„Brennende Dekoration und Funkenregen“

„Die Schreckenstage von 1881“ steht in goldenen Lettern auf dem braunen Einband der Zeitungssammlung, die der Werdohler Feuerwehrmann einem Museum in Wien überlässt. - Foto: Witt

Werdohl - Als der Werdohler Feuerwehrmann Andreas Trebbin sich vor rund zehn Jahren dazu entschied, den alten Zeitungseinband mit nach Hause zu nehmen, ahnte er nicht, welche historische Bedeutung der Sammlung des „Illustrierten Wiener Extrablattes“ einst zukommen würde: Die Verantwortlichen des Feuerwehrmuseums Wien freuen sich sehr darüber, dass Trebbin ihnen das Dokument überlassen möchte.

„Die Schreckenstage von 1881“ steht in goldenen Lettern auf dem braunen Einband. Dieser Titel weckte einst die Neugier in Andreas Trebbin, der seit fast 30 Jahren Mitglied der Feuerwehr Eveking ist. „Irgendjemand hatte seine Feuerwehrsammlung aufgelöst und einer der Kameraden brachte den Einband mit zur Wache“, erinnert sich der Unterbrandmeister Trebbin. Auf die Frage, ob jemand das Buch haben wolle, antwortete der Werdohler noch ohne Begeisterung und eher zwischen Tür und Angel: „Ich nehm’s mal mit nach Hause.“

Dort legte der Feuerwehrmann die Zeitungssammlung erst einmal zur Seite. „Irgendwann fiel sie mir dann in die Hände und ich habe angefangen, darin zu lesen“, erzählt Trebbin weiter. Ganz einfach sei das nicht gewesen. „Es dauerte schon eine Weile, bis ich mich in die Sütterlinschrift eingelesen hatte.“

Fast 1000 Tote bei Brand in Theater

Dennoch: Schon die Schlagzeile der ersten Ausgabe des Illustrierten Wiener Extrablattes in dem Einband – sie stammt vom 9. Dezember 1881 – zog den Werdohler in ihren Bann. „Das große Feuergrab auf dem Schottenring“ ist dort zu lesen. Darunter ist ein großformatiger Stich zu sehen, der ein Schreckensszenario zeigt: Im Vordergrund halten Uniformierte einen toten Menschen in den Armen, der auf dem Boden liegt. Sein Gesicht ist geschwärzt. Im Hintergrund ist einerseits ein Gebäude zu sehen, das lichterloh brennt. Menschenmassen sehen hilflos zu. Die zweite Bildhälfte zeigt offenbar eine Innenansicht des brennende Gebäudes, das gerade in sich zusammenstürzt.

Trebbin weiß: „Es handelt sich um eine Dokumentation einer der schlimmsten Brandkatastrophen in der Geschichte der Stadt Wien.“ Alle gesammelten Ausgaben des Illustrierten Wiener Extrablattes enthalten mindestens einen Beitrag, der sich mit dem Brand des Ringtheaters am 8. Dezember 1881 befasst.

Der Werdohler hat inzwischen einiges über diese Katastrophe gelesen. Er berichtet: „An jenem Abend brach kurz vor Beginn der Oper ,Hoffmanns Erzählungen’ ein Kulissenbrand aus. Nach infoffiziellen Schätzungen sind damals fast 1000 Menschen gestorben.“ Auf der Homepage der österreichischen Hauptstadt ist zu lesen, dass der Brand beim Anzünden der Gas-Bühnenbeleuchtung in einer der Beleuchtungskästen hinter der Bühne entstand und sofort die Dekoration in Brand setzte. Dort heißt es weiter: „Nach etwa sieben Minuten brannten bereits Bühne, Schnürboden und Versenkung. Nachdem man eine feuerhemmende Drahtkurtine nicht sofort heruntergelassen hatte und die dazu benötigte Kurbel bereits brannte, schlugen die Flammen explosionsartig in den Zuschauerraum hinaus. Rauch und Qualm, brennende Dekorationsteile und Funken, die auf die Menschenmenge regneten, lösten eine Panik aus.“

Feuerwehrmuseum sammelt Dokumente

„Die Gasbeleuchtung fiel aus, was die Panik noch steigerte. Etwa 500 Personen gelang die Flucht ins Freie. 15 bis 20 Minuten nach Ausbruch des Feuers dürften alle im Gebäude verbliebenen Personen tot gewesen sein. Die meisten von ihnen waren erstickt. Besonders viele Tote waren unter den Galeriebesuchern in den oberen Bereichen zu beklagen. Die Menschen hatten in der Dunkelheit die Ausgänge nicht finden können. Öllampen als Reservebeleuchtung waren nicht aufgestellt.“

Nachdem Andreas Trebbin die historische Bedeutung des Zeitungseinbandes erkannt hatte, wandte er sich an die Verantwortlichen des Feuerwehrmuseums in Wien. „Dort wird unter anderem alles gesammelt, was mit dem Brand in Zusammenhang steht“, sagt Trebbin. Er ist überzeugt: In der Stadt, in der sich die Katastrophe einst ereignete, ist das Dokument bestens aufgehoben.

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