Vorweihnachtlich-musikalischer Stress beim Musikverein

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Die Bläser des Musikvereins bei einem ihrer Auftritte.

Neuenrade - Seit 1891 ist der Musikverein Neuenrade im Städtchen im wahrsten Sinne des Wortes für den guten Ton zuständig. Es gibt kein Volksfest, keine größere Veranstaltung und kein rundes Vereinsfest, an dem die Musiker nicht mit dabei sind. Auch die Adventszeit bildet da keine Ausnahme, der Terminkalender ist fast rappelvoll. Für die Aktiven ist das mit einer besonderen Herausforderung verbunden, steht doch das mittlerweile 47. „Weihnachtsblasen“ auf dem Programm.

Regelmäßig am letzten Samstag vor dem Weihnachtsfest sind die Musiker in Aktion, eilen mit ihren Instrumenten fast von einem Vorspiel-Ort zum nächsten. „Weihnachtsblasen“ haben sie diese anstrengende Aktion genannt. Dann besuchen sie Ehrenmitglieder des Musikvereins, Freunde oder Sponsoren, die mit viel Wohlwollen im Laufe des Jahres die ein oder andere instrumentale Anschaffung ermöglichten. Friedhelm Schulte, routinierter Trompeter und Ausbilder, erinnert sich, dass „wir erstmals 1968 das Weihnachtsblasen durchgeführt haben.“

Die vorweihnachtliche Musik-Aktion hat inzwischen ihren festen Platz im Terminkalender gefunden. Wenn die Musiker über ihr Weihnachtsblasen sprechen, dann huscht vielfach ein Lächeln über ihr Gesicht, weil die kurzen Auftritte teilweise recht unterhaltsam geprägt waren. „Bei einem Auftritt, dem wir einem unserer Gönner gewidmet hatten, hat es draußen geregnet und Petrus muss wohl alle Schleusen geöffnet haben“ berichtet Musiker-Sprecher Schulte. Das schlechte Wetter hatte zur Folge, dass die Musiker kurzfristig im Wohnzimmer ihres Gönners standen, um dort zu musizieren.

Wilhelm Dickehage versorgt hier bei einem Auftritt die Musiker mit Glühwein.

Das „Weihnachtsblasen bei jedem Wetter“ stellte die Musiker aber auch vor unüberwindbare Herausforderungen. Friedhelm Schulte erinnert sich wieder: „Wir haben auch schon mal bei Eis und Schnee gespielt und es war so kalt, dass die Ventile der Trompeten und der Tuba zugefroren waren und erst wieder aufgetaut werden mussten!“ Zum Auftauen kamen sie damals in ihrem langjährigen Vereinsgasthof „Zur Post“ zusammen. Und es konnte sogar passieren, dass das Weihnachtsblasen im Partykeller eines Vereinsmitglieds endete, um dort eine „Potthucke“ vorzeitig zu verspeisen.

Heute haben die Musiker in ihrem langjährigen Vereinswirt und Ehrenmitglied Wilhelm Dickehage einen treuen Fan. Wird es zu kalt, dann zeigt der Gastronom a.D., dass er nach wie vor Glühweinbecher ohne Verlust zu den Akteuren bringen kann.

Auch in diesem Jahr werden sie am letzten Samstag (19. Dezember) vor dem Weihnachtsfest adventliche Musik spielen, Freunde und Gönner erfreuen, werden im Evangelischen Altenzentrum ebenso vorbeischauen wie bei der Altstadtgemeinschaft oder der Seniorenwohnanlage im Mühlendorf. Das Weihnachtsblasen ist bei den Neuenradern beliebt, vielfach werden Nachbarn und Bekannte eingeladen. Für den Musikverein ist das auch die Chance, darauf hinzuweisen, dass er im kommenden Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiern kann. Natürlich auch mit Weihnachtsblasen.

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