42-jährige Medizinerin aus Werdohl gesteht Betrug

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Werdohl - Eine Wunderheilerin, Geldtransporte in die Türkei, Morddrohungen – Es klang wahrlich abenteuerlich, was die Beteiligten gestern beim Schöffengericht in Unna zu hören bekamen. Auf der Anklagebank eine 42-jährige Frau. Der Vorwurf: Betrug.

Und den gab die Angeklagte auch sofort zu. Danach hatte sie sich mit einer Praxis in Werdohl niedergelassen.

Als Medizinerin war sie Kundin einer Privatärztlichen Verrechnungsstelle (PVS). Dabei handelt es sich um einen Dienstleister, der bei Privatpatienten 90 Prozent der Behandlungskosten im Voraus an die Ärzte zahlt und sich dann die komplette Summe vom Patienten holt. Damit kommen die Mediziner schneller an ihr Geld.

Auch die Angeklagte machte davon Gebrauch – allerdings mehr, als ihr zustand. Sie reichte nämlich Rechnungen ein, zu denen es nie Behandlungen gab oder die längst beglichen waren. Mehr als 250 000 Euro flossen so zu Unrecht in die Tasche der Ärztin. Mit dem Geständnis „Ich bekenne mich dafür verantwortlich“, war es nicht getan.

Mehrseitige, schriftliche Erklärung der Angeklagten

Es folgte eine äußerst umfangreiche, von der 42-Jährigen auf mehreren Seiten niedergeschriebene und vorgetragene Erklärung. Nach ihrer Scheidung hätten die beiden Kinder bei ihrem Ex-Mann gelebt. Sie habe die zwei aufgrund der Entfernung nicht jeden Tag sehen können. Das habe ihr psychisch zu schaffen gemacht. Zudem sei sie aufgrund falscher Kreditberatungen in finanzielle Schwierigkeiten gekommen und hätte ihr Haus in Werdohl an Mietnomaden untervermietet: „Ich kämpfte an allen Fronten gleichzeitig.“

Hilfe habe sie sich von einer Wunderheilerin versprochen, die sie durch eine türkische Patientin kennengelernt hatte. Besagte Heilerin habe erklärt, die Ärztin sei verflucht. Sie könnte ihr helfen, das würde aber einiges kosten. Aus Verzweiflung habe sich die 42-Jährige darauf eingelassen. Von da an habe die Patientin sie nicht mehr aus den Augen gelassen, ständig mehr Geld gefordert. Mehrmals sei die Angeklagte als Geldkurier in die Türkei gereist, habe immer mehr Kredite mit überhöhten Zinsen aufgenommen.

Falsche Rechnungen eingereicht

Beim Versuch, sich dem Wahnsinn zu entziehen, hätte die Patientin damit gedroht, die Schwester der Angeklagten zu töten. Während dieser Zeit sei es zufällig zu einer fehlerhaften Überweisung durch die PVS gekommen. „Plötzlich hatte ich viel Geld auf meinem Konto“, erklärte die Ärztin. Danach habe sie vorsätzlich falsche oder bereits beglichene Rechnungen eingereicht.

Ein Urteil gab es gestern noch nicht. Vielmehr will das Gericht klären, ob die Angaben der Frau wahr sind und sich daraus eine eventuelle Verminderung der Schuldfähigkeit ergibt.

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