Werdohler hebt Geld mit fremder Kreditkarte ab

(Symbolfoto)

Werdohl - Der Angeklagte (24) hatte Recht: „Eine blöde Situation ist keine Entschuldigung dafür.“ Wofür? Für den Diebstahl der Visa-Karte seiner Nachbarin und das anschließende Abfangen auch der Mitteilung über die dazugehörige Pin-Nummer.

„Die Post lag auf den Treppen“, erklärte der junge Werdohler im Amtsgericht Altena. „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat.“ Gelegenheit macht Diebe, und diese Gelegenheit dauerte immerhin zwei Monate vom 17. Juli bis zum 11. September, weil seine Nachbarin erst nach diesem Datum von einem längeren Aufenthalt in der Türkei zurückkam. Als Spontantat ging das Ganze schon deshalb nicht mehr durch, weil dieser Dieb immerhin zwei Monate Zeit zu moralischen und strafrechtlichen Überlegungen hätte nutzen können – über das Unrecht, das darin bestand, ein fremdes Konto durch 33 Abhebungen in Werdohl und andernorts zu plündern.

Beträge zwischen 70 und 1000 Euro hob der Angeklagte im Tatzeitraum ab, und der Schaden summierte sich schließlich auf 7770 Euro. Glücklicherweise ging er nicht zu Lasten der Kartenbesitzerin, sondern der Bank. „Die will das Geld wiederhaben“, berichtete der Angeklagte wenig überraschend. Die Nachbarin nutzte den Gerichtssaal um ihrer Empörung Luft zu machen: Nach ihrer Rückkehr aus der Türkei habe sie kein Geld gehabt, um das Allernötigste zu kaufen. „So ein Mensch gehört ins Gefängnis“, fällte sie ihr persönliches Urteil vorab.

Aufgeflogen war das Ganze, nachdem die Nachbarin zurückgekehrt und die Karte gesperrt worden war. Fünf weitere Male versuchte der Angeklagte vergeblich, noch mehr Geld abzuheben. Und so kam es, wie es kommen musste: Bekanntlich sind Geldautomaten mit Kameras ausgestattet. „Auf einigen Fotos ist der Angeklagte sehr deutlich zu erkennen“, erklärte Richter Dirk Reckschmidt.

33-facher besonders schwerer Computerbetrug plus fünf Versuche: Es war ein ziemlicher Brocken, der strafrechtlich gewürdigt werden musste. Für den Angeklagten sprachen sein umfassendes Geständnis und der Umstand, dass er noch nie mit dem Strafrecht in Konflikt gekommen war. Gegen ihn führte die Staatsanwältin die lange Dauer der Taten, die nicht unerhebliche Schadenssumme und die hohe kriminelle Energie ins Feld. Sechs Monate Haft beantragte sie als Einsatzstrafe für die höchste Abhebung von 1000 Euro. Die anderen Abhebungen schlugen jeweils mit vier oder bei den Versuchen mit drei Monaten zu Buche. In der (juristischen) Summe ergab das für die 38 Taten letztlich eine zur Bewährung ausgesetzte Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten. Richter Dirk Reckschmidt verordnete dem 24-Jährigen darüber hinaus 150 Sozialstunden als Bewährungsauflage. Das Urteil ist rechtskräftig.

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