Nach Brandstiftung 

Gericht urteilt: 27-Jährige muss nicht in die „Geschlossene“

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Im Februar 2016 war die Frau aus dem Fenster ihrer selbst angezündeten Wohnung an der Meilerstraße mehrere Meter in die Tiefe gesprungen.

Werdohl/Hagen - Die 27-jährige Frau, die am 9. Februar ihre Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Meilerstraße in Brand setzte, muss nicht in ein geschlossenes psychiatrisches Krankenhaus: Die 6. Strafkammer des Landgerichts sah zwar die Voraussetzungen für eine solche Einweisung, setzte einen entsprechenden Beschluss aber zur Bewährung aus.

Damit ist der Weg frei für eine Rückkehr der jungen Frau nach Werdohl. Hier hatte das Haus Wegwende ihre Aufnahme auf Probe angeboten. Das Wohnheim für psychisch beeinträchtigte Menschen bietet eine stationäre Unterbringung im Haupthaus sowie das Zusammenleben in betreuten Außenwohnungen an.

In ihrer Anklageschrift war die Staatsanwaltschaft Hagen noch von einer verminderten Steuerungsfähigkeit der Beschuldigten ausgegangen. In seinem mündlichen Gutachten hatte der Psychiater Pedro Michael Faustmann aber nicht ausschließen können, dass die junge Frau zum Zeitpunkt der Brandlegung in keiner Weise mehr „Herr“ ihrer Selbst und ihres selbstzerstörerischen Impulses war.

Auf dieser Grundlage wurde sie wegen Schuldunfähigkeit vom Vorwurf der Brandstiftung freigesprochen, obwohl sie den Brand gelegt hatte: „Sie waren so verengt auf Ihr Ziel, Ihr Leben auszulöschen, dass Sie sich diesem Vorhaben nicht mehr entgegenstemmen konnten“, fasste der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt diesen absoluten Tiefpunkt im bisherigen Leben der jungen Frau zusammen. In seiner Urteilsbegründung fasste er ihren schwierigen Lebensweg noch einmal zusammen: Die Mutter war schwer alkoholkrank, der Vater überfordert mit der Erziehung der Kinder. Nach dem Scheitern einer desaströsen Beziehung fand die junge Frau keine Hilfe in Werdohl und wohnte stattdessen allein in ihrer Wohnung. „Und so waren Sie ziemlich auf sich selbst gestellt.“

Verbunden mit der Bewährungs-Entscheidung einer Aussetzung der Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung sind viele Auflagen. Die sollen verhindern, dass die junge Frau noch einmal in eine derart verzweifelte und gefährliche Lage kommt: Das Gericht legte die Bewährungszeit auf fünf Jahre fest, verordnete ihr regelmäßige Kontakte zu einem Psychiater in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer und will immer wieder überprüfen lassen, ob die Patientin ihre Medikamente nimmt. Offenbar verfügt die 27-Jährige über eine hilfreiche Krankheitseinsicht und den Willen, sich helfen zu lassen.

Im Landgericht berichtete ein behandelnder Arzt aus Eickelborn, dass sie dort in Gesprächs- und Arbeitstherapien ein Stück weit zurück ins Leben gefunden habe. „Wir können es wagen, die Maßregel zur Bewährung auszusetzen“, verabschiedete der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt die 27-Jährige. „Dafür wünschen wir Ihnen alles Gute.“

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