Willkommenspaket für 111 Asylbewerber

+
Hausmeister Reiner Grohs (links) ist täglich in den Asylbewerber-Unterbringungen im Einsatz. Sozialamtsmitarbeiter Kurt Maurer (Mitte) und Bürgermeister Antonius Wiesemann schauen sich den Fortschritt an. Die kleine Familie aus Albanien ist in einer der acht Wohnungen an der Eichendorff-Straße untergebracht.

Neuenrade - Bürgermeister Antonius Wiesemann und Sozialamtsmitarbeiter Kurt Maurer sind stolz auf das, was viele städtische Mitarbeiter und Ehrenamtler in Neuenrade für Flüchtlinge leisten. Umso mehr ärgern sie sich über eine Kritik von Sylvia Olbrich, Grünen-Sprecherin des Kreisverbandes.

„Wir wollen einmal darstellen, was in Neuenrade alles geleistet wird“ – Bürgermeister Antonius Wiesemann zeigt auf, was städtische Mitarbeiter und Ehrenamtler für die 111 Asylbewerber in Neuenrade tun. Daher sind er und Sozialamtsmitarbeiter Kurt Maurer, zuständig für die Asylbewerber, sauer über den kürzlichen Besuch und die Kritik von Sylvia Olbrich. Die Grünen-Sprecherin des Kreisverbandes Mark bemängelte etwa die Freundlichkeit der Mitarbeiter oder Hygienestandards in den Unterbringungen.

„Wenn Neuankömmlinge verschiedener Regionen und Kulturen in kürzester Zeit gemeinsam untergebracht werden, kann es schon mal den einen oder anderen baulichen oder hygienischen Mangel geben“, erklärte Bürgermeister Antonius Wiesemann.

"Diese Frau soll sich besser direkt an der Arbeit beteiligen"

Dabei gehe es doch um die Hilfestellung an sich, denn immerhin mache Neuenrade bereits eine Menge. Über die Kritik von Sylvia Olbrich ist er sauer. Er fordert: „Diese Frau sollte sich besser direkt an der Arbeit beteiligen, vor Ort den Flüchtlingen helfen und die Städte bei ihrer Arbeit unterstützen.“ Sogar die Neuenrader Grünen und FDP distanzieren sich von den Aussagen Olbrichs und entschuldigen sich laut Wiesemann für das Auftreten der Sprecherin.

Rund 342 Euro bekommt jeder Asylbewerber monatlich zur freien Verfügung. Die Stadt zahlt zusätzlich die Unterbringung, also Miete und Nebenkosten, sie trägt die Kosten des Asylverfahrens, übernimmt die ärztliche Versorgung und gegebenenfalls Krankenhauskosten.

Das Jahresbudget von rund 566 000 Euro ist jedoch bereits fast aufgebraucht – nach rund sieben Monaten. „Aus dem Stadthaushalt wird der Rest gezahlt“, sagt der Bürgermeister. Das sei eine Belastung. Denn was genau auf sie zukommt, wissen Maurer und Wiesemann nicht. Die Quote, wie viele Bewerber die Kommunen aufnehmen müssen, errechnet sich jeden Tag neu. Es komme darauf an, wie viele von ihnen täglich neu nach Nordrhein-Westfalen kommen.

Ablauf nach der Ankunft

Sobald ein Asylbewerber eintrifft, nimmt Kurt Maurer die Zuweisung der ersten Anlaufstelle und die Aufenthaltsgenehmigung entgegen. Dann wird der Bewerber in eines der Übergangsheime gebracht. Im nächsten Schritt nehmen die Ehrenamtler Kontakt mit der Person auf.

Es gibt eine Willkommenstasche mit Regenschirm, Taschenlampe, Notizblöcken, Duschgel und anderen Utensilien, die der Asylbewerber am Anfang brauchen könnte. Zudem werde geschaut, wie man sich am besten verständigen könne. „Wir animieren die Bewerber, an einem Deutschkurs teilzunehmen“, sagt Maurer.

Wiesemann und Maurer sind stolz auf die geleistete Arbeit der rund 30 Ehrenamtler. Vor allem die arabische Sprachbarriere werde durch die Übersetzungen von Cedar Khoury überwunden.

2015: Flüchtlingsstatus für elf Asylbewerber

Bis ein Asylantrag abgelehnt oder genehmigt wird, können mehrere Monate vergehen. Bei Syrern dauert es laut Maurer jedoch höchstens zwei Monate. Dann wisse man, ob der Asylbewerber den Flüchtlingsstatus erhält. Er bekommt dann Hartz-IV und muss sich selbst um eine Wohnung kümmern. Die Stadt ist nicht mehr zuständig. Im Jahr 2015 sind bislang elf Asylbewerberanträge genehmigt worden. 2014 waren es laut Maurer insgesamt zehn Personen, die den Flüchtlingsstatus erhielten.

Auch in diesem Bad ist noch Einiges zu tun. Die meisten Zimmer der Unterbringung an der Eichendorffstraße gleichen noch einer Baustelle. In ein paar Wochen sind die Wohnungen jedoch bezugsfertig.

111 Asylbewerber sind derzeit in Neuenrade untergebracht, vier davon kamen am Mittwochnachmittag frisch von der Erstaufnahmestelle in die Hönnestadt. Vor einem Jahr waren es rund 30. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Eritrea oder den Balkanstaaten. 49 Personen sind in privaten Wohnungen untergebracht, 62 leben in den fast ausgelasteten Übergangsheimen. Am Brunnenbach wohnen überwiegend alleinstehende Männer, die meisten im Alter von 20 bis 40 Jahren. Familien und alleinstehende Frauen hingegen sind meist in einer der acht Wohnungen an der Eichendorff-Straße untergebracht. Dort wird derzeit fleißig renoviert. Hausmeister Reiner Grohs ist täglich mit etlichen Handwerkern im Einsatz. Einige Wohnungen sollen in Kürze bezugsfertig sein. Andere hingegen gleichen noch immer einer Baustelle.

Auch einige der Asylbewerber helfen im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs beim Renovieren. Sie erledigen nicht nur normale Putzarbeiten. Eine junge Frau hilft dem Hausmeister bei seinen Arbeiten an der Hauptschule.

Zudem unterstützen rund fünf Asylbewerber laut Wiesemann den Bauhof bei ihren Arbeiten. „Die, die wirklich helfen wollen, fragen von sich aus, wo sie etwas tun können. Bei denen klappt das gut, sie sind pünktlich“, so Maurer weiter.

Auch das wollen er und Wiesemann richtigstellen. Viele Menschen wissen nicht, was einige der Asylbewerber leisten. „Und diese Unkenntnis wird nicht hinterfragt. Stattdessen wird oft etwas falsch interpretiert“, bemängelt Wiesemann und verweist auf eine Diskussion bei Facebook.

Dabei ging es um einen Asylbewerber, der – mit Einkaufstüten bepackt – sich ein Taxi nach Hause leistete. Was die Facebook-Kritiker laut Wiesemann allerdings nicht wussten oder hinterfragten: Der Asylbewerber ist Dialysepatient und könne den Weg vom Supermarkt nach Hause nicht zu Fuß bewältigen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare