Ausstellung „zu schön“ in Kunsthalle Südwestfalen

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Die rosafarbenen Plüschhasen die von der Kölner Künstlerin Pee Groos auseinandergebaut und grotesk wieder zusammengesetzt wurden, waren die auffälligste Installation in der Ausstellung „zu schön“.

Werdohl -  Schluss mit dem idealen Menschen der Renaissance – „zu schön“ fanden ihn die Künstler um Thomas Volkmann, der unter diesem Titel zu einer Ausstellung in die Kunsthalle Südwestfalen einlud. Zum Auftakt am Samstag kamen zahlreiche Besucher in die Räume der Kunsthalle.

Was ist schön? Und vor allem: Was macht einen Menschen schön? Thomas Volkmann liefert in der Ausstellung eine extrem expressive Antwort: „Renaissanceportrait“ schrieb er unter ein großformatiges Gemälde, das an Edvard Munchs „Der Schrei“ erinnert. Vom idealen Menschen der Renaissance ist diese Darstellung mindestens so weit entfernt wie die Portraits des Künstlers Francis Bacon. Grotesk, gequält, bespielt, zerschnitten und wieder neu zusammengesetzt kommen die Darstellungen des Menschen in der Schau daher, und das macht sie zu einer Gemeinschaftsausstellung im allerbesten Sinne.

In ihren Collagen spielt Maike Reininghaus mit den Versatzstücken modellhafter Schönheit, setzt Gesichter, Körperteile und Symbole kreativ neu zusammen.

Eine sehr intensive Wirkung entfaltet eine Installation der Kölner Künstlerin Pee Groos, die rosa Plüschhasen gnadenlos aufschnitt, mitsamt ihrem eingebauten Antrieb umbaute und ihnen zwanghafte Bewegungen verordnete. Eine bedrückende Demonstration von Unfreiheit, die manche Besucher gruseln ließ – auch wegen der ausdruckslosen Fratzen, die aus dem Alptraum in Rosa hervorstierten. Vor der „Heimat“ der Hasen, einem WC-Kabinett, das den erschreckenden Eindruck noch verstärkte, sauste ein erheblich mobilerer Gondoliere mit seinem Bötchen herum, der in der Nachbarschaft seiner von stereotypen Bewegungen gefesselten Kollegen geradezu zum Sinnbild der Freiheit wurde. Und den Besuchern stand es frei, sich bei diesem Anblick dankbar der ihnen zukommenden Bewegungsfreiheit zu erinnern.

Neben den Plüschhasen hatten Pee Groos, Thomas Volkmann und der Hagener Künstler Edgar Busch die weiteren Separees dieses bemerkenswerten Waschraums gefüllt: Edgar Busch ließ in seinen „8 Kostbarkeiten“ Strohhalme und ungewöhnliche Lampen leuchten und schuf so etwas wie eine Peepshow mit ein bisschen Fleischeslust, Heintjes „Mama“ und Freddy Quinns „Junge, komm bald wieder!“. Thomas Volkmann lieferte eine Madonna gierigen Mündern aus und warnte gleich nebenan: „Big Sister is watching you!“

In diese ganzen Alpträume unfreier getriebener Figuren passten die schartigen Holzskulpturen und schrundigen Köpfe, die Jürgen Schubbe im Raum verteilte. Geradezu versöhnlich kam da Jochem Ahmanns Botschaft daher: „Bay mir bistu sheyn“ schrieb er auf Jiddisch unter eine Fotoserie, die sein eigenes Konterfei in bearbeiteten Versionen zeigt.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Südwestfalen im Gewerbepark Eveking (Hauptstraße 67) ist noch ein weiteres Mal am Freitag, 22. April, von 18 bis 22 Uhr für die Besucher geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

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