Grundschule Königsburg: Alternativen zur Gewalt

„Stopp! Hör auf!“ Immer wieder üben die Kinder die Stopp-Regel – damit sie im Ernstfall nicht lange überlegen müssen.

Werdohl - Die Stopp-Regel beherrschen die Zweitklässler schon aus dem Effeff. Energisch strecken die Kinder einen Arm in Brusthöhe aus und präsentieren ihrem Gegenüber den Handteller als deutliches Signal. Laut schallt es durch die Turnhalle der Grundschule Königsburg: „Stopp! Hör auf!“

Von Carla Witt

Nachdem die Kinder auch die weiteren Teile der Regel aufgesagt haben – „Stopp! Hör auf, sonst hole ich mir Hilfe!“ und „Stopp! Es reicht mir, jetzt hole ich die Aufsicht!“ – ist Psychologin Heike Stähler zufrieden. Im Auftrag des Fördervereins „Gewaltfrei Lernen“ trainiert sie momentan alle Schüler der Grundschulen Königsburg und Kleinhammer – und nicht nur die Kinder: Auch die Lehrer und Betreuungskräfte werden geschult.

„Schließlich ist es ganz wichtig, dass sie zum Beispiel reagieren, wenn ein Kind zu ihnen kommt und berichtet, dass die Stopp-Regel gebrochen wurde“, stellt die Psychologin fest. Die Eltern bezieht Stähler ebenfalls ein: Sie können im Rahmen von Informationsveranstaltungen ihre Fragen zum Konzept „Gewaltfrau Lernen“ stellen. „Ideal ist es, wenn es den Eltern gelingt, bestimmte Verhaltensweisen in den Alltag mit den Kindern zu integrieren“, sagt Stähler.

Die Stopp-Regel ist nur ein kleiner – aber wichtiger – Teil des pädagogischen Konzeptes. „Es geht darum, Kindern Handlungsalternativen zum Schlagen, Treten oder Schimpfen an die Hand zu geben“, erläutert die Psychologin. Ziel sei die Stärkung der Kinder in ihrer Handlungsfähigkeit und Persönlichkeit, der Klasse in ihrer Kooperations- und Konfliktfähigkeit und der gesamten Schulgemeinschaft bezüglich ihrer Entwicklung im sozialen Bereich.

Eine große Rolle spielt während dieser Lernprozesse die Bewegung, da Kindern und Jugendlichen in Bewegung das Lernen leichter falle und sie sich bessern erinnern könnten. Aus diesem Grund findet das Training in der Turnhalle statt. Heike Stähler stellt den Kindern Bewegungsaufgaben. Um diese zu bewältigen, sollen sie sich jeweils einen Partner suchen – der aber bei jeder Aufgabe gewechselt werden muss. Achtsamkeit, Respekt und Teamwork sollen so gefördert werden. „Die Kinder merken: Ich muss nicht jeden mögen, aber ich kann mit jedem anderen Kind gemeinsam eine Aufgabe lösen und zusammenarbeiten.“

Die Stopp-Regel gehört zum zweiten Konzept-Teil, der sich mit gewaltfreien Konfliktlösungen beschäftigt. Im dritten Teil sollen schulinterne Strategien zur Konfliktminimierung entwickelt werden. „Für die Lehrkräfte und Betreuer ist das natürlich erst einmal eine zusätzliche Belastung“, stellt Stähler fest. Aber sie ist überzeugt: „Die Arbeit zahlt sich aus.“ Aus Erfahrung können sie berichten, dass es bei konsequenter Anwendung des Konzeptes im Laufe der Zeit deutlich weniger Konflikte gebe.

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