Von männlichen und weiblichen Bösewichtern

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Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler schlüpften für ihre „Buschiaden“ höchstselbst in die Rollen der beiden Lausbuben Max und Moritz.

Werdohl - Wilhelm Busch und seine Bildergeschichten machen immer noch Freude. Das zeigte sich am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung des Kleinen Kulturforums im Bahnhof. Zu Gast waren die beiden Spaßvögel Markus Maria Winkler und Jürgen Wegscheider, die „Buschiaden und andere Schmeicheleien“ präsentierten.

„Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen. Welche Max und Moritz hießen“ – so beginnt seit 150 Jahren der erste Comic deutscher Zunge, der mit Übersetzungen in 300 Sprachen und Dialekte ein Welterfolg wurde. Zwei Knaben mit krimineller Energie und „schädlichen Neigungen“, wie es im Jugendstrafrecht heißt, ärgern ihre bürgerliche Umgebung: die hühnerzüchtende Witwe Bolte und den Schneider Böck, den Lehrer Lämpel und den guten Onkel Fritz, den Meister Bäcker und den Bauer Mecke: „’Her damit!’ und in den Trichter schüttelt er die Bösewichter“, erzählt Wilhelm Busch im letzten Streich die Geschichte einer üblen Selbstjustiz, bei der das Strafrecht auf der Strecke bleibt. Und bitterböse liest sich bis heute die Beschreibung jener Behaglichkeit, die nach der Exekution der beiden Bösewichter durch Meister Müller wieder Einzug hält im aufatmenden Dorfe: „Kurz, im ganzen Ort herum, ging ein freudiges Gebrumm: ‚Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei, mit der Übeltäterei!’“

Lebendig rezitierten Markus Maria Winkler und Jürgen Wegscheider den Text, und für die Bilder verwandelten sie sich höchstselbst in das Personal der Lausbubengeschichte. Da wurde gegackert und gebrummt und gerummst, dass es eine Freude war.

„Buschiaden“ – dieser Begriff meint nicht nur die Geschichten des Schaumburger Dichters und Zeichners, sondern auch jene, die Nachfolger Wilhelm Buschs in seinem Geiste schrieben. Und so ergänzten die beiden Schauspieler „Max und Moritz“, den Höhepunkt des unterhaltsamen Abends, durch weitere Geschichten. Allen voran Wilhelm Mayers „Maus und Molli“, eine 1918 entstandene Mädelgeschichte nach Wilhelm Busch in sieben Streichen. Die Geschichte einer eher unerfreulichen weiblichen Emanzipation, die der österreichische Karikaturist Carl Stroch mit Bildern versehen hat, wusste ebenfalls wenig Positives über ihre Heldinnen zu berichten: „Maus und Molli aber, ach, gingen nur der Bosheit nach.“ Noch skurriler als bei Wilhelm Busch verlaufen ihre Streiche, und so nimmt das Ganze auch hier einen bösen Verlauf: „Wenn man selber drinnen schwimmt, oft das Wasser gar nicht fröhlich stimmt. Wie man’s in der Zeitung sah, schrie das ganze Dorf ‚Hurra!’“

Ein Igel als Friedensheld, ein Direktor auf der Suche nach Ruhe, die Seelenwanderung eines Hofrats aus Ägypterland – alltäglich bis ungewöhnlich war das Personal der Geschichten bis hin zu jenem enthaupteten Schlittschuhläufer, dem der Kopf gleich wieder festfror. Märchenhaft kam Hänschen Däumling daher, der trotz seiner Größe Karriere macht: Eine schicke Frau, ein ordentlicher Beruf – kleine körperliche Missgeschicke müssen kein böses Schicksal bedeuten, lautete die Botschaft.

Das Publikum jedenfalls war bestens unterhalten, gut amüsiert, und einige nutzten nach dem Auftritt noch die Gelegenheit, die beiden Spaßvögel etwas näher kennen zu lernen.

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