„Best owner“ will den Wert von VDM steigern

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Übernahme mit Nachhaltigkeitseffekt: Dr. Thomas Ludwig (links) und Dr. Niclas Müller sind angetreten, den Wert von VDM Metals zu steigern.

Werdohl - Nicht mehr Thyssen und Krupp, auch Outokumpu ist Schnee von gestern: Man darf wieder VDM sagen zu einem der wichtigsten und traditionsreichsten Werdohler Unternehmen. Das angehängte „Metals“ vergessen sogar Dr. Thomas Ludwig und Dr. Niclas Müller gelegentlich schon mal.

Die beiden haben seit vier Wochen an der Plettenberger Straße das Sagen. Ludwig ist Geschäftsführer der Lindsay Goldberg Vogel GmbH. Das ist ein Private-Equity-Fonds. Darunter versteht man Investoren, die Unternehmen mit Wachstumspotenzial gezielt fördern und sie anschließend wieder verkaufen. „Dividende interessiert uns nicht“, sagt Ludwig – der Fonds baut auf den Mehrwert, der mit der Weiterentwicklung verbunden ist und der sich beim Verkauf natürlich bemerkbar machen wird. Um den schnellen Euro geht es dabei nicht: „Der Fonds, den wir aufgelegt haben, hat eine Laufzeit von 20 Jahren“, erklärt der Geschäftsführer.

Lindsay Goldberg Vogel ist mehr als nur Geldgeber. Ludwig begleitet den Entwicklungsprozess auch inhaltlich. Das Gespräch mit ihm zeigt, dass er im Thema steckt – einerseits, was VDM angeht, andererseits aber auch in allgemeinen Branchenfragen. Kein Wunder: Der Mann ist vom Fach, war lange Jahre Vorstandsvorsitzender des Metallhandelsspezialisten Klöckner.

Durch den Verkauf an den Investor habe sich der Charakter des Unternehmens gewandelt, erklärt Ludwig. Aus dem einstigen Teil eines Großkonzerns ist ein großer, eigenständiger Mittelständler geworden. „Das stellt ganz andere Anforderungen an die Führungsmannschaft“, sagt Ludwig, der das ausdrücklich nicht als Kritik am vorherigen VDM-Chef Dr. Jürgen Olbrich verstanden haben will. Der Abschied von Olbrich war denn auch freundlich und professionell.

Einen Nachfolger hatten die Investoren sozusagen schon in der Tasche, als sie bei VDM einstiegen: Dr. Niclas Müller hat lange mit Ludwig zusammengearbeitet und ist für den Job bei VDM schon deshalb prädestiniert, weil er nicht nur Metallurge, sondern auch Betriebswirt ist. Heißt: Er versteht ‘was von Legierungen und auch von Geld. Der dreifache Familienvater aus Ratingen hat bei ThyssenKrupp mehr als ein Jahrzehnt lang in verschiedenen Positionen immer größere Einheiten verantwortet und auch immer wieder mit Sanierungsfällen zu tun gehabt.

Natürlich sei VDM kein solcher Sanierungsfall, betont Müller. „VDM ist ein kerngesundes Unternehmen“, betont er. Müller: „Bei VDM geht es darum, aus einem guten Unternehmen ein noch besseres zu machen!“ Die Ziele aber glichen sich: Schließlich diene auch eine Sanierung der Wertsteigerung eines Unternehmens.

„Nur wenn wir mehr verkaufen, können wir wachsen“, ist Müller überzeugt. Über reine Kostenvorteile werde es einem deutschen Unternehmen nicht gelingen, den Umsatz zu steigern. „Wir müssen unsere Innovationsfüherschaft weiter ausbauen“. Der Forschungs- und Entwicklungsabteilung im Firmensitz an der Plettenberger Straße komme deshalb große Bedeutung zu. Dort macht man sich unter anderem Gedanken darüber, wie Nickellegierungen aussehen müssen, damit sie in 3-D-Druckern eingesetzt werden können. „Grundsätzlich wird Forschung und Entwicklung ein ganz wichtiges Thema der kommenden Jahre sein“, sagte Müller im Gespräch mit dem SV.

Mit Kritik an den bisherigen Eigentümern hält sich Müller zurück. Er versteckt sie in nach vorne gerichtete Botschaften wie „wir müssen schneller werden“, „der Kunde muss mehr in den Focus rücken“ oder „wir müssen Mitarbeitern und Kunden zeigen, dass sich was verändert“.

Klar ist, dass es für eine Weiterentwicklung einer engagierten Belegschaft bedarf – die Eigentümerwechsel der vergangenen Jahre wirkten nicht gerade motivationsfördernd, betont der neue Chef. Und das habe längst nicht nur für die Mitarbeiter in den Werkshallen gegolten, sondern auch für die Führungsebene: „Auch für die war das eine große Belastung“.

Vertrauen aufbauen – das versteht er als eine seiner wichtigsten Aufgaben und führt deshalb seit seinem Amtseintritt vor einem Monat viele, viele Gespräche. Natürlich auch mit dem Betriebsrat: „Ich glaube, bei dem ist angekommen, dass wir für VDM der „best owner“ sind“, sagt er – bestmöglicher Eigentümer also eines Unternehmens mit weltweit über 2000 Mitarbeitern. Davon sind 1650 an insgesamt fünf deutschen Standorten beschäftigt. Im Zuge der Übernahme wurde ein Tarifvertrag abgeschlossen, der diese Standorte (mit Ausnahme von Essen) bis 2019 sichert.

Zu den vertrauensbildenden Maßnahmen der vergangenen Wochen gehört auch, dass Dr. Thomas Ludwig offen über Geld redet: „An der Finanzstruktur hat sich nichts geändert“, betont er. Bezahlt wurde die Übernahme mit Eigenmitteln des Fonds und nicht mit Krediten, mit denen anschließend das Unternehmen belastet würde.

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