Bei „Bastard!“ ausgerastet: Telefonladen-Mitarbeiter bricht seinem Kunden die Nase

Werdohl - In eine handfeste Keilerei mündeten Schwierigkeiten beim Aufladen eines Prepaid-Handys in einem Werdohler Telefonladen. Die Sache landete jetzt vor dem Amtsgericht.

Ein 21-jähriger Kunde bat am 1. August um Hilfe beim Aufladen seines Handys, was unter normalen Umständen eine Kleinigkeit gewesen wäre. Doch es gab technische Probleme, und das Ganze funktionierte zunächst nicht. 

Ungehalten wurde der Kunde, weil es schon mehrfach solche Probleme gegeben hatte, wie er als Zeuge im Amtsgericht Altena berichtete. „Ich habe jedes Mal gezahlt, und es ging nicht.“ 

Der Streit eskalierte

Sein Gegenüber, ein 37-jähriger Gelegenheitsmitarbeiter des Telefonladens, habe auf seine Vorhaltungen mit einer Art Erpressung reagiert, erinnerte sich der Zeuge: „Wenn du mir die 20 Euro nicht gibst, gebe ich dir dein Handy nicht.“ 

Der Streit eskalierte bis zu einem bösen Wort, das der Zeuge auch unumwunden zugab: „Bastard!“, nannte er den Verkäufer – der daraufhin „komplett ausgerastet“ sei. Zurück blieb bei dem Zeugen neben anderen Blessuren ein gebrochenes Nasenbein. „Ich lag auf dem Boden, und er hat die ganze Zeit auf mich eingeschlagen.“ 

Besonders schlimme Beleidigung?

Der Angeklagte bemühte sich, seinen Angriff herunterzuspielen: „Ich habe ihn weggeschubst – wir sind beide runtergefallen. Ich wurde beleidigt, bedroht und beschimpft.“ Nun gab es Anlass, darüber zu spekulieren, dass für einen türkischstämmigen Sauerländer „Bastard“ eine besonders schlimme Beleidigung darstelle. 

Als Rechtfertigung des Gewaltausbruchs taugte das allerdings nicht. Richter Dirk Reckschmidt stellte sich auf den Standpunkt, dass im Geltungsbereich deutscher Gesetze eine gravierende Körperverletzung keinesfalls eine angemessene Reaktion auf das böse Wort gewesen sei. 

Zahlung eines Schmerzensgeldes

Er sah allerdings auch keinen Anlass, den in keiner Weise vorbestraften Angeklagten wegen der Geschichte förmlich zu verurteilen: „Ich könnte mir vorstellen, dass der Rechtsfrieden auch durch Zahlung eines Schmerzensgeldes wieder hergestellt würde.“

Der 37-Jährige tat sich zunächst sehr schwer damit. Er erklärte sich dann aber doch bereit, dem 21-Jährigen 500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare