Familienvater fühlt sich nach Operation neu geboren

Ein wenig müde noch, aber glücklich ist Skender Gjini nach der überstandenen Operation. Sein Dank gilt dem Ärzteteam um Dr. Norbert Pittlik (hinten rechts), mit ihm freuen sich seine Frau Xoana (links) und Regina Reininghaus von der Flüchtlingshilfe. Foto: Griese

Werdohl - Ohne die Hilfe des Werdohler Ärzteteams hätte Skender Ghjini wohl nicht mehr allzu lange zu leben gehabt: Mediziner der Stadtklinik haben aus dem Körper des 39-jährigen Albaners einen Tumor entfernt, der inzwischen lebensbedrohliche Ausmaße angenommen hatte.

In seiner Heimat auf der Balkanhalbinsel war Skender Ghjini vor etwa fünf Jahren schon einmal wegen einer Nierenentzündung mit Abzessbildung behandelt worden – auf eine ziemliche primitive Weise, wenn man den Schilderungen des Werdohler Klinikdirektors Dr. Norbert Pittlik glaubt, der den Familienvater in Werdohl untersucht hat. Die Folge dieser Operation durch albanische Ärzte sei, dass sich an Ghjinis Niere ein Tumor gebildet habe, gutartig zwar, aber von solchen Ausmaßen, dass er bereits in das benachbarte Muskelgewebe eingewachsen sei, andere Organe zu verdrängen drohte und auch der Aorta gefährlich nahe gekommen sei. „In Albanien, auch in Tirana, hat sich da niemand mehr ‘rangetraut“, berichtete Dr. Pittlik aus Gesprächen mit seinem Patienten, der aus einem 5000-Einwohner-Städtchen im Nordwesten Albaniens stammt und mit seiner Familie nach Deutschland geflüchtet ist.

Vor zwei Monaten traf Skender Ghjini mit seiner Frau Xoana (30) und den beiden Kindern Mirela (11) und Aferdita (9) in Deutschland ein und kam dann über Hemer nach Werdohl. Hier suchte die christliche Familie recht bald den Kontakt zur Flüchtlingshilfe, die von der Evangelischen Kirchengemeinde organisiert wird, und dort kam auch bald das gesundheitliche Problem des Familienvaters zur Sprache. „Zum Glück hat das Sozialamt der Stadt der Behandlung sofort zugestimmt“, ist Regina Reininghaus, bei der Flüchtlingshilfe als Patin engagiert, froh, dass ihrem Schützling keine bürokratischen Steine in den Weg gelegt worden sind.

Die Untersuchung in der Stadtklinik brachte dann nach Worten von Dr. Norbert Pittlik auch ziemlich schnell die Gewissheit, dass Skender Ghjini bald operiert werden musste. Der Tumor war bereits an Milz und Bauchspeicheldrüse angewachsen und hatte auch schon die an der Wirbelsäule verlaufende Hauptschlagader erreicht. „Über kurz oder lang wäre es hier zu einem Nierenversagen gekommen. Ohne Hilfe hätte der Mann keine normale Lebenserwartung gehabt“, schilderte Dr. Pittlik die Situation, die er auch mit den Urologen Dr. Wolfram Ebert und Dr. Sebastian Schäfers vom Klinikum Lüdenscheid erörterte und sich schließlich zu der auch in Deutschland riskanten Operation entschloss. Unterstützung leisteten dabei Oberarzt Dr. Klaus Terfloth und der Anästhesist Dr. Ulrich Valenta von der Stadtklinik.

„Das war Millimeterarbeit, absolute Hightech-Medizin“, sagte der Chirurg am Donnerstag erleichtert, nachdem der Eingriff geglückt war. Doch noch größer als beim Ärzteteam war die Erleichterung natürlich bei Skender Ghjini und seiner Familie. „Ich bin praktisch noch einmal geboren“, atmete der Familienvater nach der komplizierten Operation auf. „Daheim in Albanien wäre ich an diesem Tumor wahrscheinlich gestorben“, sagte er und schickte einen müden, aber dankbaren Blick zu Dr. Norbert Pittlik und seinem medizinischen Team.

Familie Ghjini hofft nun, in Deutschland ein Bleiberecht zu erhalten, um endlich wieder ein normales Leben führen zu können. Regina Reininghaus von der Flüchtlingshilfe würde es ihr gönnen: „Die Kinder besuchen hier die katholische Grundschule und lernen schnell Deutsch, die integrieren sich schon richtig gut“, berichtet sie und versichert: „Unsere ganze Gemeinde drückt der Familie die Daumen!“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare