Weitere Verhandlung wegen Überfalls auf einen Getränkemarkt

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Neuenrade - Wegen des Überfalls eines Getränkemarkts werden zwei 22-Jährige und ein 20-Jähriger, aus Hagen und Hemer, angeklagt. Dabei sollen sie 400 Euro erbeutet und den Kassierer bedroht haben. Die Verhandlung wurde nun weiter geführt.

Nach den Tätern kam im Landgericht das Opfer (30) zu Wort: Eine Woche nach dem Überfall auf den Getränkemarkt machte seine Freundin Druck, er bewarb sich trotz des traumatisierenden Erlebnisses um eine Stelle in Düsseldorf und „hatte Glück“. Die Erinnerung an den Überfall in Neuenrade hatte er trotz der großen Veränderungen mitgenommen. Sie begleitet den Überfallenen noch immer: „Das klingt noch nach – vor allem in Situationen im Dunkeln oder wenn mir Personengruppen entgegenkommen. Da kommt immer noch ein leichter Fluchtreflex hoch.“

Im Landgericht schilderte der Zeuge noch einmal detailliert den Ablauf des Überfalls: Den Mann mit einer Wasserflasche in der Hand, der seinem Mittäter signalisierte: „Keine Kunden mehr!“ Der Komplize betrat den Markt kurz vor 22 Uhr „mit einer Pistole, die auf mich gerichtet war“. Das Opfer übergab die Kassenschublade, doch dem Bewaffneten reichte das Geld nicht. Zum Problem wurde offenbar die Zeit, die das Opfer brauchte, um sich erneut im Kassensystem anzumelden und zu zeigen, dass mehr nicht zu holen war. „Er hat angefangen, von Zehn runter zu zählen.“ Bei Sieben oder Sechs habe er gedroht zu schießen, bei Drei schließlich habe er versucht, ihn mit der Pistole zu schlagen, erinnerte sich der Zeuge. „Ich bin sehr glücklich ausgewichen, sonst hätte er mich voll am Kopf getroffen.“

Strafverteidiger Ralph Giebeler fragte noch einmal nach: So habe er das in den Akten bisher nicht gelesen. Der Zeuge zählte auf, bei welchen Gelegenheiten er dieses Detail bereits berichtet hatte und bestätigte noch einmal: „Das war ein ganz klarer Versuch, mich zu schlagen.“ Vom Fahrer des Trios bis zum bewaffneten Räuber entschuldigten sich alle drei Angeklagten beim Opfer. Doch der 30-Jährige schien verständlicherweise nicht in der Verfassung zu sein, versöhnliche Gesten zu wechseln und verließ zügig den Gerichtssaal. Der zuständige Raubsachbearbeiter aus Lüdenscheid berichtete von den Ermittlungen, die schließlich zur Identifizierung der Täter geführt hatten – von der Identifizierung ihrer Kleidung über den Abgleich ihrer Handykontakte in der Tatnacht bis zur Hausdurchsuchung, bei der die Schreckschusspistole, eine schwarze Sturmhaube mit drei Löchern, Handschuhe und ein Baseballschläger sichergestellt wurden.

Der Beamte bestätigte, dass Ermittlungen gegen den Onkel eines der Angeklagten eingeleitet wurden. Er wird verdächtigt, der eigentliche Ideengeber und Anstifter zu dem Überfall gewesen zu sein. „Wir haben ihn geladen, aber er ist nicht gekommen.“ Sein Verfahren ruhe derzeit wegen des laufenden Strafverfahrens, werde aber möglicherweise wieder aufgenommen, erklärte Staatsanwältin Sandra Ley.

Plädoyers und Urteil sollen am 30. März folgen.

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