Bis zu 70 Busse unterwegs

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Heinz Werner Turk versteht es, seine Zuhörer durch lebendige Berichte über den ÖPNV in seinen Bann zu ziehen.

Werdohl - Nostalgie pur vermittelte Heinz-Werner Turk seinen Zuhörern am Mittwochabend in der Stadtbücherei. Nach Vorträgen in Lüdenscheid und vor Mitgliedern des Werdohler Bürgerstammtisches in Versevörde schickte er das Publikum ein drittes Mal auf eine Zeitreise mit den Bussen der Mark Sauerland GmbH.

Dieses Unternehmen war 1925 in Neuenrade gegründet worden und mündete fünf Jahrzehnte später in den großen Verkehrsverbund MVG, der von da an im Rahmen des öffentlichen Personennahverkehrs den gesamten Märkischen Kreis bediente. All das geschah, um auch Neuenrade an das Verkehrsnetz anzuschließen.

Der gut einstündige Vortrag von Heinz-Werner Turk weckte mit seinen rund 120 Fotos (zum Teil von Helmut Sohre) und den entsprechenden Erläuterungen bei den meisten der Zuhörer Erinnerungen an eine Epoche, an die sich – mit gehörigem geistigen Abstand – viele mit unterschiedlichen Wahrnehmungen gerne erinnerten. Mark Sauerland – oft auch despektierlich als „Mark Sauerkraut“ bezeichnet – stand für eine Zeit, in der die Mobilität der Menschen im heimischen Raum neue Dimensionen erreichte.

Bleiben wir beim Beispiel Werdohl. Noch bis in die erste Hälfte der 1950-iger Jahre war die Schnurre der Kreis Altenaer Eisenbahn die einzige Verbindung aus dem Lennetal in Richtung Lüdenscheid. Wer auch immer damals die Strecke mit dem Zug zurückgelegt hat: Er erlebte ein kleines Abenteuer – und hat heute eine Erinnerung, um die ihn (oder sie) manche beneiden. Dann plötzlich: Kein Zug mehr! Der Bus fuhr. Für Kinder war das spannend. Der riesige MAN mit seinem überdimensionalen Kühler außen und dem Kabelschacht im Inneren, auf dem man auch sitzen konnte – wenn der Fahrer es erlaubte.

Und dazu – wie erwähnt – eine Fülle historischer Fotos: Ein Eineinhalb-Decker auf der Versevörder Brücke, Arnold Stahlhacke als Fahrer der ersten Stunde, Bilder zur Verkehrssituation bis Anfang der 60-iger Jahre, Busse auf der alten und neuen Stadtbrücke und schließlich: Die MS-Wagenhalle im ehemaligen Lok-Schuppen unterhalb der Kommandobrücke, die dann 1957 durch den Neubau eines Betriebshofes ersetzt wurde – dort, wo sich heute die Derwentsider Straße in Richtung Lenne hinzieht.

60 bis 70 Omnibusse, so die Recherche von Heinz-Werner Turk, hatte die Mark Sauerland zu ihren Glanzzeiten in ihrem Verbreitungsgebiet im Einsatz. Dass die Touren nicht unbedingt immer reibungslos absolviert wurden, zeigt ein Unfall von 1955. Damals drohte ein Bus von der noch nicht befestigten Feld- auf die Vorthstraße abzustürzen. Noch mal gut gegangen, wie manche andere Notsituation.

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