Comedien Olivier Sanrey gastiert in der Stadtbücherei

Mit absurd-weißer Brille und deutlich hörbarem Akzent erläuterte Oliver Sanrey seine Sicht auf die Welt.

Werdohl - Gespalten war das Publikum am Freitagabend nach dem Auftritt des belgischen Komikers Olivier Sanrey in der Stadtbücherei. Während die einen beim Herausgehen sagten, das Gastspiel des Comediens sei „total klasse“ gewesen, fanden die anderen: „Der Funke sprang nicht über.“

Und in der Tat: Manchmal ließ er seine Geschichten ohne Pointe versickern. So berichtete er vom Online-Banking – und sprang gedanklich plötzlich zu zwei Polizisten, die ein Grafitti betrachteten.

Im fast ausverkauften Saal der Bibliothek zeigte Sanrey aber, dass er sich mit seinem Auftrittsort beschäftigt hat: Beispielsweise begrüßte er extra „Zuschauer, die von Neuenrade herunter gekommen sind“. Auch spekulierte er, dass in afrikanischen Zoos sicherlich „ein Mops aus Neuenrade“ ausgestellt werde. Und zur Pause verabschiedete er sich, weil es nun „Parkgebühren in Werdohl“ gebe und er sein Auto umparken müsse.

Sein Programm beschäftigte sich sonst zumeist mit seiner belgischen Herkunft. Etwa erklärte er, dass sein Heimatland derart klein sei, dass die Politiker dort sich beschwert hätten, dass sie von der NSA nicht ausspioniert wurden.

Der Komiker begann den gut anderthalbstündigen Abend mit dem Hinweis darauf, dass während der Vorstellung das Rauchen nicht, schwitzen aber sehr wohl gestattet sei: „Ich freue mich, dass so viele hierher gekommen sind – wahrscheinlich alle in Werdohl und Umgebung, die keinen Grill besitzen.“

Dann erläuterte er: Wer als Ausländer ein fremdes Land verstehen wolle, müsse sich mit den Märchen dort auseinander setzen. Und deshalb habe er die Bild-Zeitung gelesen. Die Geschichten der Gebrüder Grimm fand er aber zu grausam: „Kinder sollten so etwas nicht lesen.“

Und auch die Geschichte des Nikolaus faszinierte Sanrey. Mit rollendem „R“ in Rammstein-Manier sang er über den Mann mit dem Rauschebart und seine leckeren Gaben. In seiner Heimat habe es den Mindestlohn übrigens bereits gegeben, erklärte er, „bevor es das Konzept der Arbeit gab“. Der Nikolaus indes brauche keinen Mindestlohn, denn dieser arbeite tagsüber noch in einem Callcenter, was auch erkläre, warum er nur nachts zu den Kindern komme, um diese zu beschenken.

Auch die Mütter und Väter der Kinder wurden zu Sanreys Thema: Wenn in einem Elternratgeber die Überschrift laute: „Mein Kind lügt – was soll ich tun?“, erstaune ihn das. So sei seine Antwort: „Dann glauben Sie ihm einfach nicht“.

In Deutschland hätten unglaublich viele Menschen ein Abo für ein Fitnessstudio. Das würden sie nicht kündigen, weil sie entweder nicht zugeben wollten, dass sie zu faul seien, oder weil sie vergessen hätten, wo das Studio sei. In München gebe es deshalb schon einen Fitness-Tempel, „da musst Du die Gewichte nicht mehr selbst heben: Es gibt da einen Typen, der das für Dich macht“.

Wer nun auf eigene Faust sportlich tätig wird, war vor Sanrey auch nicht sicher: Die Gürtel mit den kleinen Wasserflaschen bei den Nordic Walkern sähen aus wie Sprengstoffgürtel, befand der Belgier.

In seiner Heimat sei alles etwas langsamer, ICE-Züge in Deutschland seien ja nur so schnell wegen der guten Arbeit der Firma Vossloh.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare