Amtsgericht: Eskalierter Familienstreit beschäftigt den Richter

Werdohl - Ein tiefes Familienzerwürfnis beschäftigte jüngst das Amtsgericht Altena.

Welche Dimensionen der Streit zwischen zwei Neffen und ihrem Onkel angenommen hatte, machte ein Nebensatz des Onkels vor Gericht deutlich: „Wir hatten vorher nie Streit. Nur die letzten vier, fünf Jahre.“

Am 14. Dezember 2014, gegen 0.50 Uhr, eskalierte der Konflikt auf einem Schlachtfeld irgendwo zwischen den Gaststätten Mythos und Spiegel, wo sich die Streitparteien zufällig getroffen hatten. Zuviel genossener Alkohol trug auf beiden Seiten dazu bei, den Konflikt anzuheizen. Am Ende hatte der Onkel (59) seine untere Zahnprothese verloren, zwei Platzwunden verunstalteten seine linke Augenbraue, und auch ein Sehnen-Anriss an der Schulter musste im Krankenhaus behandelt werden.

Diese Befunde sprachen recht deutlich gegen seine 28 und 32 Jahre alten Neffen, denen die Staatsanwaltschaft gefährliche Körperverletzung vorwarf. Dass sie kraftvoll zugeschlagen hatten, gaben sie zu. Doch hatten sie wirklich mit dem Streit angefangen? Die Ehefrau des jüngeren Angeklagten berichtete als Zeugin in ruhigen Worten, dass der Onkel seine Neffen beleidigt und bedroht habe. Er habe ihnen zu verstehen gegeben, dass sie den Familiennamen nicht verdienten. Dann habe er noch damit gedroht, sie alle abzuknallen. Als sie den Konflikt daraufhin habe schlichten wollen, habe er ihr eine Ohrfeige gegeben, wusste die Zeugin zu berichten. Der Schlag wiederum lieferte ihrem Mann einen Grund zu einer handfesten Intervention: „Da bin ich hingegangen und habe zugeschlagen.“ So kam es zu einer tumultartigen Schlägerei, die erst mit Hilfe von Fremden beendet werden konnte.

Auch der geschlagene Onkel wurde vernommen, und er hatte die Geschichte ganz anders in Erinnerung: „Die hatten vor, mir aufzulauern und mich zusammenzuschlagen.“

Richter Dirk Reckschmidt zeigte sich auf der Höhe des sauerländischen Gemüts: „So ein echter Familienstreit im Sauerland – das ist etwas Dauerhaftes.“ Vier, fünf Jahre sind da offenbar noch gar nichts. Um im Gerichtssaal die mannigfachen Details des Konfliktes nicht recht nutzlos weiter auszubreiten, stellte der Richter das Verfahren ein. Die Angeklagten wurden allerdings verpflichtet, ihren Onkel mit je 250 Euro für die erlittenen Schmerzen zu entschädigen – als Anzahlung für eine mögliche Prozessfortsetzung vor einem Zivilgericht. Zwar bekam der Onkel nicht noch einmal das Rederecht, doch es wurde deutlich, dass er diese Summe als viel zu gering empfand.

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