Neuer Koch setzt auf Qualität: Nur Frisches auf den Teller

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Fertigprodukte kommen dem Koch und Konditor Patrik Hoth nicht in den Topf. Der Balver kocht und backt für die Bewohner des Wichernhauses täglich frisch.

Werdohl - Tiefkühlfleisch, Kartoffelpüree aus der Tüte oder Fertigsuppen, all das kommt bei Patrik Hoth nicht in den Topf. „Bei mir kommen nur frische Sachen auf den Teller“, sagt der 25-Jährige. Er ist seit 1. September der neue Küchenchef im Altenpflegezentrum Wichernhaus. Für ihn steht fest: „Aufgewärmt wird hier nichts.“

Einen Koch und Konditor in einem Seniorenzentrum zu beschäftigen ist für Einrichtungsleiterin Anja Rittinghaus eine Besonderheit. „Früher hat man meist Heimköche eingestellt. Herr Hoth beherrscht beide Handwerke und ist heutzutage schon eher die Ausnahme.“ Der neue Mitarbeiter bringt frischen Wind in die Küche. „Das sogenannte Cook and Chill, was woanders gemacht wird, gibt es bei mir nicht“, sagt Hoth, der 2006 seine Lehre als Koch anfing und drei Jahre später zusätzlich das Konditorhandwerk erlernt hat. „Ich fand die Mischung sehr interessant. Die Pâtisserie hat mich schon immer gereizt. So bin ich nun doppelt einsetzbar.“ Nach seiner Ausbildung arbeitete der gebürtige Balver zunächst als Konditor in Arnsberg und anschließend auf Gut Hollmecke in Ihmert.

Nur Tüten aufreißen will er nicht. Er legt den Fokus auf frische Produkte. Fast täglich steht der Koch früh am Tag am Hinterausgang des Altenheims und wartet auf Lieferanten. „Jeden Freitag bekommen wir Fleisch vom Metzger. Und täglich bringt uns ein Bäcker frische Brötchen“, sagt Patrik Hoth. Dass er keine Fertigprodukte verarbeitet, ist für ihn „eine Frage der Berufsehre“. Auch geschmacklich merke man den Unterschied: „Die Qualität spricht für sich.“

Essen hat einen hohen Stellenwert

Dem kann Anja Rittinghaus nur zustimmen: „Das ist wichtig für unsere Bewohner. Für die ältere Generation hat das Essen noch einen höheren Stellenwert. Unsere Bewohner kennen noch die Zeiten, in denen fast jeder einen eigenen Nutzgarten hatte und deshalb vieles in der Küche selber gemacht wurde.“

Kasslerbraten und Gulasch aus hochwertigem Fleisch, Wirsingrouladen, Rotkohl und Sauerkraut – jeden Tag dampft und blubbert es aus den großen Töpfen und Pfannen in der Küche des Seniorenzentrums. Gerade jetzt in der Herbstzeit werden vor allem Kohlgerichte und Bohnensuppe nachgefragt. „Unsere Bewohner und der Heimrat haben Mitspracherecht, was die Gestaltung des Speiseplans angeht. Da stehen vor allem altbewährte Gerichte hoch im Kurs“, erklärt Patrik Hoth.

Am Wochenende wird frisch gebacken

Diese seien sehr beliebt, da sie Erinnerungen wecken, weiß Anja Rittinghaus: „Viele unserer Bewohner erzählen, dass sie solche Gerichte noch von Zuhause kennen.“ Da Patrik Hoth neben dem Koch- auch das Konditorhandwerk beherrscht, werde nun nach und nach auch das Angebot an Süßspeisen und Nachtischen aufgestockt: „Vor allem am Wochenende wird frisch gebacken. Demnächst wird es zum Beispiel Käsesahne- oder Mousse au Chocolat-Torten geben. Unter der Woche dann Blechkuchen, wie Donauwelle.“ Als „Fachmann“ stellt der Konditor die Böden und Füllungen dafür natürlich selber her. „Das schmeckt man dann auch.“ Auch in der Weihnachtszeit bleiben die Backöfen des Wichernhauses nicht kalt. Dann werde es Stollen und Plätzchen geben, so Patrik Hoth: „Über die Feiertage kann man hier seine Diät vergessen.“

Die Leiterin des Wichernhauses ist glücklich darüber, dass sie nun zusammen mit dem Koch und der neuen Küchenleiterin Bianca Fries neue Wege gehen kann. Mit der Gründung des Perthes Service, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft des Evangelischen Perthes-Werkes, habe man nun die Möglichkeit, das Angebot auch im Bereich Essen auf Rädern enorm auszuweiten und beispielsweise auch einen Mittagstisch anzubieten. „Die Resonanz auf unser Frischekonzept in unserem Haus, aber auch von außerhalb, ist sehr gut. Frische hat zwar natürlich auch ihren Preis. Sie dient aber auch dem Nutzen der Verbraucher. Gerade, wenn unsere Bewohner in ihrer letzten Lebensphase sind, können wir ihnen ihre Wunschgerichte kochen.“

Der Trend geht zurück zur Qualität

Eine eigene Küche anbieten zu können, biete viele Vorteile, da sind sich die Heimleiterin und der Koch einig. „Andere Einrichtungen im Umkreis können das nicht. Oft wird dort gleich für mehrere Häuser gekocht, dann ausgeliefert und vor Ort von Küchenhelfern nur noch aufgewärmt.“ Der Trend gehe aber gerade heutzutage wieder stark zurück zur Qualität.

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