Obdachlos?Andrea Ziemann hilft Werdohlern in Notlagen

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Andrea Ziemann mit dem kleinen Ratgeber „Wenn alles schief geht“ der Fachstelle Wohnen der Stadtverwaltung.

Werdohl - Mietschulden, Kündigung, Räumungsklage: Es gibt viele Umstände, in denen Menschen in eine Notsituation kommen können – eine davon ist, obdachlos zu werden.

In solchen Situationen können Betroffene auf Hilfe der Stadt Werdohl setzen: Andrea Ziemann ist bei der Verwaltung zuständig für die „Verhinderung von Wohnungslosigkeit“. Die Kommunen sind laut Ordnungsgesetz verpflichtet, in solchen Fällen Abhilfe zu schaffen. Sie ist dazu als Beraterin, auch auf der Straße, tätig.

„Es gilt zu unterscheiden zwischen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit. Aber grundsätzlich ist es so, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss“, sagt Ziemann. Wohnungslos seien jene Personen, die zumindest noch bei Verwandten oder Freunden einen Unterschlupf bekämen, Obdachlose dagegen seien die, die „unter freiem Himmel“ leben würden. „Das Besondere in Werdohl ist, dass wir keine Obdachlosenunterkunft haben. Die ist zum Glück nicht nötig, da selten diese Fälle vorkommen – in den vergangenen Jahren durchschnittlich acht Akut-Fälle. Für solche Situationen gibt es zwei Notfallbetten, die zur Übernachtung genutzt werden können“, erklärt Ziemann.

Dies sei zum Beispiel auch in Fällen von häuslicher Gewalt gegeben. In der Regel werde versucht, den betroffenen Menschen schnellstmöglich Hilfe zu geben. Das seien Hinweise aus der Bevölkerung auf Menschen, die im Freien schlafen würden oder von Banken, die Personen in den Vorräumen auffinden würden. Auch bei Räumungsklagen wird Ziemann frühzeitig vom Amtsgericht in Kenntnis gesetzt, dass individuell Bedarf bestehen könne.

Bei Hilfestellungen greift die Stadtmitarbeiterin auf ein bestehendes Netzwerk zurück. „Dies besteht aus den Wohnungsgesellschaften, Beratungsstellen, anderen Behörden und dem Ordnungsamt. Die Angebote sind vielfältig“, sagt Ziemann. Grundsätzlich gebe es meist nicht nur allein das Problem, dass Menschen wohnungslos sind oder es werden. „Da hängt oft ein ganzer Rattenschwanz von Problemen dran. Viele haben den Überblick verloren oder sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Auch dabei helfen wir von der Stadt und geben Denkanstöße“, so Ziemann.

Doch es gebe auch Fälle, die keine Hilfe wollten. „In Werdohl lebte ein älterer Mann ganz bewusst auf der Straße. Der bekam Essen und Wäsche von privaten Leuten und weigerte sich, Hilfe von uns anzunehmen. Es hat Jahre gedauert, bis er sich doch von uns helfen ließ“, erinnert sich Ziemann.

Doch auch mit neuen Phänomenen muss sich die Verwaltungsmitarbeiterin auseinandersetzen: „Es gab mehrere Fälle, da haben die Vermieter ihren Mietern einfach die Schlüssel abgenommen und vor die Tür gesetzt. Dies ist rechtlich überhaupt nicht erlaubt“, erklärt Ziemann. Hier betreibt Ziemann aufklärende, kostenlose Beratung: „Die rechtlichen Wege, zum Beispiel Klagen vor dem Amtsgericht, müssen die Betroffenen trotzdem selbst veranlassen. Es gibt für alle Probleme eine Lösung.“

Andrea Ziemann ist während der Geschäftszeiten des Rathauses unter der Telefonnummer 0 23 92/91 73 31 erreichbar.

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