Landgericht verhandelt im "Apfelwurf-Fall" gegen Werdohlerin

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4. große Strafkammer des Landgerichts Hagen verhandelt in einem sogenannten „Sicherungsverfahren“ gegen eine 74-jährige Werdohlerin.

Werdohl - Die Attacke mit Äpfeln und einem gezückten Messer war nur der letzte Vorfall in einer langen Kette von Ärgernissen, von denen die Nachbarn die 74-jährigen Werdohler Beschuldigten am zweiten Verhandlungstag vor der 4. großen Strafkammer am Landgericht Hagen berichteten.

Zerkratzte Autos, verstörte Kinder, Schimpfkanonaden mit fragwürdigen Adressaten – „Schweine“ und „Mörder“ – es war wenig Positives, was die Zeugen über das schwierige Zusammenleben mit ihrer Nachbarin berichten konnten. „Wir haben schon mehrmals die Polizei gerufen“, erinnerte sich das Opfer der Apfelattacke am 25. Juli 2014. Anhand von Daten aus dem Familienleben rekonstruierte die Zeugin, wann aus der einst netten, alten Dame eine schwierige Nachbarin wurde, die „auf der einen Seite boshaft, auf der anderen Seite verängstigt“ war.

Mindestens zehn Jahre sei diese Wandlung her, schätzte die Zeugin. Mehrfach waren Kinder die Ziele von Beschimpfungen und merkwürdiger Attacken. „Die Kinder hatten Angst und kamen angerannt“, erinnerte sie sich an einen Vorfall auf dem Spielplatz. Bei einem Vorfall vor gut zehn Jahren habe sie ihren Hund in den Kinderwagen ihres Sohnes gehetzt.

Attacke mit gestrecktem Messer

Breiten Raum nahm die Klärung jenes Vorfalls ein, der zur Einweisung der 74-Jährigen führte. Sehr genau wurden alle Zeugen befragt, die Zeugen der Messerattacke geworden waren. „Sie kam mit dem gestreckten Messer auf mich zu“, berichtete jener Nachbar, der zum Ziel des gefährlichsten Angriffs geworden war. „Sie hat mich nur um Zentimeter verfehlt und nur, weil ich zurückgegangen bin.“ Auch für diesen Zeugen war der Anruf bei der Polizei nur der allerletzte Schritt in einer langen Nachbarschaftsgeschichte: „Gegen verbale Angriffe kann ich mich selber wehren.“

„Es gibt böse und kranke Menschen“, fasste die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen die entscheidende Frage zusammen, über die das Gericht zu entscheiden hat. „Sie ist nicht böse. In meinen Augen ist sie einfach nur krank“, schilderte eine Zeugin ihren Eindruck und fügte bedauernd hinzu: „Ich finde es schade, dass eine ganze Straße darunter leiden muss, dass ihr nicht geholfen wird.“

Einer der am 25. Juli hinzugeeilten Polizeibeamten konnte sich an kaum noch etwas erinnern. Seiner Erinnerung nach hatte es vor vielen Jahren aber einen Vorfall mit der Beschuldigten gegeben, bei dem diese während eines Streits tatsächlich auf die Hand eines Opfers eingestochen habe. Immer noch nicht endgültig geklärt ist nach den zweiten Verhandlungstag die exakte Bezeichnung der am 25. Juli verwendeten Wurfgeschosse: Die Frage geisterte deshalb immer wieder durch die Verhandlung: „Wissen Sie, was das für Äpfel sind?“ Die Verhandlung wird am 1. September ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

Der Fall

Die 4. große Strafkammer des Landgerichts Hagen verhandelt in einem sogenannten „Sicherungsverfahren“ gegen eine 74-jährige Werdohlerin. Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, Nachbarn mit Äpfeln beworfen und einen Nachbarn mit einem Messer angegriffen zu haben.

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