Vortrag: "Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern"

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Die Mütter informierten sich über das Thema „Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern“

Neuenrade - "Wo fängt Missbrauch eigentlich an?" - diese und andere Fragen versuchten Sozialarbeiterinnen und Mütter bei einem Präventionsvortrag an der Burggrundschule zum Thema "sexueller Missbrauch an Kindern" zu erörtern.

14 Mütter waren am Dienstagabend in die Burggrundschule gekommen – dort gab es einen Vortrag zum Thema „Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern“. Die Mütter hatten viele Fragen an die Schulsozialarbeiterin Kristin Scholl und Sigrid Dringenberg von der Caritas. Rund zwei Stunden lang diskutierten die Eltern mit den Expertinnen. Im Anschluss wird Schulsozialarbeiterin Scholl nun noch ein Präventionsprojekt in den dritten Klassen durchführen.

Scholl erläuterte: „Dabei geht es darum, den Kindern zu erklären, wie sie sich abgrenzen können, wie sie auf ihre Gefühle hören, dass sie ihrer Intuition vertrauen sollen und wie sie ‘Nein’ sagen.“ Doch zunächst wandte sich die Sozialarbeiterin an die Mütter: „Wir erörtern heute ein Thema, welches gesellschaftlich leider noch nicht so etabliert ist, um darüber zu sprechen.“ Anders die Anwesenden, eine Mutter legte gleich los: „Man denkt ja immer: ‘Mein Kind wird schon kommen und mir sagen, wenn so etwas passiert’. Aber wie stärke ich mein Kind, dass es das hinterher wirklich tut?“

 Damit hatte dieses Elternteil den Kern des Problems erkannt. Dringenberg bestätigte nämlich: „Gut erzogene, höfliche Kinder haben gelernt, alles zu tun, was Erwachsene ihnen sagen.“ Wenn ein solches Kind vom Täter höre, es müsse beim Missbrauch mitmachen und dürfe niemandem davon erzählen, sei es unter Umständen schwierig eine Tat aufzudecken. Also wollten die Mütter im Klassenzimmer wissen, auf welche Signale ihrer Kinder sie achten müssen. Wann müssten sie hellhörig werden? Doch die Antwort auf diese Fragen sei alles andere als einfach, erklärte Scholl.

Das Verhalten der Kinder ändere sich. Es könne aber zum Beispiel durchaus sein, dass die Noten des missbrauchten Kindes nicht schlechter, sondern schlagartig deutlich besser würden. Eine weitere Mutter wollte wissen: „Und wie gehe ich – wenn es passiert ist – dann hinterher mit meinem Kind um?“ Auch diesbezüglich gebe es kein Lehrbuch, nach dem betroffene Eltern vorgehen können. Das Kind sei dann traumatisiert. Nicht alle reagierten in solch einem Moment gleich. Dringenberg hatte für die Eltern eine Liste mit Hilfs-Kontakten zusammengestellt.

Scholl berichtete: „Statistisch gesehen ist in jeder Schulklasse ein Kind betroffen.“ Dabei gebe es sowohl bei den Tätern als auch bei den Opfern keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Aber wo fange Missbrauch eigentlich an? Die Schulsozialarbeiterin erläuterte: „Wenn Kinder Dinge tun sollen, die sie nicht verstehen und nicht verarbeiten können.“ Sie müssten also gar nicht unsittlich berührt werden, „denn dazu gehört schon, wenn ein Kind mit einem Erwachsenen Porno-Filme anschauen muss.“ Deutlich machte Scholl hingegen: „Väter, die mit ihren Töchtern baden, sind völlig unbedenklich.“ Dringenberg warf ein: „Es sei denn, diese Töchter sind schon etwas größer.“

Aus Missbrauch werde Misshandlung, wenn der Aspekt der Gewalt hinzu käme. Diese allerdings müsse nicht körperlicher Art sein. Auch Machtmissbrauch durch psychische Gewalt gehöre dazu und sei weit verbreitet. Schulsozialarbeiterin Scholl sensibilisierte die Mütter im Raum, ihre Kinder etwa nicht zu zwingen, der Tante einen Kuss zu geben und ihren Töchtern auch nie etwas zu sagen wie: „Na, wenn Du immer solch kurze Röcke anziehst...“ Beides setze falsche Impulse und verletze sowohl die Bedürfnisse wie auch die Intimsphäre des Kindes oder der Jugendlichen.

Jüngst ging ein Fall durch die Medien, bei welchem eine 13-Jährige einen Missbrauch erfunden hatte. Dringenberg machte klar: „Normalerweise kommt ein Kind nicht von alleine auf sexuelle Themen. Glauben Sie also Ihrem Kind.“ Die Caritas-Expertin stellte jedoch heraus: „Wenn Ihr Kind davon erzählt, dann müssen sich die Begebenheiten nicht exakt so zugetragen haben.“ Kinder verdrängten oder überhöhten Erlebtes. Doch auch, wenn etwas falsch wiedergegeben werde: „Ganz von allein kommt ihr Kind definitiv nicht auf sowas, seien Sie achtsam.“

Betroffene Eltern können sich montags bis freitags von 9 bis 11 und dienstags bis donnerstags von 17 bis 19 Uhr unter der kostenfreien Rufnummer 08 00 / 1 11 05 50 melden.

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