Berufswunsch: Pfarrerin

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Stefanie Engelmann absolviert im Rahmen ihres Theologie-Studiums ein Gemeindepraktikum bei Pfarrer Dirk Grzegorek: „Ich folge ihm überall hin und nehme Einblick in all seine Arbeitsbereiche.“

Werdohl - Die Wiege in Stuttgart, das berufliche Rüstzeug beim Studium in Münster und ein wenig praktische Erfahrung im sauerländischen Werdohl. Das sind in Kurzfassung die Daten einer jungen Frau, deren Ziel es ist, Pfarrerin zu werden.

Stefanie Engelmann (21) absolviert derzeit ein Pflichtpraktikum in der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl – vornehmlich in der und rund um die Friedens- und Kreuzkirche. Am Ende der vier Wochen, für die am Donnerstag sozusagen „Bergfest“ war, will die 21-Jährige der Antwort ein wenig nähergekommen sein, ob der Beruf der Pfarrerin etwas für sie ist und ob sie sich auf den zweifelsfrei tagtäglich anfallenden Stress einlassen kann.

Der Impuls für das Praktikum, so sagt Stefanie Engelmann, die in Kürze ihr fünftes (von mindestens zwölf) Semester Theologie beginnt, sei von ihr selbst ausgegangen. Die Vorschläge, wo sie es absolvieren könnte, kamen von der Uni Münster. Der Weg war frei für den Kontakt zu Klaus Majoress, den Superintendenten des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg. Dort gab es die Zustimmung; am 27. August kam sie nach Werdohl und bezog ihr Domizil im Pfarrhaus neben der Friedenskirche in Eveking. Seither gilt vor allem eines: „Ich folge Pfarrer Grzegorek überall hin und nehme Einblick in all seine Arbeitsbereiche.“

Das heißt in der Zusammenfassung: Bereits in den ersten zwei Wochen hat sie an Dienstbesprechungen, einer Presbyteriums-Sitzung, am bayerischen Abend vor der Friedenskirche und an Gottesdiensten mit und ohne Taufe teilgenommen. Beim Treffen des Mädchenkreises hielt die 21-Jährige die Andacht. Das Projekt Abendkirche habe sie zuvor nicht gekannt. Hier, so die Beurteilung, werde der Pfarr-Team-Gedanke gelebt, und das gewinne aus ihrer Einschätzung immer mehr an Bedeutung. An den Hauskreisen nimmt Stefanie Engelmann teil, und auch bei der KU 8-Fahrt zur Nordhelle wird sie an diesem Wochenende dabei sein. Einen Pflichtkatalog an Themen, die sie in den vier Wochen in Werdohl abhaken muss, gibt es indes nicht – wohl aber zwischendurch mittwochs den Studientag in Dortmund.

Besonders beeindruckt sei sie von jenem Gottesdienst in der Christuskirche gewesen, der gemeinsam mit den hier an Lenne und Verse lebenden Flüchtlingen gefeiert wurde. Gerade mit diesen Menschen etwas auf die Beine zu stellen, gehöre auch zu den Aufgaben der Kirche. Es sei beachtlich, „wie das hier gehandhabt wird“ – auch unter Einbeziehung ehrenamtlicher Gemeindeglieder, die hier Verantwortung übernehmen. So etwas“, so Engelmann, „stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Zwar kenne sie die Gemeindewirklichkeit insgesamt, so die Praktikantin, doch das „Modell Werdohl“ unterscheide sich davon deutlich.

Alle Termine, an denen sie teilgenommen hat, „werden anschließend besprochen“, und am Ende aller Tage im Sauerland wird Stefanie Engelmann in Münster einen Praktikumsbericht verfassen, der dann natürlich unter kritischen Augen und auch strengen Maßstäben ausgewertet wird. In diesem Papier wird der Weg skizziert sein, was es heißt, Pfarrer(in) zu sein, was in diesem Beruf mit Berufung auch unter der Woche abverlangt wird und – wie eingangs angesprochen – ob Vorstellung und Wirklichkeit unter dem Strich zu einem „Ja“ zu diesem „Job“ führen.

Für Pfarrer Dirk Grzegorek ist es „sehr gut, dass Theologie-Studenten ein solches Praktikum machen“, denn sie „erleben neben beruflichem Stress auch Freude“, lernen neue Freunde und das komplette Umfeld einer Gemeinde mit all seinen Facetten kennen.

Der Weg zu einer geistigen Heimat, auf dem es nach dem Abitur bereits einen Freiwilligendienst in Nepal gab und die Arbeit mit traumatisierten Kindern in Dortmund, soll bis hin zum Abschluss (dann allerdings in Tübingen) noch nicht zu Ende sein. Wünschen würde sich die 21-Jährige bis dahin auch ein einjähriges Auslandsstudium in Israel, „denn ich probiere gerne etwas aus“.

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