Angeklagte weist Betrugsvorwurf zurück

Werdohl - Stark zerrüttet war die Ehe einer 36-jährigen Werdohlerin, die im Jahr 2012 den Beschluss fasste, auszuziehen. „Es blieb mir nichts Anderes übrig, als die Wohnung zu verlassen“, erklärte die Türkin mithilfe eines Dolmetschers im Amtsgericht Altena.

Da sie ohne die Einkünfte des Noch-Ehemannes über keine Mittel für sich und die drei Kinder verfügte, stellte sie einen Antrag auf Sozialleistungen beim Jobcenter. Das gewährte einen Überbrückungskredit, nahm die Frau und ihre Kinder ab 1. Dezember 2012 in den Leistungsbezug auf und ermöglichte den unvermeidlichen Umzug.

Doch wann ging dieser über die Bühne? Ab wann also hatte die Frau einen Anspruch auf Sozialleistungen? Der verlassene Ehemann behauptete im Ermittlungsverfahren, dass die 36-Jährige und die Kinder noch bis zum 31. August 2013 bei ihm gewohnt hätten. Auf dieser Grundlage stellte das Jobcenter Strafantrag wegen Betruges gegen die Frau. Knapp 12.000 Euro sollte sie im strittigen Zeitraum zuviel kassiert haben.

Die Angeklagte hatte eine andere Version der Geschichte: Ihr Ex-Mann habe in der Zeit des Auszugs Schwierigkeiten wegen der Kinder gemacht und „sich geweigert, Sachen aus der gemeinsamen Wohnung herauszugeben“. Maximal „einen Monat“ habe sie nach Beginn der Jobcenter-Zahlungen noch mit ihrem Mann in einer Wohnung gewohnt. Vom 30. August als Auszugsdatum könne keine Rede sein: „Das ist eine Lüge meines Mannes.“

So blieben viele offene Fragen, die bis zu einem erneuten Termin im Amtsgericht geklärt werden sollen: Wem waren die Kinder in der fraglichen Zeit zuzuordnen? Wieviele waren überhaupt beim Jobcenter gemeldet? Ab wann wohnte die 36-Jährige tatsächlich in ihrer neuen Wohnung in Werdohl? Auf die letzte Frage könnte schon der von ihr geschlossene Mietvertrag eine Antwort geben.

Einiges sprach nach dem ersten Anlauf zu einer strafrechtlichen Aufarbeitung der Geschichte dafür, dass die Schadenssumme vermutlich längst nicht so hoch war, wie die Anklage behauptete. Ob das Jobcenter überhaupt unberechtigte Zahlungen an die 36-Jährige leistete, soll nun nachermittelt und vor allem nachgerechnet werden. - Von Thomas Krumm

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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