Am Ende bleibt nur ein großer Haufen Schutt

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Verschwand am Donnerstag von der Bildfläche: Die Elektrotechnische Fabrik

Neuenrade - Die Elektrotechnische Fabrik wurde am Donnerstag komplett abgerissen.

Der gewaltige Bagger hat etwas von einem wütenden Raubtier, das sein Opfer Stück für Stück zerlegt. Keine Chance hat jedenfalls die Elektrotechnische Fabrik gegen diese fast ungebändigte Gewalt vom Hydraulik und Mechanik. Schlicht und einfach Schere nennt sich das Werkzeug, das an der Spitze des Baggers prangt und mitleidlos den alten Stahlträger abschneidet als wäre es aus Pappe.

Mit einer leichten Seitwärtsbewegung wird gleich eine ganze Wand darunter zum Einsturz gebracht, eine gewaltige Staubwolke dehnt sich unter Getöse aus, um kurz darauf von einem Sprühnebel aus Wasser gebändigt zu werden. Stück für Stück beißt sich nun der Bagger weiter in das Gebäude, das nun seine Innereien preis gibt. Gelbe Fliesen aus den 60er Jahren, ein Stahlrohr-Bett, Leitungen, Ziegelmauerwerk, Putz und alte Heizkörper. Der Bagger greift sich eine der Heiz-Rippen und drückt sie zusammen wie eine Ziehharmonika.

Abriss der Elektrotechnischen Fabrik in Neuenrade

Auf einem gewaltigen Schuttberg, eine Mischung aus Ziegeln, Mauern, Stahlträgerstücken thront der Abrissbagger. Dazwischen liegen noch weitere Metalllteile, die später mit dem Magneten herausgefischt werden, aber auch ein alter Heizkessel ist in dem Berg vergraben.

Derjenige, der virtuos den Bagger bedient und dabei bedächtig raucht, ist Frank Backmann, der schon „zig Jahre“ mit Baggern hantiert und bei Abrissunternehmer Ingor Pfeifer arbeitet. Er ist der eher ruhige Typ und hat sicher schon manches Gebäude vergehen sehen. 

Der Abriss ist auch ein Schauspiel für die Anwohner und Passanten: Das Ehepaar Schmidt dokumentiert gar den Abriss. Zunächst von der Dachwohnung aus im benachbarten Mehrfamilienhaus, gestern dann von der anderen Seite. Die Schmidts hatten die Elektrotechnische Fabrik Neuenrade täglich vor Augen, sahen, dass Kinder und Jugendliche die alte Fabrik teilweise zum Abenteuerspielplatz gemacht hatten und die Polizei auch schon eingreifen musste. Das ist jetzt alles vorbei, die Fabrik, zuletzt von Vaterland als Lager benutzt, ist weg.

Aber die Schmidts haben den historischen Moment eben per Kamera für die Nachwelt festgehalten. Und sie freuen sich nun über den freien Blick. „Wir sehen erstmals unsere Nachbarn“. Was mit dem Areal geschieht, ist zumindest für die Öffentlichkeit noch nicht klar. Der Besitzer des Geländes, Bauunternehmer Dietmar Brinkmann, welcher nun die Stadt von einer alten Brache befreit hat, sieht mehrere Optionen. Das Gelände kann nun komplett neu überplant werden und eröffnet viele Möglichkeiten.

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