„Ambulant Betreutes Wohnen Frauenhilfe“ richtet sich an 18 – 65-Jährige

Ambulanter Dienst betreut psychisch Erkrankte zuhause

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Ruthild Lindemann (rechts), Leiterin des ambulanten Dienstes, im Gespräch mit Mitarbeiterin Antje Ulbrich.

Werdohl - „Menschen, die zu uns kommen, haben oft schon einiges versucht. Sie wissen, dass sie es nicht alleine schaffen können.“ Ruthild Lindemann leitet den ambulanten Dienst „Ambulant Betreutes Wohnen Frauenhilfe“ mit Sitz in Werdohl und betreut mit ihren Mitarbeitern an psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen leidende Frauen und Männer im Märkischen Kreis.

Der ambulante Dienst hat in den vergangenen Jahren deutlich expandiert und im Mai die bereits 25. Mitarbeiterin eingestellt. „Wir richten uns dabei nach der Anzahl unserer Klienten. Und die ist über die Jahre gestiegen“, erläutert Lindemann. So habe man momentan knapp 90 zu betreuende Klienten. „Den Menschen ist es heute eher bewusst, wenn etwas nicht stimmt. Es gibt aber auch weniger stationär aufgenommene psychisch Erkrankte. Auch deshalb steigen die Zahlen derer, die sich an uns wenden“, betont Lindemann. Bis zu einjährige Klinikaufenthalte wie früher gäbe es heute nicht mehr.

Zu den Krankheitsbildern der Klienten zählen vor allem Psychosen, Manische Depression, Depression, Borderline und Persönlichkeitstörungen sowie Neurosen und Zwangsstörungen. Bei den Suchterkrankungen sind Alkohol- und Drogensucht vorherrschend. „Es kommen auch Doppeldiagnosen vor. Ein Klient mit einer Psychose kann zum Beispiel ebenso unter einer Angststörung leiden“, sagt Lindemann.

Aufgabe des ambulanten Dienstes ist es, diesen Menschen den Wiedereinstieg in ein geregeltes Leben zu ermöglichen. Dafür werden die Klienten je nach Bedarf ein- oder zweimal die Woche zuhause besucht. Dabei wird neben der psychiatrischen Arbeit auch mit alltäglichen Dingen wie dem Haushalt, Ämtergängen oder Geldangelegenheiten geholfen.

Der Dienst richtet sich an Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. „Unsere Trägerin ist zwar die Frauenhilfe, aber deswegen weisen wir Männer nicht ab“, sagt Lindemann. Die Klienten kämen dabei aus allen sozialen Schichten, Nationalitäten und Religionen. „Wir haben auch viele türkische oder auch marokkanische Klienten. Da ist die Herangehensweise aufgrund der Kultur und Religion natürlich eine andere. Wir müssen dann mit deren Werten arbeiten. Aber wir lernen auch viel von unseren Klienten über ihre Kulturen“, erklärt Lindemann.

Dass ihre Arbeit erfolgreich ist, zeigt ein Beispiel eines jungen Mannes. „Er hatte aufgrund von Suchtproblemen schon einige Schleifen in Kliniken gedreht. Als er eine Ausbildung beginnen wollte, kam er zu mir mit den Worten ‘Ich brauche jemanden, der mich wieder auf die Spur bringt’. Ich habe ihn fast vier Jahre lang betreut. Seine Ausbildung hat er mit Eins abgeschlossen und studiert heute“, berichtet Lindemann. Fälle wie dieser seien zwar eher die Ausnahme. „Aber es zeigt, was möglich ist“, sagt Lindemann.

Um von dem ambulanten Dienst betreut werden zu können, braucht man eingangs nicht zwingend eine Diagnose. „Der Gang zum Arzt ist natürlich ein sehr großer Schritt. Für die bewilligung des Antrags durch den Landschaftsverband Westfalen und Lippe (LWL), der uns refinanziert, ist eine Diagnose durch einen Psychiater aber vonnöten. Gibt es diese nicht, wird der Klient an den Sozialpsychiatrischen Dienst weitergeleitet, der dann einen Bericht schreibt. Die Diagnose muss schon fundiert sein“, sagt Lindemann. Man lasse aber Hilfesuchende nicht einfach stehen, wenn sie nicht ins Muster passen. „Wir sprechen trotzdem mit ihnen und leiten sie dann an die passenden Stellen weiter“, sagt Lindemann.

Es bestünde nun der Wunsch, das Bürogebäude an der Neustadtstraße 27 zu verlassen. „Wir sitzen hier doch etwas inkognito. Viele wissen gar nicht, dass wir überhaupt hier sind. Wir sind daher auf der Suche nach einem zentralen Gebäude mit Schaufenster. Ich habe auch die Vision, in näherer Zukunft unser angebot noch auszubauen“, blickt Lindemann voraus.

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