Brötchen verschenkt: Werdohlerin vor Gericht

Werdohl - Weil ein Bäckereifachbetrieb aus Werdohl einen illegalen Schwund von Kaffee und Backwaren vermutete, ließ das Unternehmen den Verkauf einige Wochen lang durch eine Beobachtungskamera filmen. Das Material wurde dann möglichst passgenau mit den Verkaufsprotokollen der Filiale abgeglichen.

Das Ergebnis der intensiven Recherchen führte nun zu einem recht bizarren Strafverfahren im Amtsgericht Altena. Die Anklage warf einer 30-jährigen Werdohlerin Unterschlagung in 31 Fällen vor.

Zwischen dem 24. August und dem 28. September 2013 sollte die Frau 13 Mal Waren ohne Entgelt herausgegeben haben. 18 Mal sollte sie einen sogenannten Nullbon eingegeben haben.

Brötchen, Obstplunder, einige Backwaren, belegte Brötchen und diverse Becher Kaffee sollen so ohne Bezahlung den Besitzer gewechselt haben. Der Gesamtschaden summierte sich angeblich auf eine Summe zwischen 70 und 80 Euro.

Einziges Beweismittel waren die Aufzeichnungen der Überwachungskamera und die Kassenprotokolle. Für die Durchführung des Strafverfahrens hätten Staatsanwalt, Richter, Verteidiger und die Angeklagte diese Aufzeichnungen stundenlang ansehen müssen.

Dazu hätte die Werdohler Polizei Dutzende von Personen ausfindig machen müssen, um mögliche Verbindungen zur Angeklagten aufzudecken. Hatte sie möglicherweise ein zu gutes Herz? Wollte sie Hungerleider etwa systematisch begünstigen? Oder gar verarmte Verwandte?

Die 30-Jährige machte zunächst keinerlei Anstalten, einen drohenden Mammutprozess im Amtsgericht zu vermeiden. Nein, sie wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern, gab sie über ihren Anwalt Reinhard Siepmann zu Protokoll.

Es bedurfte intensiver Beratungsgespräche, um ihr eine mögliche Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage schmackhaft zu machen. 600 Euro seien zuviel, ließ sie Richter und Staatsanwalt wissen und bot 300 Euro an.

Dazu ließen sich aber weder Richter Dirk Reckschmidt noch Staatsanwalt erweichen. Immerhin 1800 Euro hätte die Angeklagte laut Strafbefehl zahlen müssen, gegen den sie Einspruch eingelegt hatte.

Schließlich rettete die 30-Jährige ihren Urlaub, den sie ansonsten durch die zahlreichen Termine im Amtsgericht nicht hätte antreten können. Und beteuerte weiterhin ihre Unschuld: Seine Mandantin wolle lediglich die belastende Prozesssituation beenden, begründete der Anwalt die Zustimmung. „Ein Schuldeingeständnis soll damit nicht verbunden sein.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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