Ausbildungsmarkt: Mehr unversorgte Bewerber als Stellen in Werdohl

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Hatten viel aus betrieblicher Erfahrung beizusteuern: Brinkmann-Geschäftsführer Reimund Gidde (v.r.), Prokurist Volker Alberts und Ausbildungsverantwortliche Anja Dieninghoff.

Werdohl - Überall im Märkischen Kreis gibt es im Ausbildungsbereich einen so genannten Bewerbermarkt, das heißt, dass es mehr Lehrstellen als Bewerber gibt. Nur in Werdohl ist das anders, hier gibt es mehr unversorgte Jugendliche als Ausbildungsstellen.

Mit dieser Besonderheit stieg Freitagvormittag Arbeitsagentur-Chefin Karin Käppel ins Gespräch mit der Betriebsleitung von Pumpen Brinkmann ein. Einmal im Jahr treffe Käppel mit Bundes- und Landespolitikern zusammen, um über das Thema Ausbildung zu sprechen. Damit es nicht ganz so theoretisch ablaufe, so berichtete Agentur-Sprecherin Lena Draxler, würde das Gespräch mit einem Besuch in einem Ausbildungsbetrieb verbunden.

Das lohnte sich am Freitag für alle Beteiligten außerordentlich. Die Firma Brinkmann mit Geschäftsführer Reimund Gidde und Prokurist Volker Alberts gilt als ein Mittelständler, der sehr offen mit seiner Personalsituation umgeht. So überraschte gestern die bei Brinkmann für die Ausbildung zuständige Anja M. Dieninghoff auch die Leute von der Arbeitsagentur. Fünf Ausbildungsstellen habe Brinkmann in diesem Jahrgang neu besetzen können, die eigentlich noch als offen gemeldeten drei weiteren Stellen habe das Unternehmen aber gerade eben zurückgezogen. Gidde: „Wir nehmen nur junge Leute auf, wenn wir sie allerbestens betreuen können.“ Die betriebliche Belastung der Ausbilder im eigenen Hause lasse es nicht zu, noch mehr Auszubildende einzustellen. Dieninghoff: „Wir könnten unseren eigenen hohen Ansprüchen an Ausbildung bei weiteren Lehrlingen nicht gerecht werden.“ Kommendes Jahr sei Brinkmann dazu bestimmt wieder in der Lage.

Arbeitsagentur-Chefin Käppel lobt Pumpen Brinkmann

Arbeitsagentur-Chefin Käppel staunte ob so viel Offenheit und lobte das Unternehmen. Brinkmann gebe auch schwächeren Bewerbern eine Chance und bilde auch ältere Ungelernte aus. Brinkmann mache sich zudem viele Gedanken zur Demografie im Betrieb. Der Pumpenhersteller sei eines der wenigen Unternehmen im Märkischen Kreis, das eine Qualifzierungsberatung in Anspruch nehme. Mit Mitarbeitern, die mit 63 in den Ruhestand gingen, verlasse auch viel Fachwissen die Firma. Um dieser drohenden Qualifizierungslücke entgegenzuwirken, arbeitet Brinkmann mit der Arbeitsagentur zusammen. Käppel an Geschäftsführer Gidde: „Sie sind einer der wenigen Arbeitgeber, die wirklich alle Instrumente nutzen.“ Gidde und Alberts gaben ihrerseits sehr genaue Einschätzungen der Lebenssituation junger Menschen, des demografischen, sozialen und ethnischen Wandels in Westfalen im Gespräch zurück.

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