Prozess gegen 30-jährigen Neuenrader

Zeugenbefragung im Drogenprozess gegen Neuenrader

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Symbolfoto.

Neuenrade - Mit zahlreichen Zeugenvernehmungen ging am Montag der Drogenprozess im Landgericht weiter. Auf sein Aussageverweigerungsrecht zog sich ein 30-jähriger Zeuge aus Meerbusch zurück.

 Unterstützt von seinem Anwalt wollte der mutmaßliche Verkäufer des Amphetamins keine Angaben zur Sache machen: „Es gibt ein Strafverfahren, aber noch keine Anklage.“ Die Strafprozessordnung, die vorsieht, dass kein Zeuge sich vor Gericht selber belasten muss, gab ihm darin Recht.

Es war ein relativ großes Team, das der Angeklagte für die Einkaufstour nach Meerbusch zusammengestellt hatte. Neben einem Kontaktmann aus Mülheim, der das eigentliche Geschäft in einem Haus in Meerbusch abwickeln sollte, hatte der 30-Jährige noch einen Fahrer engagiert, weil er keinen Führerschein hatte.

 Weil das Gericht recht hartnäckig der Frage nachgeht, ob der Neuenrader zuvor schon ähnliche Geschäfte getätigt hatte, ist das Navigationsgerät im Auto des Fahrers von besonderem Interesse. Denn als Ziel war der Vorname des mutmaßlichen Verkäufers und die Stadt Meerbusch angegeben. Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen verhehlte auch gestern nicht ihren Verdacht, dass die Fahrt am 31. Oktober nicht die erste ihrer Art war. Zur Untermauerung dieses Verdachts zog sie die Kurznachrichten heran, mit denen sich der Angeklagte und der Zeuge vor der Fahrt verständigt hatten. Er habe seinem alten Freund nur einen Gefallen tun wollen, versicherte der 34-Jährige und gab zu, dass er schon mal in Meerbusch gewesen sei.

Er habe aber nicht gewusst, worum es ging und wen der Angeklagte dort aufgesucht habe. Eine Erklärung, warum die Zielperson in Meerbusch mit Namen in seinem Navigationsgerät eingetragen war, hatte der Zeuge nicht. „Diese Person kenne ich nicht“, beteuerte er, nachdem ihn die Vorsitzende aufgefordert hatte, nicht zu lügen. Auch bei dem 34-Jährigen hatte die Polizei in jener Nacht eine Kleinwaffe gefunden. Auf einem Foto identifizierte der Zeuge seinen „damaligen Schlagring“.

Ein Polizeibeamter aus Essen erinnerte sich, dass der Zeuge auch nach der Festnahme in Mülheim-Styrum angegeben hatte, den Zweck der Fahrt nach Meerbusch nicht gekannt zu haben. Ein Kollege bestätigte, dass die vorläufig Festgenommenen sich bei ihrer vorläufigen Festnahme friedlich verhielten.

Dass der bereits für den ersten Verhandlungstag geladene, aber nicht erschienene 34-Jährige überhaupt aussagen konnte, verdankte er der Polizei: Die hatte ihn pünktlich zum Verhandlungstermin in Werdohl eingefangen und beim Landgericht abgeliefert. Da nützte auch die Versicherung des Zeugen nichts, dass er kein Geld für die Fahrt nach Hagen gehabt habe. Denn die Belehrung auf der gerichtlichen Ladung umfasst auch den Hinweis, dass man sich in solchen Fällen beim nächsten Amtsgericht einen Vorschuss auf die Reisekosten holen kann. Die Strafkammer war dennoch milde und verzichtete auf die in der Regel fälligen 150 Euro Ordnungsgeld. Nur die Kosten für den Polizeieinsatz müsse das Gericht leider in Rechnung stellen, erklärte die Vorsitzende.

Der Prozess wird am Dienstag, ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

Der Fall: Ein 30-jähriger Angeklagter aus Neuenrade muss sich vor der 4. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen wegen „unerlaubten bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln“ verantworten. Er hat zugegeben, dass er am 31. Oktober 2014 rund 440 Gramm Amphetamin in Meerbusch für den Neuenrader Markt gekauft hat. Amphetamine haben eine aufputschen und /oder halluzinogene Wirkung. Die Einnahme kann zu psychischer Abhängigkeit führen.

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