4000 Papierschiffchen gehen in Bremen auf letzte Reise

Annette Kögel (4. v. r.) unterhielt sich in Bremen mit vielen Ausstellungs-Besuchern, die großes Interesse an ihrer speziellen Papierschiffchen-Installation zeigten.

Werdohl - Mit zehn Plastikbehältern machte sich die Werdohler Künstlerin Annette Kögel am vergangenen Wochenende auf den Weg nach Bremen-Gröpelingen. In jedem dieser Behälter: 400 Schiffchen aus Papier. In einer 2.000 Quadratmeter großen Fabrikhalle direkt am Weserufer errichtete sie ein rund neun Quadratmeter großes Podest, das als „Gewässer“ für Kögels 4.000 Papierschiffchen diente.

In Gruppen machen sich die tausenden kleinen Schiffchen auf die Reise, einzelne kommen vom Kurs ab oder umfahren einen imaginären Wendepunkt. Durch den Aufbau von Kögels Installation ergeben sich unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten. „Aus aktuellem Anlass habe ich meine Bodeninstallation ‘Die letzte Reise“ genannt“, sagt die Künstlerin. Das Schiff werde oft als Symbol für Abschied und Tod gesetzt, gelte aber auch als Zeichen für das menschliche Leben, die Reise und den Lebensweg. „In meiner Installation sind viele Schiffe auf dem Weg durch das Leben, dicht nebeneinander als breite Masse, in Gruppen, zu zweit oder allein.“

Jedes der 4.000 kleinen Papierwerke hat trotz der gleichen Art ein individuelles Aussehen: schillernd, rostend, farbig, zerbeult, gekippt, gestrandet.

Die Motivation, tausende kleine Schiffchen zu basteln, und ihre persönliche Deutung des Werks hat eine besondere Hintergrundgeschichte: „Als eine Freundin und Kollegin ins Hospiz kam, habe ich mit dem Bauen begonnen und habe aufgehört, als sie gestorben ist – als ihre letzte Reise zu Ende war.“

Rund sechs Minuten reine Arbeitszeit stecken in jedem Exemplar. „Hinzu kamen immer rund zwölf Stunden Trocknungszeit.“

Gefaltet wurde in allen möglichen Situationen: „Vor dem Fernseher oder auf einer langen Autofahrt auf dem Beifahrersitz nach Dresden.“ Nach dieser Fahrt sei der komplette Fußraum des Wagens voller Papierschiffchen gewesen.

Da der Ausstellungszeitraum sich lediglich über ein Wochenende erstreckte, sei die Ausstellungshalle stets voller Besucher gewesen. „Bereits beim Aufbau haben mich die anderen Künstler auf die Besonderheit der Installation angesprochen. Es herrschte durchgehend reges Interesse“, blickt Kögel zurück.

Organisiert wurde die Ausstellung von verschiedenen Künstlern aus Bremen, die die Büroräume der Halle als Atelier nutzen.

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