Bergsteiger und Autor Brunnert sorgt für Vergnügen

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Peter Brunnert signierte nach der kabarettistischen Lesung auch einige seiner Bücher. Kein Zweifel: In Werdohl hat der Schriftsteller neue Fans gefunden.

Werdohl - Der Nanga Parbat, der immerhin neunthöchste Berg der Welt, ist inzwischen auch in einem kleinen Fläschchen erhältlich. Die Kollektion „Messner Mountain Magic“, benannt nach dem berühmten Bergsteiger Reinhold, macht’s möglich. Der Bergsteiger und Schriftsteller Peter Brunnert stellte diesen und andere Düfte am Sonntagmittag im Kleinen Kulturforum vor. 

Brunnert hat aus den nach Messner benannten Gerüchen nämlich eine feine Kolumne geschrieben. Für den Mann geht es duftmäßig etwas höher auf den Manaslu, mit 8163 Metern die Nummer acht der Welt, hinaus – bei völliger Kostengleichberechtigung. Die Unisex-Variante der magischen Kollektion mit dem freilich noch nicht erklommenen, weil unauffindbaren Gipfel „Hidden Peak“ ist etwas teurer, verspricht dafür aber auch einen „Hauch von Abenteuer und wirkt in der Weise verjüngend, dass man Dinge wagt, die man schon lange nicht mehr getan hat“.

Der Gipfel nach einer knapp zweistündigen Expedition durch den Sprachraum war damit erreicht und das Publikum genoss vergnügt das Panorama: Brunnert hat als unterhaltsamer Tourleiter interessante Einblicke in die wundersame und mitunter auch absurde Welt der Bergsteiger gegeben – und das als „völliger Flachländer“ aus dem niedersächsischen Hildesheim vor den „Bergbewohnern“ aus dem Sauerland, wie er selbst sagte.

Brunnert bei seinen heiteren Episoden zuzuhören, macht noch mehr Freude, als ihn zu lesen: Der 58-Jährige, den die Bergluft und nicht Messners „Hidden Peak“ sichtlich frisch gehalten hat, setzte bei sauber geschliffenem sprachlichen Ausdruck auf einen unprätentiösen Vortragsstil, in dem die Pointen mal direkt, mal völlig überraschend platziert und mit schwarzem Humor garniert waren: „Es ist nicht schlimm, wenn man stürzt. Nur der letzte Meter ist problematisch“, sinnierte er über das Risiko der Kletterer.

Brunnert hat als Jugendlicher seine Leidenschaft für das Bergsteigen entdeckt und sich das Basiswissen mit dem Buch „Sicheres Klettern in Sturm und Eis“, das als Beweisstück in seiner Lesung nicht fehlte, selbst erarbeitet: Diese klassische Ausbildung setzte er in einem Text vergnüglich als Kontrast gegen die aktuell eher übliche Wissensvermittlung in „Plastiktempeln“, also Kletterhallen, in denen zunächst „Bouldern“ und dann „Chillen“ angesagt ist. Dabei verteufelte Brunnert die modernen Einrichtungen ganz und gar nicht, sondern entlarvte nur jene Besucher, die die Berge da draußen gar nicht mehr kennen mögen und für die der Horizont hinter der am besten zu erreichenden Kletterwand endet.

Der Autor, der selbst in höchsten Höhen und Gefahren die Berge erkundet (hat), gelang in seiner Lesung auch die deutsch-deutsche Klettervereinigung: Er berichtete von abenteuerlichen Touren durch das Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz, „einem der landschaftlich schönsten, wenn nicht sogar dem schönsten Klettergebiet Europas“. Dabei verbeugte er sich hochachtungsvoll vor den tollkühnen Sachsen („Natürlich ist Klettern sächsy“), die dort von Gipfel zu Gipfel über hunderte Meter tiefe Abgründe springen, und präsentierte für Ostalgiker ein Relikt aus DDR-Bergsteigerzeiten: ein Seil aus Dederon, dem sozialistischen Pendant zum Perlon, aus dem auch der Stoff für die typischen „Hoffnungsbeutel“ gewebt wurde.

Auch die Eigentümlichkeiten des Sauerlandes, in dem Brunnert in den 70er-Jahren die Felsen des Hönnetals und die Bruchhausener Steine erklomm, hatten Platz in seiner Lesung: Er berichtete in fiktiver Form über die Planungen einer kleinen Reisegruppe aus Nuttlar, die in Monaco (zum Klettern) ganz nach oben will und schon auf dem Weg dorthin ein stetiges Auf und Ab erlebt.

Brunnert schreibt und liest äußerst witzig, pflegt einen kabarettistischen Stil: Mit ihm erreichte das Publikum im Kleinen Kulturforum vergnügt den Gipfel der sprachlichen Expeditionstour durch die so vielseitig duftende Bergwelt.

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