Bahn-Experte: IC-Halt in Werdohl nicht sicher

Christian Frahm gab einen Einblick in die Überlegungen der Deutschen Bahn.

Werdohl - „Wir haben dazu noch keine gesicherten Informationen“, stieg Christian Frahm direkt ins Thema ein. Der Werdohler Eisenbahner-Stammtisch hatte den Experten vom Bürgerverein zur Förderung des Schienenverkehrs Lüdenscheid (BFS) eingeladen, um am Donnerstagabend im Kleinen Kulturforum etwas über die Einrichtung einer IC-Linie mit Halt in Werdohl zu erfahren.

Ja, es stimme, dass die Bahn im Zuge einer Mobilitätsoffensive 2019 einige Fernverkehrsverbindung wiederherstellen wolle, bestätigte Frahm. Im Gespräch sei auch die IC-Linie 34 von Münster nach Frankfurt, die dann in Werdohl halten könne. Sicher sei das allerdings noch nicht. Konkrete Aussagen von der Deutschen Bahn erwartet der Zugverkehr-Experte frühestens im kommenden Jahr. 

Rückblick: 1983 richtete die Bahn im Zuge einer Reform D-Zug-Fernverkehre ein. Seinerzeit habe der BFS dafür gesorgt, dass diese auch in Werdohl hielten. Ab 1991 sei das Fernzug-Angebot neu geordnet worden. Statt D-Zügen fuhren dann die Inter-Regio-Bahnen. Aber: „Aufgrund mangelnder Inanspruchnahme wurde der Inter-Regio-Betrieb ab 2004 ersatzlos eingestellt.“ 

Hintergrund: Laut Deutscher Bahn muss eine Fernverkehrs-Verbindung, um wirtschaftlich betrieben zu werden, 1500 Reisende pro Tag und Richtung aufweisen. Frahm hat nun im Zeitraum 2000 bis 2006 selbst die Zug-reisenden auf der Strecke Hagen–Werdohl gezählt. Er kam auf „50 Fahrgäste in der 2. und vier bis fünf Fahrgäste in der 1. Klasse“. Indes sei festzustellen, dass „die Züge vor Hagen voller und nach Siegen/Gießen ganz voll“ seien. Fazit sei: Eine Neueinrichtung eines Fernzug-Verkehrs mit Halt in Werdohl sei für die Bahn „nach erlöstechnischen Gründen nicht kostendeckend, aber sinnvoll für die gesamte Wirtschaftsregion“. Ergo fordern Frahm und der BFS eine „politisch gewollte“ Umsetzung dieses Plans. 

Frahm schilderte: „Der IC-Betrieb soll mit sogenannten Doppelstockzügen durchgeführt werden, die fünfteilig eine Zuglänge von 160 Metern besitzen.“ Das Problem: Diese Doppelstockzüge passten nicht durch die Tunnelbögen in Altena und Werdohl. Außerdem habe der Bahnsteig an Gleis 3 in Werdohl mit 140 Metern nicht die erforderliche Länge. Der Bahnsteig an Gleis 2 würde mit 170 Metern zwar passen, aber der BFS habe eine andere Alternative erarbeitet. 

Das Interesse an den Informationen über einen Intercity-Halt in Werdohl hielt sich am Donnerstagabend in Grenzen. Dabei bezeichnete Referent Christian Frahm das Vorhaben als „sinnvoll für die gesamte Wirtschaftsregion“.

Frahm skizzierte diese Möglichkeit. Es sollten zunächst einmal „fünfteilige ICE-Züge der Baureihe 415“ verwendet werden. Diese passten durch die vorhandenen Tunnel. Ein Umbau der Tunnelbögen wäre „viel zu teuer, würde mehrere Millionen“ kosten. Außerdem solle an Gleis 1 ein Bahnsteig neu errichtet werden. Dort gebe es bisher keinen. Dieser könnte an dieser Stelle eine Länge von 420 Metern haben. Der Vorteil wäre, dass dann dort alle denkbaren Züge halten könnten, auch die neuesten und längsten Modelle, sogar ICE-Züge, für die ein Bahnsteig eine Mindestlänge von 400 Metern habe müsse.
 
Ex-Bürgermeister Siegfried Griebsch fragte am Donnerstagabend nach, was denn der Bau eines solchen neuen Bahnsteiges in Werdohl kosten würde: „Ein rundes Milliönchen“, antwortete Frahm. In dieser Summe enthalten sei aber auch ein Fahrkartenautomat oder – noch besser – „ein Fahrkartenschalter der alten Art, sprich: mit Personal besetzt“. 

In seinem anderthalbstündigen Vortrag machte Frahm deutlich, dass die Deutsche Bahn am Bau eines solchen neuen Bahnsteiges in Werdohl aus Gewinnerzielungsgründen kein Interesse haben könne. Deshalb müsse dieser Bau „durch die öffentliche Hand, also mit Steuergeldern“ finanziert werden. Abschließend betonte der Experte, dass es zum BFS-Konzept gehöre, dass alle Fahrscheine für Fernzüge der Deutschen Bahn auch in den Bussen der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) anerkannt werden sollten.

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