Abendkirche unter dem Eindruck des Blutbads von Paris

Johanna Trautmann und Daniel Hüsmert waren die Moderatoren des Abends in der Kreuzkirche, dessen Thema lange vor den Terroranschlägen von Paris festgelegt worden, aber trotzdem treffend war.

Werdohl - Die letzte Abendkirche in diesem Jahr stand am Sonntag in der Kreuzkirche auf der Königsburg unter dem Thema „Bleibt was?“

Ausführliche und zudem sehr lebensnahe Gedanken zu dieser Frage machte sich dabei Klaus Reuber, der Teamleiter der Motorradgottesdienste auf der Nordhelle.

Bereits in der Einleitung zu diesem Abend hatten sich die beiden Moderatoren Johanna Trautmann und Daniel Hüsmert Gedanken zur Fragestellung in der Abendkirche gemacht und dabei in den Raum gestellt: „Was bleibt nach den Attentaten von Paris?“ Jeder Besucher konnte sich – nach einem kurzen Gebet für die Hinterbliebenen – in der nachfolgenden Schweigeminute seine eigenen Gedanken dazu machen, bevor Klaus Reuber in seiner gewohnt schnörkellosen Art und Weise auf die Dinge einging, die das Leben in seiner oft unbarmherzigen Art vorgibt.

Er habe viel zu tun mit Menschen, die Kummer und Leid mit sich tragen, sagte Reuber. Wenn sie sich ihm anvertrauen, sei ihnen schnell bewusst geworden: „Der labert nicht, der weiß, wovon er redet“. Und das weiß er gewiss, denn in die Abendfrage „Bleibt was?“ war seine verstorbene erste Frau gedanklich stark eingebunden. Bei dem weit vor dem Blutbad in Paris festgelegten Thema habe er zuerst an seine Jugendzeit gedacht. Sie war – wie bei vielen anderen – geprägt von der Einstellung „Mir gehört die Welt!“, geprägt von Schwung und Elan, wie heute. Wenn man älter werde, gebe es andere schöne, prägende Erfah-

rungen – aber eben auch Ernüchterung. Gedanklich mag sich am Sonntag mancher mit dem Reuber-Beispiel „umzingelt von einem riesengroßen Scherbenhaufen“ angefreundet und nachvollzogen haben, dass es neben den schönen eben auch dornenreiche Wege gibt und zwangsläufig die quälende Frage folgt: „Warum ich?!“

Ein Szenario, das auch in die Geschehnisse der Nacht vom 13. November passe, so Reuber. So mancher Franzose habe in seiner Wohnung gesessen – und sitze dort vielleicht imm er noch – und wisse nicht mehr ein oder aus. „Nur weil irgendwelche Knallköppe das Leben zerstört haben“, sagte Reuber. Fromme Sprüche seien da nicht hilfreich. Gleichwohl schlug der Motorradpfarrer den Bogen zur Bibel und erinnerte an Petrus, der auf dem Weg zu Jesus über das Wasser ging, bis ihn seine Alltagsgedanken einholten und er unterzugehen drohte, „weil sein Herz klein war“. Eine Geschichte, „die auch ich durchlebt habe“, bekannte Klaus Reuber, denn er habe sich nach dem Tod seiner Ehefrau im freien Fall befunden. Aber er sei nicht auf den Boden aufgeknallt: „Jesus hielt mich – so wie damals auch den Petrus.“

Musikalisch umrahmt wurde der etwas andere Gottesdienst auch diesmal wieder von der Werdohler Gruppe Steady Different, die ein halbes Dutzend neuer Lieder sehr professionell präsentierte und nicht ohne Zugabe die Kreuzkirche verlassen durfte. Die Band hatte sich diesmal Songs ausgesucht, die sich sehr gut in das Motto des Abends einfügten – etwa mit dem gefühlvollen Beitrag „From a Distance“, in dem es um Harmonie, Hoffnung und Frieden ging, oder mit den beiden Liedern „Du bleibst“ und „Was uns bleibt“. Nach der rockigen Variante ein eher soft angelegter Song, der zu dem Ergebnis kommt, dass die Liebe bleibt. Herausragend war hier der dreistimmige Gesang von Sigrun Seegmüller, Irmgard Eckardt und Susanne Mankel, wobei gerade bei Mankel anzumerken sei: Es ist alles andere als leicht, Schlagzeug zu spielen, zu singen und dabei auch noch konsequent die Stimmlage zu halten. „Hab‘ ich auch gedacht“, meinte sie bescheiden dazu, „aber es klappt ganz gut…“

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