Walter Cordes geht nach fast 50 Jahren in den Ruhestand

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Walter Cordes ist seit 1967 für die Stadtverwaltung in Neuenrade tätig. Nun steht er kurz vor seinem Ruhestand.

Neuenrade - „Das machste nie“, hat Walter Cordes sich gedacht, als er im jungen Alter gegenüber eines „kapitalistischen Unternehmers der Extraklasse“ gewohnt hatte. Der heute 65-Jährige ist als stellvertretender Amtsleiter in der Bauverwaltung Neuenrade tätig und steht nun kurz vor seinem Ruhestand.

„In fast genau einem Monat ist es so weit“, sagt er, mit dem Blick auf seinen Wandkalender gerichtet. Sein Nachfolger, Richard Schwartpaul, sitzt Cordes bereits am Schreibtisch gegenüber und wird für seinen Start im März angelernt. Walter Cordes ist schon als Kind klar gewesen, dass er eine andere berufliche Richtung einschlagen wolle als sein wohl eher materiell-orientierter Nachbar.

„Mich hat es dann in den öffentlichen Sektor gezogen. Warum sie mich damals auch wirklich ausgesucht haben, weiß ich heute aber auch nicht mehr.“ In seinem Büro stapeln sich die Papiere auf dem Schreibtisch und die Regale stehen voll mit Ordnern – „Wenn man so lange dabei ist wie ich“, sagte Cordes, den Blick auf die vielen Ordner gerichtet, „und so alte Akten sieht, stellt man mit der Zeit fest, dass es viele Verhandlungspartner schon gar nicht mehr gibt.“

An den Bürowänden hängen außerdem reichlich Postkarten und Fotos. Bilder aus vergangenen Urlauben und anderen Begebenheiten, wie Cordes erzählte. Denn die Fotografie ist schon seit seiner Jugend seine Leidenschaft. Neben Reisen und Schach, betont er. „Am liebsten würde ich überall dahin, wo ich noch nicht war. Mir fehlen aber noch so 150 Staaten“, stellt Cordes mit einem Grinsen fest. „Ich habe mal mit einem Kumpel eine Tour durch Libyen gemacht. Das war 1976. Da sind wir ohne rechte Seitenscheibe gefahren, weil ein Lkw unseren Manta dort zerdeppert hat.“

So eine Reise würde der seit 38 Jahren verheiratete Vater von zwei Kindern heute aber auch nicht mehr machen. „Vor kurzem habe ich von den Beatles das Lied ‘When I´m Sixty-Four‘ gehört. Da gibt es eine Zeile, da heißt es: ‘grandchildren on my knee.‘ Da dachte ich: Wow, das letzte Mal hast du das Lied gehört, da warst du noch in der Schule. Und jetzt hast du eine Enkeltochter und es ist bei dir auch so“, erzählt Cordes und lacht dabei sehr erfreut.

1967 hat er nach Abschluss seiner mittleren Reife seine Ausbildung bei der Stadtverwaltung begonnen und dabei fast alle Stationen durchlaufen. Vom Sozialamt sei es über das Hauptamt gegangen und 1975 landete er letztlich beim Bauamt. Zuerst habe er die Stelle dort gar nicht gewollt. „Ein Angestellter wurde entlassen und ich musste mich dann immer einen halben Tag um die Position kümmern.“ Letztlich habe dann der Stadtdirektor entschieden. „Er dachte sich wohl damals, dass ich mich ja nun eh schon hier auskennen würde.“ Nach dieser Entscheidung blieb Cordes bis heute auf der Position.

„Jetzt kann ich sagen, dass es hier schon interessanter war. Aber es ist auch nicht alles Zuckerschlecken.“ Manchmal sei es wegen der Kollegen und manchmal wegen der Situation, ergänzte Cordes schmunzelnd. Schwierige sowie lustige Situationen habe er in seiner Zeit im Bauamt reichlich erlebt. Oft ging es um Ärger mit Anwohnern, neue Beschlüsse oder Denkmäler. „Ich war schon sehr oft vor Gericht. Das ist unschön und oft schwierig, vor allem wegen des Aufwands, aber es ist eben so.“

Es habe aber auch schon recht amüsante Fälle gegeben. In einem sei es dabei um ein Bodendenkmal gegangen, das unter Schutz gestellt werden sollte. Der Eigentümer wollte dies verhindern und habe behauptet, dass es sich um gar kein historisches Stück handle. „Wir mussten dann zum Verwaltungsgericht. Und als ich da im Flur saß und auf die Verhandlung wartete, sah ich ein paar Karten an der Wand hängen.“ Auf einer der historischen Wandkarten sei deutlich ein Bild des Denkmals zu sehen gewesen. „Wir haben die Sitzung dann später spontan in den Flur verlegt. Und ich hatte einen neutralen Zeugen“, erzählt Cordes belustigt.

Dass er nun in den Ruhestand geht, mache ihn aber trotz der langen Zeit nicht traurig. Der Kontakt zu den Leuten wird wohl fehlen, bemerkt er mit einem kurzen Blick herab auf seinen Schreibtisch. „Aber dem kann man ja entgegen steuern! Was man hier zu viel hatte, hat man dann zu wenig.“ Zur Not könne er seinem alten Arbeitsplatz ja auch einen Besuch abstatten: „Und kontrollieren, was hier so abläuft“, ruft er seinem Nachfolger mit erhobener Stimme und einem nachfolgenden, lauten Lachen entgegen. Konkrete Pläne für seinen Ruhestand hat Cordes jedenfalls noch keine gemacht. „Vielleicht etwas reisen“, meint er und lehnt sich lächelnd zurück.

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