Windkraft auf dem Kohlberg: 60 Seiten Kritik, Anregungen, Stellungnahmen

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Symbolbild

Neuenrade - Die von der Stadt Neuenrade ausgewiesenen Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen auf dem Kohlberg ist Thema bei der Bauausschuss-Sitzung am 30. November.

 Dabei geht es um die vielen Anregungen und Bedenken, welche die Neuenrader Stadtverwaltung zur Kenntnis genommen und gegebenenfalls kommentiert hat. An dem grundsätzlichen Vorhaben auf dem Kohlberg ändert sich aber substanziell nichts.

Auf rund 60 Seiten addiert sich die Vorlage für diesen einen Tagesordnungspunkt. Angefangen beim SGV Evingsen über Mitglieder des jetzt neu gegründeten Vereins (Nachfolger von Rettet den Kohlberg), übergeordnete Behörden, Wasserwerke bis hin zur evangelischen Kirche – sie alle äußern sich. Dabei gibt es Stellungnahmen von Behörden, die keine Bedenken haben, Anregungen geben, die zuweilen von der Neuenrader Verwaltung berücksichtigt und in den Plan eingebaut werden.

Es gibt jede Menge Kritik, teils verbunden mit Klageandrohung. Viele Bedenken (Schall, Infraschall, Schattenwurf) ähneln sich naturgemäß – und die Neuenrader Verwaltung antwortet naturgemäß dann auch mit immer gleichen Textbausteinen.

Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass das Naherholungsgebiet beeinträchtigt werde, dass die Beeinträchtigungen aber gering sei und dass die Windenergieanlagen im öffentlichen Interesse lägen und diese Beeinträchtigungen aufwiegen würden. Auf Details in der Kritik geht die Verwaltung ein, sie verweist aber gern auf die nächste Runde, sprich das kommende Verfahren, wo die Standorte und Art der Windenergieanlagen (WEA) genau festgelegt würden und dort gehe es auch um Immissionen im Detail.

Manches war auch für die Verwaltung dann nicht für das Verfahren relevant. So haben sich Kritiker der Planungen häufig in aller Ausführlichkeit und sicher aus ihrer Sicht wohlbegründet geäußert und sich zu dem Verfahren auch gesellschaftspolitisch – Naturschutz versus Windenergieanlagen – positioniert. Doch darauf ging man seitens der Verwaltung eben nicht ein. Häufiger heißt es dann: „Die Stellungnahme wird zur Kenntnis genommen“.

Wo möglich, verweist man auf die Einhaltung von Richtwerten bei den Abständen (Kritik von Ihde, Kohlberghaus) oder interpretiert einen Wertverlust bei Immobilien als unabänderlich, da eine Planung sich immer auswirken würde. Hier sei es eine Sache der Abwägung privates / öffentliches Interesse. Es gibt auch Befürworter: So gibt es das Schreiben vom Evangelischen Kreiskirchenamt, das auf einen aktuellen Presbyteriumsbeschluss der Evangelischen Kirchengemeinde Neuenrade hinweist, nachdem generell kirchliche Grundstücke zur Realisierung von Windenergianlagen im Bereich der Kommunalagemeinde Neuenrade – entgeltlich – zur Verfügung zu stellen. Bei der Konzentrationsfläche möge man doch auch die kirchlichen Grundstücke mit einbeziehen und als potenzielle Konzentrationszone auszuweisen. Indes: Laut Verwaltung eigneten sich die kirchlichen Flächen wegen der Ausschusskriterien nicht.

 Auch ein weiterer Projektierer, der Interesse an den Affelner Flächen hat, gibt nicht auf, will weiter die dortigen Flächen als Vorrang-Zone haben. Doch auch hier verweist die Neuenrader Verwaltung unermüdlich auf Rotmilane, Drehfunkfeuer, und Kammlage als optisches Ausschlusskriterium hin.

Die Sache mit dem Einzugsbereich Springer Quelle scheint vom Tisch: Zumindest sieht man seitens der Stadtwerke Altena nur noch ein Restrisiko zur Eintrübung durch Baumaßnahmen und sieht es positiv, dass die Stadtwerke Altena das Verfahren begleiten dürften. Eine Unbekannte scheint auch die Archäologische Komponente zu sein. Innerhalb des Planbereiches gibt es zahlreiche archäologische Funde. Laserscanaufnahmen des Areals ließen vermuten, das dort noch mehr zu finden sei. Man mahnt daher eine Begehung an, sobald die Planungen konkreter würden.

Die Ausschussvorlagensind unter (www.neuenrade.de, dann Button RIS anklicken) einsehbar. (Weitere Berichte folgen).

Von Peter von der Beck

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