Denkmalschutz: „Suche die beste Lösung für alle“

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Reinhild Wüllner-Leisen ist bei der Werdohler Stadtverwaltung unter anderem für den Denkmalschutz zuständig.

Werdohl - Was haben der städtische Kindergarten in Ütterlingsen, die alte Schmiede inPungelscheid und das Wehr in Wilhelmsthal gemeinsam? Sie sind Baudenkmäler. In ganz Werdohl gibt es fast 50 Stück davon. Reinhild Wüllner-Leisen kennt sie alle, denn sie ist städtische Beauftragte für den Denkmalschutz.

Seit 35 Jahren – genau ab dem 1. Juli 1980 – gibt es in Nordrhein-Westfalen das Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler. Damals begutachtete das Westfälische Amt für Denkmalpflege geschichtlich interessante Bereiche. Die Gemeinden sollten diese dann unter Denkmalschutz stellen.

„Bevor ein Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird gibt es erst einmal eine Anhörung der Eigentümer. Dort wird die Entscheidung, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, mitgeteilt und sie dürfen ihre Meinung dazu äußern“, erklärt Reinhild Wüllner-Leisen, die bei der Werdohler Stadtverwaltung unter anderem für den Bereich Denkmalschutz zuständig ist. „Danach liegt die Entscheidung beim Stadtrat.“

Damit ein Gebäude für den Denkmalschutz in Frage kommt, müssen laut Denkmalschutzgesetz „für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche und städtebauliche Gründe vorliegen“. Die Gebäude müssen also weder besonders alt und schon gar nicht schön sein. Wichtig ist nur die Geschichte und ihre Bedeutung für die Bevölkerung.

Heute gibt es in Werdohl insgesamt 44 Baudenkmäler, von denen eines ein bewegliches Denkmal ist (die Marien-Glocke). Der Großteil der Baudenkmäler (34) sind in privatem Besitz, fünf gehören den Religionsgemeinschaften und die restlichen fünf sind in kommunalem Besitz. Doch nicht nur Gebäude können unter Denkmalschutz gestellt werden, sondern auch „Garten-, Friedhofs- und Parkanlagen sowie andere von Menschen gestaltete Landschaftsteile“ heißt es im Denkmalschutzgesetz. Daher gibt es auch fünf Bodendenkmäler in Werdohl, von denen nur eines im Eigentum der Stadt steht.

Zu den wichtigsten Werdohler Denkmälern zählen für Wüllner-Leisen unter anderem das Rathaus und die baulichen Reste der ehemaligen Burg Pungelscheid. „Es ist eher selten, dass ein neues Denkmal dazu kommt. Meistens kommen die Vorschläge dafür aus der Bürgerschaft“, sagt Wüllner-Leisen. Noch seltener komme es vor, dass ein Denkmal abgerissen werde. Das Haus Wintersohl zum Beispiel befand sich auf der Königsburg, wurde 1988 unter Schutz gestellt und in den 1990-er Jahren abgerissen, weil es baufällig war.

Direkte Kosten entstehen durch den Denkmalschutz für die Anwohner nicht, dennoch ist der Gebäudeerhalt meist mit einem größeren Aufwand verbunden. Alle Baumaßnahmen müssen vorher mit Reinhild Wüllner-Leisen abgesprochen und von den Fachleuten des Westfälischen Amts für Denkmalpflege begutachtet werden.

Dies gilt auch für die nähere Umgebung des Denkmals. „Dafür bekommen die Anwohner aber Steuererleichterungen. Früher gab es zudem auch noch Fördermittel von der Stadt, aber durch die Sparmaßnahmen ist das nicht mehr möglich“, sagt Wüllner-Leisen.

Generell versuche sie, den Bewohnern mit ihren Entscheidungen entgegen zu kommen und die beste gemeinsame Lösung für alle zu finden. Probleme habe es eigentlich nur in der Anfangszeit gegeben.

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