61-Jährige soll in die Psychiatrie

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Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Hagen befand eine Angeklagte jetzt für schuldunfähig.

Werdohl - Eine 61-jährige Frau, die zuletzt durch Gewalttaten im Seniorenheim Forsthaus in Werdohl aufgefallen war, muss für unbegrenzte Zeit in einer geschlossenen Psychiatrie bleiben. Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Hagen befand sie für schuldunfähig und ordnete ihre Unterbringung an. Mit dieser Entscheidung endete ein Verfahren, von dem die Beschuldigte selbst wegen befürchteter Übergriffe ausgeschlossen worden war.

Zahlreiche Betreuerinnen und Pflegerinnen aus dem Haus Hellersen in Lüdenscheid und aus dem Forsthaus in Werdohl hatten von körperlichen Angriffen, Sachbeschädigungen und üblen Beleidigungen berichtet, die sich über Jahre hingezogen hatten. Weil die Heimleitung keine Berechtigung hatte, die 61-Jährige in ihrer Bewegungsfreiheit zu beschränken, war diese immer wieder auch in Werdohl unterwegs gewesen und hatte dort einiges angestellt. Wiederholt musste die örtliche Polizei ausrücken, um sie zurück ins Heim zu bringen. Die Pflegedienstleiterin hatte geschildert, wie die 61-Jährige diese Situation ausgekostet und dem Personal ihre Macht immer wieder vor Augen geführt habe. „Sie hat Freude daran, dass wir ihre Bediensteten sind“, sagte die Zeugin. Zuletzt hatte die Leitung des Seniorenheims Forsthaus die Reißleine gezogen und die Bewohnerin angezeigt.

Nach der vorläufigen Unterbringung im psychiatrischen Krankenhaus in Lippstadt-Eickelborn war die Frau weiterhin durch groben Unfug aufgefallen. Selbst dort musste sie von den anderen Bewohnern getrennt werden. Der psychiatrische Gutachter schilderte die Unterbringung in Eickelborn als letzte Möglichkeit: „Das ist die letzte Einrichtung, die das kann – die tun das, weil sie das müssen.“ In seinem Gutachten hatte er alle üblichen Schlagworte von der Schizophrenie bis zur Psychose sehr distanziert durchschritten und eine sehr differenzierte Schilderung der psychischen Verfassung der 61-Jährigen geliefert. Sie sei hochgradig reizbar, verfüge über eine unzureichende Impulskontrolle und könne ihre Bedürfnisse in keiner Weise zurückstellen. Doch der Gutachter äußerte auch Verständnis für das bizarre Verhalten der 61-Jährigen in der aussichtslosen Situation einer geschlossenen Psychiatrie: „Das sind totale Institutionen. Wie will man sich denn da wehren?“

Trotz der zahlreichen strafrechtlich relevanten Taten fiel die Entscheidung, sie dauerhaft in eine „Geschlossene“ einzuweisen, im Landgericht nicht einmütig. Das lag an der relativen Geringfügigkeit der Einzeltaten, die vor allem in ihrer Summe das Personal des Seniorenheims überfordert hatten. Zudem hatte ihr Lebensgefährte berichtet, dass nach einer gravierenden Verschlechterung ihrer Situation etwa um das Jahr 2000 keine weitere akute Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit eingetreten sei.

Während das Gericht die Voraussetzungen für eine Einweisung gleichwohl für gegeben ansah, zeigte sich Rechtsanwältin Julia Kusztelak skeptisch. Es sei zu erwarten, dass sie die Entscheidung vom Bundesgerichtshof überprüfen lasse, teilte Jens Berndt, Sprecher des Landgerichts mit.

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