Traditionsreiches Blumengeschäft schließt

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Floristin Iris Schade führt das Blumengeschäft an der Bahnhofstraße. Schon als Jugendliche stieg sie ins Geschäft ihrer Eltern ein. Den Blumen- und Pflanzenschmuck fertigt sie selbst an.

Werdohl -  Peer Römer fällt es nicht leicht, über das Thema zu sprechen. „Unser letzter Öffnungstag wird wohl der Ostersonntag des kommenden Jahres sein“, stellt der Inhaber des Blumenfachgeschäftes an der Bahnhofstraße fest.

„Das Geschäft ist so alt wie ich“, sagt der 58-Jährige. Auch deshalb sei ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen. Dennoch sieht Römer keine Möglichkeit, das Geschäft weiter zu betreiben. Die Gärtnerei in Harlingsen dagegen wird nicht geschlossen. Im Gegenteil: „Wir werden uns darauf konzentrieren und den Betrieb noch weiter ausbauen.“

In den vergangenen Jahren habe sich vieles verändert. „Die Bevölkerung nimmt ab und wir im Bahnhofsviertel haben ohnehin keinen privilegierten Standort“, sagt der Gärtnermeister. Auch die Einführung der Parkgebühren durch die Stadt habe sich negativ auf sein Geschäft ausgewirkt. Dabei seien es nicht die 20 Cent, die seine Kunden in die Parkuhr werfen müssten, sondern die Parkplatzsituation vor dem Blumengeschäft. „Für die Kunden wird es umständlicher. Sie müssen erst zur Parkuhr laufen, dann wieder zum Auto und dann ins Geschäft. Gerade Älteren macht das schon etwas aus.“

Nach wie vor sei Floristik gefragt. Dagegen werde kaum noch im Vorbeigehen der Blumenstrauß für das eigene Wohnzimmer gekauft. „So etwas nehmen die Kunden jetzt schon mal im Discounter mit, wenn sie dort ohnehin einkaufen“, glaubt Römer, dass sich besonders Senioren zusätzliche Wege gerne ersparen.

Auch der logistische Aufwand für das Blumenfachgeschäft sei hoch: Drei Mal täglich fahre er von Harlingsen zur Bahnhofstraße, berichtet der Gärtnermeister: „Morgens liefere ich Waren an, mittags fülle ich sie auf und abends hole ich die Pflanzen, die vor dem Geschäft stehen, wieder ab.“ In Harlingsen werde die Ware überprüft und gegebenenfalls aufgefüllt.

„Hinzu kommt, dass das Ladenlokal nicht unser Eigentum ist“, erklärt Römer. Die monatlichen Kosten seien enorm. Die Gärtnerei in Harlingsen dagegen gehört Peer Römer. „Deshalb wollen wir künftig nur noch dort investieren und haben uns entschlossen, den Vertrag fristgerecht zu kündigen.“

In Harlingsen züchtet das Gärtnerehepaar auf rund 3000 Quadratmetern unter anderem Beet- und Balkonpflanzen sowie Weihnachtssterne. „Unsere Kunden kommen inzwischen aus dem ganzen Märkischen Kreis. Saisonbedingt kommen wir mit der Arbeit manchmal nicht mehr nach.“

Nach der Eröffnung des Blumenfachgeschäftes an der Bahnhofstraße 7, folgte in den Jahren 1973/74 der Umzug in das Ladenlokal mit der Hausnummer 11. Seit zehn Jahren bedient Iris Schade, die Schwester des Gärtnermeisters, unterstützt von einer Aushilfs- und einer Teilzeitkraft, die Kunden jetzt an der Bahnhofstraße 18.

Floristin Iris Schade geht die Geschäftsschließung besonders nahe. Schon als Jugendliche stieg die inzwischen 64-Jährige ins Geschäft ihrer Eltern ein, war seither stets für die Kunden da und fertigt jeglichen Blumen- und Pflanzenschmuck selbst an. Sie sagt: „Der Abschied wird mir sehr, sehr schwer fallen.“

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