Gebor(g)en in Werdohl: Positive Zwischenbilanz

+
Sybille Dworschak (l.) war am Anfang eine treibende Kraft beim Aufbau des Besuchsdienstes, den mittlerweile auch Cornelia Arndt (r.) von der Schwangerenberatung der Caritas unterstützt.

Werdohl - „Es ist ein Kreis engagierter Frauen, die das Projekt gestemmt haben“, drückt Birgit Schmitt in einem einzigen Satz aus, was neun Frauen vor gut sieben Jahren geleistet haben. Gemeinsam mit der kürzlich ausgeschiedenen Leiterin des Werdohler Jugendamtes, Sybille Dworschak, gab die Diplom-Heilpädagogin von der Schwangerenberatung des Diakonischen Werks im Herbst 2008 den Anstoß zur Installation eines Besuchsdienstes für Familien mit Neugeborenen.

Gedacht als ein weiterer Baustein des sozialen Frühwarnsystems zum Schutz von Kindern, ist das Projekt, das seinen Namen „Gebor(g)en in Werdohl“ übrigens der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Judith Heilmaier verdankt, heute längst zu einer festen und beliebten Institution des Werdohler Jugendamtes geworden. „Haben Sie Lust Babys zu besuchen?“, war nach Anfrage von Sybille Dworschak Jugendamtsmitarbeiterin Anne Vellekoop-Klimpel von der sozialpädagogischen Familienhilfe zudem als vierte Mitstreiterin von Anfang an und gern mit an Bord.

Die Begrüßung Neugeborener, gekoppelt mit der Verbreitung von Informationen, Angeboten und Unterstützungsmöglichkeiten, lauteten unter anderem die Projektziele, die im November 2008 einstimmig im Jugendhilfeausschuss beschlossen wurden.

„Damit war der Startschuss für unsere gemeinsame Arbeit gefallen“, erzählt Sybille Dworschak, die kürzlich von ihren Mitstreiterinnen bei einem Treffen aus offizieller Funktion verabschiedet wurde. Mit Cornelia Arndt von der Schwangerenberatung der Caritas, Birgitta Lambertz vom Diakonischen Werk, der Hebamme Almut Rhode, der Pädagogin Ute Zorn sowie der Journalistin Barbara Schwetz-Schäfer ergänzte die Jugendamtsleiterin den Kern des Teams. Unterstützung erhielten die Frauen unter anderem durch den Türkischen Elternverein und die Hebamme Antje Kühn.

Eine Vernetzung mit anderen Institutionen wurde mit Beginn des ersten Planungstreffens im Dezember 2008 bis heute kontinuierlich angestrebt. Federführend kümmert sich aktuell Veronika Breitkopf vom Werdohler Jugendamt um diese wichtige Aufgabe. Mit der Integrationslotsin Fathia Ezitoni fand sich zudem eine wertvolle Mitstreiterin, die die Damen des Besuchsdienstes, aber eben auch besuchte Familien vornehmlich aus dem arabischen Raum auf Anfrage bei Behördengängen oder ähnlichem als Dolmetscherin begleitet.

Jährlich rund 180 Familien hat der Besuchsdienst seit Oktober 2009 aufgesucht. Immer mit dabei: Die Besuchstasche, prall gefüllt mit vielen wertvollen Informationen rund ums Kind. Besonderes Highlight der Tasche war und ist bis heute ein Schnuffeltier, das eigens für das Projekt kreiert wurde und die Herzen der Eltern wie der (heranwachsenden) Kinder höher schlagen lässt. Birgit Schmitt wurde dabei eine ganz besondere Ehre zuteil. „Als ich eine Familie ein weiteres Mal besuchte, weil dort ein zweites Baby geboren worden war, und das Schnuffeltier aus der Tasche zog, wurde ich mit den Worten begrüßt: So eins haben wir schon. Und unser Schnuffel heißt Frau Schmitt“, blitzen ihre Augen an diese Erinnerung vergnügt auf.

Viel Positives wissen auch Cornelia Arndt und Anne Vellekoop-Klimpel, die beiden anderen Damen des Besuchsdienstes, zu berichten. So ist es beispielsweise Letzterer im Zusammenspiel mit Sybille Dworschak zu verdanken, dass eine sehr traurige, junge Dame ein neues Schnuffeltier erhielt, nachdem sie ihren heißgeliebten Weggefährten in einem Freizeitpark verloren hatte, und wieder zu einem glücklichen Mädchen wurde.

Nur ganz selten waren Besuche übrigens nicht erwünscht, was dafür spricht, was die Frauen zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht haben: Junge Familien in Werdohl willkommen zu heißen.

„Dass unser Projekt so gut funktioniert, liegt bestimmt nicht zuletzt daran, dass wir uns seit fast acht Jahren kontinuierlich bei einem monatlichen Treffen im Rathaus austauschen“, sind sich die Damen des Besuchsdienstes, einig, dass die Treffen einen wichtigen konzeptionellen Baustein darstellen. Zu den Treffen stoßen auch immer wieder mal die übrigen Mitstreiterinnen hinzu, erzählen die drei zudem von Fortbildungsveranstaltungen, zu denen eingeladen wird oder man sich auch einladen lässt, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Traurig sind alle Mitstreiterinnen, dass Jugendamtsleiterin Sybille Dworschak zum Jahresende 2015 mit Eintritt in den Ruhestand das Team verließ. So ganz möchten sie alle auch nicht gehen lassen. Deshalb nahmen sie ihr bei einem Abschiedstreffen das Versprechen ab, von Zeit zu Zeit vorbeizuschauen. Und mit Marco Malcherek-Schwiderowski, dem neuen Leiter des Werdohler Jugendamtes, weiß das Team sein Projekt auch weiterhin in kompetenten Händen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare