Bundesstraßen sollen bei Umzügen der Vergangenheit angehören

Schützen bald ohne Polizeieskorte

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Über eine Bundesstraße werden die Werdohler Schützen in diesem Jahr nicht marschieren. Da der Verein zukünftig selbst für eine Sicherung der Straße sorgen muss, hat er sich Alternativen überlegt.

Werdohl - „Es gibt zukünftig kein generelles Verbot, über Bundesstraßen zu marschieren. Doch der Aufwand, einen solchen Marsch vorzubereiten, wird erheblich größer. Daher muss natürlich hinterfragt werden, ob es nicht sinnvoll wäre, eine andere Route zu wählen“, sagte Montag Rolf Prange, der im Rathaus für Straßenverkehrsangelegenheiten zuständig ist.

Nach Katastrophen wie dem tödlichen Unfall beim Schützenumzug in Menden (2009) oder der Loveparade-Tragödie (2010), „wurde sich die Schuld von den Verantwortlichen gegenseitig in die Schuhe geschoben“, so Prange. Nach Aussage von Polizei-Pressesprecher Dietmar Boronowski ziehe sich die Polizei nach einer Anordnung des Ministeriums daher in Zukunft von derartigen Veranstaltungen zurück. 

„Schützenumzüge – um beim aktuellen Beispiel zu bleiben – sind planbare Ereignisse. Laut Gesetz ist die Polizei nicht für planbare Maßnahmen zuständig. Daher muss sich der Veranstalter im Vorfeld mit der Stadt um die nötige Verkehrssicherung kümmern. Bei einem Marsch über eine Bundesstraße müssten daher entsprechende Verkehrszeichen aufgestellt werden“, erklärte Rolf Prange. Der Schützenumzug solle ab diesem Jahr autark – ohne die Polizei – stattfinden. Prange betonte, „dass der Aufwand, eine Bundesstraße abzusichern, natürlich größer ist, als wenn man nur eine Gemeindestraße absichern muss.“

Ein solcher Mehraufwand ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Kosten, die der Werdohler Schützenverein mit seinen vier Kompanien einsparen will. „Wir haben vor drei bis vier Wochen vom Ordnungsamt erfahren, dass die Sicherung der Umzüge nun in unserer alleinigen Verantwortung liegt. Diese Tatsache haben wir als ausschlaggebenden Punkt genutzt, manche Dinge komplett neu zu gestalten. Gerade der Schützenfestsonntag kostet uns sehr viel Geld. Bisher haben sich die Kompanien einzeln getroffen und sind dann nach dem Sternmarsch zusammengekommen. An den unterschiedlichen Treffpunkten stand dann beispielsweise ein Bierwagen, den die jeweilige Kompanie bezahlen musste“, schilderte Andreas Schreiber, Vorsitzender des Werdohler Schützenvereins.

Den Sternmarsch wird es ab diesem Jahr nicht mehr geben. Alle Kompanien werden sich zentral am Festzelt treffen: „Getränke gibt es dort ohnehin. Bierwagen müssen daher nicht mehr bestellt werden. Dadurch sparen die Kompanien Geld, das sie an anderer Stelle investieren können.“ Ein weiterer Punkt, an dem durch das veränderte Vorgehen Geld gespart werden soll, ist die Musik: „Da der Sternmarsch entfällt, sparen wir uns zeitlich gesehen eine ganze Kapelle“, hat Andreas Schreiber bereits errechnet.

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