Waldwanderung mit Ranger Christoph Nolte

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Trotz des Regens wollten die Wanderteilnehmer alles über die heimische Tier- und Pflanzenwelt erfahren.

Neuenrade - Es regnet und riecht nach nassem Moos und Tannennadeln. Um Christoph Nolte und seinen einjährigen irischen Terrier Lenny scharen sich vier Zuhörer, Teilnehmer der Führung durch den Wald. Denn Nolte ist Ranger des Landesbetriebs Wald und Holz NRW und führt die Naturinteressierten durch die Wälder des Sauerland-Höhenfluges.

Die Umweltbildung gehöre ebenso zu Noltes Aufgaben wie Kontrollen im Wald. Des Weiteren achte er darauf, dass Forstgesetze eingehalten würden, erklärt der Ranger, bevor es losgeht. Gerade zeigt er das Blatt des Huflattichs, welches im Mittelalter als Toilettenpapier Verwendung gefunden habe und dafür nach wie vor geeignet sei. Außerdem macht Nolte auf den Breitwegerich aufmerksam. Aus Blättern dieser Pflanze könne man mit Speichel oder Wasser einen Brei herstellen, der Insektenstiche lindert. Praktisch sei dies, wenn man keine Creme gegen Stiche dabei habe.

Überhaupt scheint der Ranger all das, was am Wegesrand wuchert, genauestens zu kennen. Königskerze hier, Wasserdost da – zu jedem Kraut weiß Nolte etwas zu sagen. So erklärt er seinen Regen trotzenden Begleitern, dass der Reißverschluss nach dem Vorbild des Kletten-Labkrautes entstanden sei, dessen Früchte geröstet als Kaffeeersatz benutzt wurden und Pestwurz ihren Namensursprung aus dem Mittelalter habe, weil man versuchte, mit dieser Pflanze den „Schwarzen Tod“ zu bekämpfen.

Der Name des am Wegesrand wachsenden Mädesüß stamme dagegen von der Verwendung als Beigabe im Met. Praktischerweise enthalte die Pflanze den gleichen Wirkstoff wie Aspirin und habe somit auch vor Kopfschmerzen durch übermäßigen Genuss geschützt. Der Ranger macht jedoch deutlich, dass man genau wissen müsse, welche Pflanze man vor sich habe – Pflanzengifte seien schließlich überaus gefährlich. Ein paar Meter weiter deutet der Ranger auf eine von Buchen bewachsene Fläche. „Hier kann man super Steinpilze sammeln“, erklärt er. „Merken Sie sich das, solche Tipps gebe ich nur selten“, fügt er hinzu und schmunzelt.

Ranger Christoph Nolte präsentierte das Blatt der Pestwurz, welches man auch gut als Regenhut nutzen könne.

Dann lässt Nolte es sich nicht nehmen, die Namensherkunft des Fliegenpilzes zu erklären. Dieser habe seinen Namen nicht, wie die Jüngste der Tourteilnehmer vermutet, von Fliegen, die besonders gerne auf dem Pilz sitzen. Vielmehr, so beschreibt der Ranger, habe man den Fliegenpilz früher in Milch eingelegt, die man in kleinen Gläsern in der Wohnung verteilte. Wenn die Fliegen nun von der Milch tranken, wären sie aufgrund des Giftes darin gestorben. „Der Insektenschutz des Mittelalters“, betont Nolte.

Abschließend verdeutlicht der Ranger, dass man bei der Bestimmung von gesammelten Pilzen nicht auf Zeichnungen aus Büchern vertrauen sollte, da sich die Genießbarkeit eines Pilzes auch nach seinem Wachstumsstadium bestimme. „Zum Glück sind nur einige wenige Pilze in der Gegend tödlich“, meint Nolte. Doch nicht nur auf dem Gebiet der Pflanzen und Pilze beweist der Ranger Fachkenntnis, auch mit der Tierwelt kennt er sich aus. Denn wer hätte gewusst, dass sich Vögel mit ausgebreiteten Flügeln auf Ameisenhaufen setzen und sich mit Säure bespritzen lassen, um lästige Milben loszuwerden? Oder dass der Specht hinter seinem Schnabel ein Gelenk besitzt, welches als Stoßdämpfer fungiert?

 „Es hat Spaß gemacht – trotz des Wetters“, stellt Nolte fest, nachdem die kleine Gruppe nach zweistündiger Wanderung durch den „Sauerländer Sommer“ und jeder Menge Information aus Flora und Fauna den Wanderparkplatz Borke erreicht hat. Die Teilnehmer stimmten dem Ranger zu. Denn sie wissen jetzt, dass am Wegesrand mitnichten nur Unkraut wächst, sondern auch Heilkräuter und Kaffeeersatz.

Von Julian Kühn

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