein Glücksfall für beide Ärzte und natürlich auch für die Patienten. Bessel hat seine Praxis auf den Tag genau dreißig Jahre lang betrieben.

Werdohl - Hans-Gunter Bessel (67) hat für seine dienstälteste Werdohler Hausarztpraxis an der Bahnhofstraße einen Nachfolger gefunden. Der 40-jährige Dr. Hikmet Dogan wohnt nur ein paar Minuten von seiner neuen Praxis entfernt – und strebt danach, sich als Hausarzt niederzulassen.

In einer Zeit, in der die Patientenversorgung in kleinen Städten auf der Kippe steht, ist das ein außerordentlich seltener Glücksfall. Bessel hatte sich schon vor einiger Zeit Gedanken über seine Nachfolge gemacht, natürlich kennt er auch die kollegiale Situation in Werdohl. Neben seiner Praxis gibt es in Werdohl noch weitere sieben. Drei der Kollegen sind in einem Alter, in dem sie sofort in den Ruhestand gehen könnten. Bessel: „In der Regel findet man keinen Nachfolger, es will eben niemand in eine so kleine Stadt wie Werdohl.“

Als Hausarzt habe man relativ viel Arbeit bei einem relativ geringen Einkommen, dazu komme noch das wirtschaftliche Risiko als Ein-Mann-Unternehmer mit Angestellten und der technischen Ausstattung. „Man kann den Arztberuf auch einfacher haben“, meint Bessel. Viele jüngere Kollegen strebten in Großpraxen mit gegenseitiger Vertretungsmöglichkeit, ein Angestelltenverhältnis sei bequemer als der Hausarzt als Einzelkämpfer.

Der Kontakt zu seinem Nachfolger Dr. Hikmet Dogan kam eher zufällig zustande. Im Haus an der Bahnhofstraße wechselte der Inhaber der Neuen Apotheke: Wolfgang Stecher übergab seine Apotheke an Kenan Karakas. „Herr Karakas hat mir den Kontakt zum Kollegen Dogan vermittelt“, erzählt Bessel. Vor gut einem Jahr wurden die Gespräche zwischen den beiden Medizinern konkreter, bis Dr. Dogan die Zulassung der kassenärztlichen Vereinigung beantragen konnte. Die Zulassung bekam er am 3. September, die Praxis öffnet unter seinem Namen am 5. Oktober.

Dr. Dogan kam 2002 nach Werdohl

Dr. Hikmet Dogan wurde 1976 in der Türkei geboren, wo er aufwuchs, die Schule besuchte und studierte. Zwei Jahre arbeitete er als Arzt in seinem Heimatland, bis er im Sommer 2002 nach Werdohl kam. „Ich habe erstmal Deutsch gelernt am Goethe-Institut in Düsseldorf“, berichtet Dr. Dogan. Seine erste Stelle hatte er an der Werdohler Stadtklinik, bis er 2006 dort seine Anerkennungsprüfung auf der Inneren ablegte. Weiter ging es zum Lüdenscheider Klinikum auf die Innere, dort blieb er für zwei Jahre. Danach wechselte er wieder an seinen neuen Heimatort Werdohl zurück an die Stadtklinik. Bei der Konkurrenz, dem Plettenberger Krankenhaus, war er die Jahre 2011 und 2012 in der Inneren beschäftigt. Zuletzt ging es wieder zurück ans Klinikum Lüdenscheid, wo er im Mai 2014 seine Facharztprüfung als Internist ablegte.

Dr. Dogan hat genaue Vorstellungen von seinem beruflichen Werdegang. Er sei gleichfalls bestens ausgebildet in der Onkologie und in der Gastroenterologie. Zudem habe er umfangreich als Notarzt gearbeitet. Seine Ausbildungen hierzu seinen abgeschlossen, er habe lediglich noch nicht die Zeit gefunden, die entsprechende Prüfungen und Nachweise zu erbringen. „Ich wollte mich erstmal niederlassen“, so sein vordringlichstes Ziel. Er lebe seit 14 Jahren in Werdohl, hier gefiele es ihm sehr gut. „Warum sollte ich hier wohnen, wenn es mir hier nicht gefallen würde?“ fragt er lächelnd.

Der hohe Anteil türkischstämmiger Bevölkerung in Werdohl sei für ihn auch ein Grund, sich genau hier niederzulassen. Viele seiner Landsleute würden bis ins Ruhrgebiet fahren, um einen muttersprachlichen Arzt aufzusuchen. Durch seine Tätigkeiten in den umliegenden Krankenhäusern kenne er sehr viele Patienten und deren Mentalität. Er hätte auch nach Altena gehen können, so Dr. Dogan. Die kassenärztliche Vereinigung habe ihm gesagt, dort sei die hausärztliche Versorgung in Gefahr. „Aber ich wollte hier in Werdohl meine Praxis haben“, bekennt er sich zu seinem aktuellen Lebensumfeld.

Neues Inventar ist bereits eingebaut

Dogan übernimmt alle drei medizinischen Fachangestellten und will die kleine Praxis nach und nach erweitern und vergrößern. Neues Inventar ist eingebaut, moderne Untersuchungsgeräte gekauft, alles ist auf Vordermann gebracht worden. Dr. Dogan wird das papierlose Büro einführen. Dr. Hans-Gunter Bessel ist froh über diese Entwicklung. Nach dreißig Jahren in derselben Praxis wolle er in Zukunft vielleicht nur noch „hier und da mal einspringen und mithelfen“.

Hans-Gunter Bessel kommt aus Neuenrade und studierte in Köln Medizin. Seine erste Assistenzarztstelle hatte er im Krankenhaus Plettenberg im Bereich Innere und Chirurgie. „Der damalige Chefarzt der Chirurgie hat mich ein wenig in Richtung Hausarztpraxis geschubst“, erinnert sich Bessel heute. Die Praxis läge ihm besser als das Krankenhaus – diesen Rat habe er befolgt und bis jetzt nie bereut. Dr. Bessel übernahm die Praxisräume des Gynäkologen Dr. Manolis.

„Ich bin damals bei Null angefangen“, so Bessel. Damals habe es in Werdohl noch viele konkurrierende Hausärzte gegeben, Bessel musste sich seinen Patientenstamm erst hart erarbeiten. Nach einer längeren Durststrecke habe er sich etablieren können, wenn er auch sicher die kleinste aller Werdohler Hausarztpraxen betrieben habe. Seinen Patienten habe er stets viel Zeit gewidmet. Früher habe sich der Patient seinen Arzt ausgesucht, heute könne ein Patient froh sein, einen Arzt zu finden. Mit seinem ärztlichen Schaffen ist er sehr zufrieden: „Hausarzt ist ein sehr schöner Beruf.“

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