Prozess gegen 30-jährigen Neuenrader

Bei vollem Bewusstsein Amphetamin gekauft

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Der Prozess gegen einen 30-jährigen Neuenrader läuft.

Neuenrade - Ein 30-Jähriger aus Neuenrade muss sich vor der 4. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen wegen „unerlaubten bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln“ verantworten. Er hat zugegeben, dass er am 31. Oktober 2014 in Meerbusch rund 440 Gramm Amphetamin für den Neuenrader Markt gekauft hat.

Wenig spricht dafür, dass der Angeklagte nicht wusste, was er tat, als er zum Drogenkauf nach Meerbusch fuhr. Zu diesem Ergebnis kam der psychiatrische Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz in seiner Expertise über den Bewusstseinszustand des 30-Jährigen. Der hatte nach eigenen Angaben, die durch einen Zeugen bestätigt wurden, am Abend vor dem Kauf eine geringe Menge Amphetamin eingenommen.

Man könne nicht davon ausgehen, dass die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten dadurch erheblich beeinträchtigt oder aufgehoben war, sagte der Nervenarzt und fügte einen ausführlichen Exkurs zur Wirkungsweise von Amphetamin an: Es steigere das Gefühl persönlicher Leistungsfähigkeit und das Selbstbewusstsein.

Auf eine anfängliche Hochstimmung folge ein depressiver Einbruch, dem viele Konsumenten wiederum durch Antidepressiva begegneten. Das Bewusstsein sei aber nicht benebelt wie etwa nach Alkoholkonsum: „Es ist schwierig, unter Amphetamin steuerungseingeschränkt zu werden. Der Angeklagte wusste, dass es verboten war.“

Optimistisch zeigte sich der Experte hinsichtlich des weiteren Lebensweges des Angeklagten unter besonderer Berücksichtigung von dessen Umgang mit dem Gesetzbuch: „Erhebliche rechtswidrige Taten sind eher unwahrscheinlich.“ Das Gutachten listete zudem die Probleme auf, die dem Angeklagten das Leben schwer gemacht hatten: Sexueller Missbrauch durch einen Fremden im Kindesalter hatte den ersten Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Folge gehabt.

Von einer anderen Seite deutete sich eine weitere Entlastung hinsichtlich des zu erwartenden Strafmaßes an: Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen erteilte den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen unerlaubten Besitzes und Handels mit einer nicht geringfügigen Menge an Betäubungsmitteln infrage komme. Damit wäre der strafrechtlich gravierendere Vorwurf des bewaffneten Handeltreibens möglicherweise vom Tisch. Tatsächlich hatte das Messer, das der Angeklagte bei seiner Festnahme im Auto hatte, keine Rolle gespielt.

Das Verfahren wird am 2. Dezember fortgesetzt.

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