Ausstellung „Zu schön“ wird am 16. April in Kunsthalle Südwestfalen eröffnet

Abstrakte Kunst mit Selfies, Strohhalmen und Kettensägen

„Überarbeitete Selbstportraits“ präsentiert der Bochumer Jochen Ahmann.

Werdohl - „Lange Zeit war das Schöne keine Kategorie der modernen Kunst – Mode, Werbung und Massenmedien hatten es für sich beansprucht. Die antike Vorstellung, dass Schönheit objektiven Maßstäben wie Symmetrie und Proportion folgt, prägte die westliche Kultur“, sagt der Werdohler Künstler Thomas Volkmann. Am Freitag, 16. April, eröffnet der Betreiber der Kunsthalle Südwestfalen die Gemeinschaftsausstellung „Zu schön“ im Gewerbepark Eveking – in dieser Ausstellung liegt das Augenmerk auf Malereien, Collagen, Objekten und Fotografien.

Als Gastkünstler hat er die Werdohlerin Maike Reininghaus, Jochem Ahmann aus Bochum, den Hagener Edgar Busch, Pee Groos aus Köln und den Paderborner Jürgen Schubbe eingeladen.

„Die Ausstellung will mit einer Auswahl von Werken der sechs Künstler die Diskussion über unsere gewandelten Vorstellungen vom Schönen in der Kunst anregen“, erklärt Volkmann. Dafür wurde die Ausstellungsfläche erneut „um spannende Räume“, so der Organisator, erweitert. Zusätzlich zu einer klassischen Ausstellung von Kunstwerken an weißen Wänden stehe in diesem Jahr ein ehemaliger – seit Jahren ungenutzter – Waschraum im Zentrum der Ausstellung. Für dessen 18 Duschkabinen schufen die Künstler individuelle Kunstwerke. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung werden die Besucher auch die Möglichkeit bekommen, persönlich mit den Künstlern über Kunst und Schönheit zu diskutieren.

Ein seltenes Bild Venedigs

Maike Reininghaus zeigt sowohl aktuelle Collagen als auch ihre neue Foto-Serie „VENEdig“. „Obwohl an den bekanntesten Orten Venedigs fotografiert, erzählen die Bilder ihrer Serie eine andere Geschichte – eine Geschichte, die viel Freiraum für die Gedanken des Betrachters lässt. Das Wasser und die Gassen der Stadt werden zu Venen – die Gefäße die zum Herzen führen. Die melancholischen Schwarz-Weiß-Bilder zeigen ein Bild Venedigs, wie man es selten zu sehen bekommt“, beschreibt Volkmann die Arbeiten seiner Werdohler Kollegin. Maike Reininghaus transferiere „die Symbiose aus Kunst und Schönheitsideal in die Neuzeit“.

Abstrakte Strohhalm-Kunst

„Strohhalm-Design“ lautet der Titel des jüngsten Projektes des Hagener Designers und Künstlers Andreas Edgar Busch. „Dem Strohhalm wird durch die Umarbeitung zu Objekten eine ganz neue Bedeutung gegeben. Die Ästhetik des Strohhalms, die starke Farbigkeit, die glänzende Oberfläche und die Transparenz des Materials entwickeln einen ganz eigenen Reiz, der erst dadurch wirklich zur Geltung kommt, das der Strohhalm in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt wird. Durch die jeweilige Anordnung der einzelnen Halme zueinander entstehen neue, sinnlich erfahrbare Zusammenhänge. Mal als neuer funktionaler Gegenstand, mal rein abstrakt, wie in der Installationsarbeit ,Krake’“, sagt Thomas Volkmann über Andreas Edgar Buschs „Strohhalm-Design“.

"Zurück auf den Ursprung des Kunstwerks"

Jochem Ahmann ziele mit seinen Werken „zurück auf den Ursprung des Kunstwerks“, analysiert Thomas Volkmann. In der Ausstellung zeigt er seine fünfteilige Arbeit „Bay mir bistu sheyn“. „Es handelt sich um überarbeitete Selbstportraits mit scheinbar vordergründig naiven und doch ironisch-subversiven Botschaften. Seine Werke repräsentieren eine Haltung, die aus einem spielerischen Ansatz heraus, hintergründige und tiefsinnige Situationen erschaffen und aus großer Leichtigkeit tiefen Ernst schöpfen“, heißt es in einer Mitteilung. Bildtafeln „mit einfachen, schnell identifizierbaren Motiven sind scheinbar willkürlich auf der Wand verstreut und erzählen doch als ganzes eine Geschichte, ohne das das Einzelbild als Aussage einbüßen würde.“

Duschkabinen als spezieller Ausstellungsort

Mit den alten Duschkabinen in der Kunsthalle Südwestfalen wurde ein Ausstellungsort gefunden, „der mit seinem morbiden Wesen eine geeignete Umgebung für das Werk von Pee Groos bietet.“ Sie selbst suche immer wieder Orte mit einer Geschichte, wie Dachböden oder ehemalige Industriehallen auf, um ihre Arbeiten dort in Szene zu setzen und zu fotografieren. Die Inszenierungen in Skulptur und Fotografie zeigen Puppen, die Groos zerlegt, neu zusammensetzt, beklebt, mit Farbe und Wachs bestreicht, ansengt, manchmal auf links dreht und dann in bühnenähnlichen Situationen anordnet. „Die Künstlerin findet auf Flohmärkten, dem Sperrmüll oder bei Internetauktionen Puppen und Gegenständen, die bereits durch Gebrauchsspuren gezeichnet sind und die sie weiter verarbeitet.“

Mit der Kettensäge zum Kunstwerk

Im letzten Jahr war Jürgen Schubbe mit seiner expressiven Malerei bereits zu Gast im Gewerbepark. Neben seinen Bildern zeigte er die ersten Holzskulpturen, die er mit Kettensägen bearbeitet hatte. In diesem Jahr stehen ausschließlich seine neuen Skulpturen im Mittelpunkt. „Sein Schaffensdrang war enorm und so gibt es wieder einiges Neues zu entdecken. Die Arbeiten von Jürgen Schubbe konzentrieren sich auf den Menschen. Ihm geht es dabei nicht um ein realistisches Abbild oder das Festhalten von äußerlichen Merkmalen. Die Köpfe und Gesichter bieten dem Betrachter kein – den konservativen Sehgewohnheiten entsprechendes – Porträt, sondern die Konfrontation mit einer Gestalt, die irritierende, bisweilen sogar dämonische Züge trägt.“

"Ironische Sicht auf Dinge im Mittelpunkt"

Volkmann selbst beschreibt seine Arbeit wie folgt: „Eine leichtere, ironische Sicht auf die Dinge steht nun wieder im Mittelpunkt meines Schaffens. Das in den letzten Jahren überwiegend eingesetzte Schwarz ist einer hellen, teilweise schon grellen Farbigkeit gewichen.“ Der Werdohler zeigt in diesem Jahr aktuelle Collagen und Malerei. „In meinen neuen Arbeiten setze ich meine radikale, expressive Malerei fort und durchbreche sie mit collagenhaften und textlichen Einschüben.“

Nach der Eröffnungsveranstaltung am 16. April, von 18 bis 22 Uhr ist die Ausstellung zudem am Freitag, 22. April, von 18 bis 22 Uhr in der Kunsthalle Südwestfalen, Gewerbepark Eveking, Hauptstraße 67, geöffnet.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare