Diesel-Dieb bestreitet Taten lange und hartnäckig

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Werdohl - Das hätte der Angeklagte (33) schon vor Monaten und erheblich preiswerter haben können: Richter Dirk Reckschmidt verurteilte den Diesel-Dieb aus Werdohl zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Was allerdings erheblich mehr zu Buche schlägt, sind die Kosten für ein Gutachten von Dr. Cornelius Schott, einem nicht unumstrittenen Sachverständigen für anthropologische Vergleichsgutachten. 

Denn bei seinen nächtlichen Streifzügen über diverse Baustellen war der Angeklagte von einer Überwachungskamera gefilmt worden. Dennoch bestritt er in einem ersten Anlauf im Amtsgericht Altena, dass er jener Dieb gewesen sei, der Hunderte von Liter Dieselkraftstoff aus diversen Tanks in eigene Kanister laufen ließ. 

"An Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit"

Der Gutachter befand aufgrund des Vergleichs zwischen den Aufzeichnungen und einem Foto des Angeklagten, dass dieser „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ der Täter dieser nächtlichen Streifzüge gewesen sei.

Dennoch blieb der 33-Jährige dabei: „Das war ich nicht. Den Diesel habe ich nicht genommen.“ Auch ein Hinweis auf das schriftlich vorliegende Gutachten konnte ihn zunächst nicht überzeugen – genauso wenig wie die Ankündigung immenser Kosten für die Ladung des Sachverständigen zum nächsten Gerichtstermin.

Geständnis nach vertrauensvollem Gespräch

Rechtsanwalt Dirk Löber, der auf das nächste Strafverfahren wartete, spendierte ein vertrauensvolles Gespräch vor dem Gerichtssaal, das den Angeklagten dann doch veranlasste, ein umfassendes Geständnis abzulegen. 

Demnach leerte er am 25. Februar 2014 den Tank eines Krans, der an einer Baustelle an der Leipziger Straße in Ütterlingsen stand und erbeutete dabei Diesel im Wert von rund 250 Euro. Auf einer Baustelle an der Rosmarter Straße zwischen Altena und Lüdenscheid knackte er am 26. Juli 2015 die Tankdeckel von zwei Baggern und einem Kran und erbeutete insgesamt mehr als 500 Liter Diesel.

Sachschäden zwischen 45 und 300 Euro

Immer entstand dabei auch Sachschaden, der sich zwischen 45 und 300 Euro bewegte. Mitangeklagt war auch ein Betrug zu Lasten der Arbeitsagentur, der mit in die letztlich verhängte Geldstrafe von 900 Euro einging: Rund 490 Euro hatte die Arbeitsagentur zuviel bezahlt, weil der Angeklagte seine Arbeitsaufnahme nicht rechtzeitig gemeldet hatte.

Die Hälfte habe er bereits zurückgezahlt, berichtete der Angeklagte. Dass das Urteil relativ milde ausfiel, lag an fehlenden Vorstrafen und möglicherweise auch daran, dass der 33-Jährige erheblich bestraft ist durch die Kosten für das schriftliche Identitätsgutachten.

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