Weitgehend blühender Mittelstand in Neuenrade

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Kai hagen und Ralf Neumann

Neuenrade - Die Mitarbeiter der Vereinigten Sparkasse sind nah dran – kein Zweifel. Kaum einer, der in Gelddingen nicht mit ihnen zu tun hat.

Auch etliche Unternehmen kommen nicht an der Sparkasse vorbei. So haben die Experten der Vereinigten Sparkasse eine gute Datengrundlage, um die Wirtschaftskraft in ihrer Region zu beurteilen.

Umsätze, Bilanzen, Jahresabschlüsse, Zahlungsverhalten. Es ist schon ein Datenschatz. So präsentiert die Finanzgruppe „Deutscher Sparkassen und Giroverband“ die Diagnose Mittelstand 2016. Datenbasis sind rund 250 000 Jahresabschlüsse der Unternehmen für das Jahr 2014, die anonymisiert in die Analyse eingeflossen seien, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Kai Hagen jetzt in einem Gespräch in der Neuenrader Dependance.

Und das Ergebnis der Diagnose lautet: Die Finanzierungsverhältnisse im deutschen Mittelstand sind so günstig wie nie zuvor aber dennoch bleiben die Investitionen der mittelständischen Unternehmen weiterhin deutlich hinter den Werten früherer Jahre zurück. Nicht immer nachvollziehbar für einen Banker angesichts der tollen Eigenkapitalquote deutscher Mittelständler, welche die Sparkassenexperten errechnet haben.

Die Eigenkapitalquote ist ein wichtiger Indikator für die Unabhängigkeit oder Abhängigkeit eines Unternehmens von Gläubigern. Eine gute Eigenkapitalquote gibt Vertrauen, und wer genug im Rücken hat, kann als Unternehmen schnell auf plötzlichen Kapitalbedarf reagieren – ein Vorteil im Wettbewerb. Der deutsche Mittelstand hat demnach eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 25,5 Prozent. Eine Quote, die für Kai Hagen „Ausdruck finanzieller Stärke“ ist, einem historischen Höchststand gleichkomme und man erwarte, so Hagen, dass die Quote gar noch weiter steige. Die deutschen Mittelständer seien höchst liquide und manch einer komme – leider – ohne Kredit aus. Höchst stabile Verhältnisse also.

Und es ist offensichtlich: Etliche Unternehmen nutzen die Situation und geben das erwirtschaftete Geld für ihre Unternehmen aus. Wer offenen Auges durch die Industriegebiete fährt, sieht, dass das Geld eingesetzt wird. Doch auch die Mitarbeiter der Mittelständler scheinen zu profitieren. Auch wegen der günstigen Zinssätze, aber auch weils eben gut läuft, wird in Neuenrade viel gebaut. Weit über 50 Prozent der Finanzierungen, da ist sich Kai Hagen sicher, laufen hier über die Sparkasse. Neuenrade ist jedenfalls ein gutes Pflaster für die Vereinigte Sparkasse, das freut den Teamleiter Firmenkunden, Ralf Neumann (für Neuenrade und Altena zuständig), der sich seit vier Jahren intensiv um den lokalen Markt kümmert und angesichts des Investitionsbedarfes manchen Neuenraders mit Hagen Rücksprache hält. Hagen: „Ich kann gar nicht sagen, wie oft wir miteinander telefonieren.“

Umfrage der Metall- und Elektroindustrie

 Aber es läuft demnach nicht nur in Neuenrade. Hagen sagt nicht ohne Stolz: „Entgegen dem bundesweiten Trend, eher zurückhaltend zu investieren, freue man sich bei der Sparkasse, dass eben in ihrem Beritt die Kreditnachfrage überproportional groß ist – und damit auch die Region prosperiere. Doch da gibt es eben noch das Stimmungsbarometer der Metall- und Elektroindustrie. Deren Repräsentant, Horst-Werner Maier-Hunke hatte unlängst verkündet, dass es dieser Branche nicht schlecht gehe, aber eben auch nicht so richtig gut. Und dass sich die Unternehmerschaft des Verbandes für die nächste Zeit eher zurückhalten wolle mit Investitionen. Immerhin: 81 Prozent der Mitgliedsbegriebe bezeichnen die Ertragslage als gut oder befriedigend, ein Wert wie in den Vorjahren.

Kai Hagen und Ralf Neumann haben die Äußerungen zur Kenntnis genommen. Sie sind auch häufig in der Kundschaft und hören von gut gefüllten Auftragsbüchern. Und Neumann bemerkte augenzwinkernd: „Wenn hier im Sauerland ein Unternehmer sagt ‘es geht so’, dann ist das doch ein sehr großes Lob für die Situation“. Und die Situation ist demnach, dass es bestens läuft – auf einem sehr hohen Niveau. Und Neuenrade?: Hier werden schon ein paar Dinge angepackt für 2016, freut sich Kai Hagen. Die Hönnestadt habe einen guten Standortvorteil und profitiere von der zur Verfügung stehenden Erweiterungsfläche. „Da ist Neuenrade sehr gut aufgestellt.“ Und auch in Werdohl läuft es demnach sehr gut. Werdohl habe sehr starke Firmen und die Entwicklung dort ist positiv.

Innerhalb einer Woche Termin beim Vorstand

 

Immer wieder betonen Hagen und Neumann die Nähe zu den Kunden und diesen gewaltigen Vorteil zur Konkurrenz der großen Banken. Bei der Sparkasse bekomme man innerhalb einer Woche einen Termin beim Vorstand. Und wenn es um wichtige, schnelle Entscheidungen gebe, dann sei man nicht auf eine Telefonnummer in Frankfurt angewiesen. Und bei der Höhe der Kredite, die man vergeben könne, da müsse sich die Vereinigte Sparkasse nicht verstecken.

 Zudem könne man die Unternehmen (wieder sind hier viele Neuenrader dabei) gut bei den Auslandsgeschäften unterstützen. Neumann: „Wir haben keine Angst vor einer Kurssicherung in Renmimbi (chinesiche Währung).“ Und auch bei der Vermittlung von Fördermöglichkeiten sei man flexibel. „Wir packen unsere Kunden schnell ins Auto und fahren zur Bürgschaftsbank.“

Auch Gastronomie gut aufgestellt

Kai Hagen und Neumann gaben auf Nachfrage eine Kurz-Analyse zur Performance der einzelner Branchen in Neuenrade bekannt. Zur Industrie muss man hier nicht mehr viel sagen – top... Und das Handwerk in Neuenrade („und in Werdohl!“) das habe gerade hier einen goldenen Boden. Hinzu komme da noch das Konjunkturprogramm für das niemand etwas könne: Niedrige Zinsen und preiswertes Benzin. Und sogar die Gastronomie sei gut aufgestellt in Neuenrade – und zwar besser als in Plettenberg, das zweieinhalb mal so groß wie Neuenrade sei, sagte Vorstand Kai Hagen. Zudem zeichne sich die Gastronomie hier durch eine hohe Kontinuität aus, ergänzte Teamleiter Ralf Neumann.

 Und der Einzelhandel? Das ist ein schwieriges Thema. Kai Hagen wird hier global und verweist allgemein auf die Situation in Deutschland. Hier gebe es Prognosen, dass der „kleine Einzelhandel“ innerhalb der nächsten zehn Jahre um 20 Prozent schrumpfe. Bleibt unter dem Strich ein enormes Vertrauen der Sparkassenexperten in die mittelständische Industrie. Auch vor dem Hintergrund einer sich angeblich abkühlenden Weltwirtschaft...

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